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Vielfältig kreativ und seit vielen Jahren auch in der Hannover-Szene bekannt und aktiv: Musiker, Produzent, Buchautor und Filmemacher Lars Oppermann vom Jangland Studio.

Verschiedene Töpfe an Kreativität

Ein Gespräch mit Lars Oppermann vom Jangland Studio

30.10.2017, Von: Sabrina Kleinertz, Foto(s): Sabrina Kleinertz

Mit Eat No Fish rockte der gebürtige Einbecker Lars Oppermann die großen Bühnen, organisierte über 15 Jahre hinweg in Eigenregie das Jangland-Festival; veröffentlichte 2009 einen Roman und drehte mehrere Filme. In seinem Studio zwischen Hannover und Hildesheim schweift der Blick über das Mischpult durch das Fenster direkt ins Grüne. Newcomern bietet er dort die Möglichkeit, Songs aufzunehmen und beratend zur Seite zu stehen. Wir trafen Lars Oppermann zum Interview.

Rockszene:Wie sieht dein musikalischer Werdegang aus?

Lars Oppermann: In den 1990er-Jahren habe ich die Band Eat No Fish gegründet, mit der wir den damaligen FFN- Local Heros-Wettbewerb gewonnen haben. Mit den rund 70.000 DM Preisgeld konnten wir anfangen, Demos aufzunehmen. Dann sind wir bei Virgin Records gelandet, waren auf Tour und wurden mit Videos ausgestattet. Nach vier Jahren bin ich dann aus der Band ausgestiegen, ich musste den Kopf freibekommen und ging auf Weltreise.

Mit den Superstarfuckers habe ich ein Spaßprojekt begonnen, das Songs im Punkrock/ Metalstil covert und The High Speed Karmageddon. Dann folgte mit Dan Hiob ein Projekt, bei dem ich eigene Songs vorgestellt habe. Witziger Weise habe ich damit auch erneut den anfangs erwähnten Wettbewerb gewonnen, der da aber schon in Radio FFN New Sensation umbenannt wurde. Parallel dazu habe ich dann einen fiktiven Roman geschrieben. Nach Dan Hiob wurde es mit der Musik erst mal ruhiger und ich konzentrierte mich mehr auf Bands aus der Region und Kinofilme.

Mit Battle Of The Sun habe ich gerade wieder ein Projekt, das Songs aus den 1980/90er Jahren als Punk-/ Metal-Stücke inszeniert. Zusammengefasst versuche ich immer einen Wechsel zwischen Spaßprojekten und eigenen Sachen zu machen (lacht). 2001 habe ich dann das Jangland-Studio gegründet und nebenbei 15 Jahre lang ein Festival in Eigenregie veranstaltet. Das ist grob skizziert mein musikalischer Werdegang (lacht).

Du bist Musiker, Produzent, Autor und Filmemacher – Wie hängen diese Sachen zusammen?

Das Buch habe ich geschrieben, weil es als Band nicht mehr reicht, ein gutes Album zu machen. Wir in der Band hatten immer den Anspruch an uns selbst, einen anderen Aufhänger zu finden und so konnten wir Lesungen mit lauten Konzerten oder kleine Zwischenspielen verbinden. Das war super und hat das Thema spannender gemacht. Durch das Schreiben des Buches wollte ich Musikanekdoten und fiktive Handlungen einfließen lassen. Mit dem Film habe ich dann versucht, Medien anders auszuprobieren, da viele ja doch etwas lesefaul sind (lacht). Die beiden „Los Veganeros“-Filme handeln ja vom veganen Leben und da ich selbst Veganer bin, wollte ich einen Film machen, der nicht mit dem erhobenen Zeigefinger und schrecklichen Bildern arbeitet, sondern das Thema mit dem Genre Spielfilm erklärt.

Das war eine reine Überzeugungstat (lacht). Da ich ja verschiedene Tätigkeiten habe, ist der Reiz da, aus verschiedenen Töpfen an Kreativität zu schöpfen und damit Dinge zu kreieren. Alle diese Töpfe bedingen sich und der Vorteil an diesen vielen Töpfen ist, dass wenn ich viel aus einem geschöpft habe, ich doch immer wieder frisch aus einem andern schöpfen kann. Man hat vielleicht erst eine kurze Lethargie, aber dann ist man wieder total heiß. Ich finde es wichtig, sein Leben so vielfältig wie möglich zu gestalten und diese Vielfalt finde ich klasse (lacht).

Was fasziniert und inspiriert dich?

Kreativität ist der gemeinsame Nenner bei allen Projekten. Man muss sein Leben selbst in die Hand nehmen, denn alles ist möglich. Wenn Bands zu mir ins Studio kommen, dann möchte ich sie mit der bestmöglichen Produktion entlassen. Mein Anspruch ist es, aus einem Song das Optimum rauszuholen. Ich denke, nur so funktioniert es, sich gut in ein fremdes Projekt einzubringen. Ein Teil von einer Sache zu sein, das macht mich aus und ich denke, dass Bands auch von meinen Erfahrungen profitieren und einige Schritte auf der Leiter überspringen können.

Machen wir uns nichts vor – das ist ein Job und davon lebe ich (lacht). Aber es ist wie der Applaus, den man dafür bekommt, wenn man etwas geschaffen hat, das Leute toll finden. Wichtiger als Geld ist mir dabei die Erfüllung. Wenn die Bands dann zu mir kommen, ist das wie eine Rock n Roll-Klassenfahrt. Sie kommen hier her und feiern sich eine Woche lang ab und du bist ein Teil davon. Das ist sehr unverkrampft und macht Laune. Das Projekt vorher und nachher zu sehen ist toll.

