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Vielen ist Christian Decker sicherlich als Bassist von Fury In The Slaughterhouse bekannt. Neuerdings ist er jetzt auch musikalischer Leiter am Schauspielhaus in Hannover. Mehr verrät er uns im Rockszene.de-Interview.

Die drei Fragen

Im Interview mit Christian Decker

02.10.2017, Von: Sabrina Kleinertz, Foto(s): Sabrina Kleinertz

Als Musiker und Produzent ist Christian Decker viel beschäftigt. Als Bassist bei Fury In The Slaughterhouse ist er Ende Oktober wieder mit einer Akustik-Tour unterwegs, in seinem Studio produziert er und nun ist Decker seit August auch musikalischer Leiter am Schauspielhaus in Hannover. Was die neue Aufgabe an Herausforderungen mit sich bringt und wie man sich von Rückschlägen erholen kann, darüber sprachen wir mit Christian Decker im Interview.

Rockszene: Wie sieht dein musikalischer Werdegang aus?

Christian Decker:Ich habe mit vier Jahren Klavierunterricht bekommen, später habe ich dann auf Saxophon und schließlich auf E-Bass gewechselt. Seit dem ich 14 Jahre alt war habe ich in Bands von unterschiedlichster Form gespielt und dann studiert. Ich habe mich aber nie auf nur ein Genre festgelegt, denn ich finde, dass in jeder Musik etwas gemacht werden kann, das Schönheit und Kraft besitzt. Zwar ist meine Heimat eher der Gitarren-Pop, aber das allein ist ja bereits ein weites Feld (lacht).

Wie bist du zur Stelle im Schauspielhaus gekommen und was erwartest du?

Ich habe in den letzten fünf Jahren bereits jedes Jahr eine Produktion in Zürich oder Hannover mitgemacht, daher weiß ich relativ gut, was mich erwartet. Es ist eine sehr angenehme Herausforderung und Tätigkeit, bei der ich viel mit Schauspielern zu tun haben werde. Das sind eine ganz andere Art Menschen, die aber unheimlich musikinteressiert sind. Es gibt da eine wechselseitige Faszination zwischen Musikern und Schauspielern. Bei meiner Arbeit am Schauspielhaus geht es um die Illustration von Handlungen und das ist etwas, das ich extrem spannend finde. Das Schauspielhaus bietet mir dafür eine gute Arbeitsatmosphäre. Ich freue mich einfach darauf, eine gute Zeit zu haben, spannende Gestaltungen zu machen und neue Kollegen kennenzulernen.

Wie unterscheidet sich deine neue Tätigkeit zu deinen bisherigen?

Mir fallen in erster Linie nur Gemeinsamkeiten ein (lacht), weil Musik machen und Musik schaffen beziehungsweise schreiben erst mal nicht so unterschiedlich sind. Beim Schauspiel gibt es eine Angebundenheit an die Handlung , man ist Teil des Produktionsteams und somit auch Teil des Ganzen. Bei meiner neuen Aufgabe halte ich aber zuerst die Fassung in der Hand und nicht die Instrumente (lacht).

Was waren Rückschläge und wie berappelt man sich davon?

Ich denke, dass es bei jeden immer mal Rückschläge, aber auch das Gegenteil davon gibt. Meiner Meinung nach ist sowas bei der kreativen Entwicklung total wichtig. Mal findet sowas in Stufen; mal in Wellen statt und daraus ergeben sich Sammelphasen für die nächsten Schritte. Für Freiberufler kann es Durststrecken geben, aber ich denke, dass man in Situationen, in denen mal selbst nicht genug zu tun hat versuchen sollte, kurz-, mittel- und langfristig zu denken und das größere Bild zu sehen. Dann können sich ganz neue Sachen ergeben. Das ist in gewisser Weise ein Paradoxon, denn in Zeiten, in denen man viel zu tun hat sehnt man sich vielleicht nach Zeiten, in denen man mehr Luft hat. Wenn man für sich Klarheit geschaffen hat und weiß, was man möchte, dann kann man die richtigen Sachen und Projekte auswählen und es kommt zu Aufträgen..

Wie wählst du also Projekte für dich aus – nach wirtschaftlichem oder emotionalem Nutzen?

Das ist eine gute Mischung. Ich bin Vater eines Sohnes und dem bringt es nichts, wenn ich nur idealistische Projekte mache. Aber ich intensiviere immer die Dinge, die mir Spaß machen. Abgesehen vom Herzblut stelle ich mir immer drei Fragen: Wie wird es bezahlt? Macht es Spaß? Und kann ich dabei etwas lernen? Wenn ich zwei von drei Fragen bejahen kann, dann ist es schon sehr gut.

Wie hat sich das Musikbusiness unter Rücksichtnahme auf Stichworte wie „Digitalisierung“ und „Streaming“ verändert?

Als ich in den 1990er Jahren mit der Musik angefangen habe, hatte ich das Glück relativ direkt nach meinem Studium bei Fury In The Slaugtherhouse einzusteigen. Damals ging es aber auch noch eher darum, den großen Plattenvertrag zu bekommen. Das war das Ziel. Aber man merkt, dass sich das verschoben hat. Heutzutage gibt es genug andere Dinge und Tätigkeiten, die man sich als Freiberufler oder Band zusammenstellen kann. Das Live spielen hat großes Gewicht bekommen. Bei mir ist es momentan bunt gemischt. Ich vertone Dokumentationen, arbeite im Theater oder produziere Playbacks für Kreuzfahrtschiffe.

Welche Tipps kannst du jungen Bands und Musikern geben?

Ich mache das eigentlich nicht so gerne, da das schnell von oben herab gesagt klingt. Aber man sollte sich von Rückschlägen nicht entmutigen lassen und an seine Sache glauben. Außerdem sollte man wissen, was für Ziele man hat und was einen selbst glücklich macht. Talent allein reicht nicht, sondern man muss auch fleißig sein. Musik machen ist in meinen Augen sehr stark ein Handwerksberuf. Man sollte da nicht auf ein Engagement warten, sondern die Sache gezielt angehen.

Wie empfindest du die hannoversche Musikszene?

Ich habe keinen richtigen Überblick. Zwar kriege ich etwas mit, aber hauptsächlich aus meiner Generation, also kann ich mir kein Urteil erlauben. Ich glaube, dass es früher mehr Bands gab; heute hingegen mehr am PC gearbeitet wird. Ich stelle aber auch fest, dass es eine neue Generation gibt, die technisch und geschmacklich auf einem sehr hohen Stand ist. Hannover würde ich da als lebendige und vielfältige Stadt bezeichnen.

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