Ist es für Musikschaffende leichter oder schwerer im Vergleich zu früher geworden?

Insgesamt wird es immer schwieriger, sich zu etablieren, weil heutzutage jeder ein YouTube-Video und ein Album hat. Ich erinnere mich noch an meine Bandphase, da war die CD noch etwas Besonderes. Heute ist vieles digital und daher werden Veranstalter auch ganz anders überschüttet. Das macht es schwer, aus einer Masse herauszustechen. Eine Band tut gut damit, sich ein besonderes Konzept zu überlegen. Aber ich würde es auch extrem langweilig finden, wenn das ganze Business nach einem Schema X funktionieren würde und man sich nur daran ausrichten müsste, damit alles funktioniert.

Heute ist es oft keine Qualitätsfrage mehr, sondern hat auch viel damit zu tun, sich selbst vernünftig zu managen und einen Plan zu haben. Man muss auf gut deutsch gesagt einfach den Arsch hochbekommen. Die digitalen Medien sind bis zu einem gewissen Punkt gerade für junge Bands hilfreich, aber dann können sie Fluch und Segen zugleich werden.

Wie empfindest du die hannoversche Musikszene?

Als ich extrem viel mit Filmen zu tun hatte, gab es bei mir einen anderen Fokus. Jetzt wo ich gerade wieder in die Szene hineingehe, gibt es gefühlt so viele Newcomer und Themen wie selten. Momentan arbeite ich in meinem Studio fast nur mit hannoverschen Bands. Mit meiner zweijährigen Abstinenz macht es Spaß, diesen großen Pool an hannoverschen Bands zu sehen und oftmals gehe ich nach spontanen Konzerten als Fan nach Hause. Da gibt es viele positive Überraschungen und man kann wieder gut spontan in den Club des Vertrauens gehen, um Neues zu entdecken.

Was bedeutet für dich Erfolg?

Erfolg ist eine Geschichte, zu der niemand Nein sagt (lacht). Ich nehme Erfolg gerne an, aber ich stecke mir nach oben hin keine Ziele, denn dann kann man nur enttäuscht werden. Ich gehe die Sachen eher mit Spaß, Motivation und maximaler Leidenschaft an. Erfolg einzukalkulieren kann schnell dazu führen, dass man enttäuscht wird.

Was macht dich sprachlos – im positiven und im negativen Sinn?

Sprachlos macht mich tatsächlich die Entwicklung der Plattenfirmen und die Dreistigkeit mancher Verträge. Viele Plattenfirmen scheinen immer weniger zu investieren, aber gleichzeitig immer mehr zu fordern. Viele Bands haben ja bereits ein Album fertig oder sollen es auf eigene Kosten produzieren. Dann sollen sie noch mehrere Tausend Euro für Promomaßnahmen bezahlen, doch die Plattenfirmen nutzen dann nur ihren großen Mailverteiler. Da wird mit den Träumen von Bands gespielt und diese ausgequetscht. Das ist ähnlich wie in manchen Bookingagenturen. Viele sollten auf weniger Pferde setzten. Da wird oftmals pauschal Geld von den einzelnen Bands verlangt, sodass die Agentur nicht zwingend verbuchen muss, um ihre Fixkosten zu decken.

Ich habe das Gefühl, dass Bands immer öfter ausgesaugt werden. Irgendeine Band spielt immer umsonst, aber Kunst muss bezahlt werden. Ich habe schon viele Bands vor beschissenen Verträgen gerettet und biete auch immer an, vorher nochmal genau drüber zu schauen. Speziell für solche Bands, die ohne Vertrag sind und ein kleines Budget haben, biete ich auch Ermäßigungen in meinem Studio. Das ist meiner Meinung nach wichtig, um gegen diese Verträge zu halten. Eine Unterschrift unter einem Plattenvertrag scheint ein mystisches Ding; ein magischer Moment zu sein, aber man sollte manche Verträge nicht nur zum Preis der Unterschrift machen.

Wie fühlen sich große und kleine Bühnen an und wo spielst du lieber?

Als Musiker muss ich schon sagen, dass Bühnen wie auf dem Hurricane- Festival etwas Besonderes und nichts Alltägliches sind. Ich kann mich noch daran erinnern, wie wir dort vor etwa 30.000 Zuschauern gespielt haben und ich von der Bühne aus ein Meer aus Köpfen sah, die bis zum Mischzelt und noch weiter reichte. Aber auch kleine Clubs können dich mit einer geilen Stimmung total vereinnahmen. Es kommt darauf an, was du gibst und was du kriegst. Auch ein schlecht gespieltes Konzert kann seinen Reiz haben (lacht).

Was sind deine Ziele?

Wenn ich mein Leben weiterhin so gestalten kann wie bisher, dann bin ich echt total glücklich (lacht). Ich mag es, nicht zu wissen, was heute in fünf Jahren ist. Wenn ich das Gefühl habe, dass etwas Neues passieren muss, dann will ich nicht nur Träume haben, sondern wissen, dass ich diese Sachen auch realisieren kann. Mein Credo ist es, meine Träume auch auszuführen. Parallel zur Künstlerwelt reise ich viel und liebe die Wellen. Wenn ich mein Leben weiterhin durch die Kreativität finanzieren kann, dann fühle ich mich komplett ausgefüllt und bin ganz bei mir selbst. Ich kann auf jeden Fall mit hundertprozentiger Sicherheit sagen, dass es nicht so sein wird, wie ich es mir jetzt vorstelle (lacht).

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externer Link www.jangland-studio.de

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