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Für den Jazz und den Jazz Club Hannover engagiert: Uwe Thedsen (links) und Lothar Krist.

Wurzeln und Wellen

Ein Besuch und ein Gespräch im Jazz Club Hannover

29.08.2017, Von: Sabrina Kleinertz, Foto(s): Sabrina Kleinertz

Die Wände sind orange und die Atmosphäre urig und geschichtsträchtig. Wer den Jazz Club Hannover besucht, der kann Geschichten von Jazz-Größen hören, die den weltweit bekannten Club in der niedersächsischen Landdeshauptstadt besuchten oder gemütlich an der Bar lehnen und Konzerte genießen. Doch wie hat sich das Genre innerhalb der letzen Jahrzehnte entwickelt und welchen Stellenwert nimmt er in der Musiklandschaft ein? Wir trafen uns mit Lothar Krist und Uwe Thedsen vom Jazz Club Hannover und haben nachgefragt.

Rockszene:Wie ist der Jazz Club entstanden und wer kommt zu Ihnen?

Lothar Krist und Uwe Thedsen: Im vergangenen Jahr haben wir das 50-jährige Bestehen gefeiert und eine Autorin hat dafür eine sehr ausführliches und gut recherchiertes Buch zusammengestellt, da wird sehr genau auf die Geschichte des Clubs eingegangen; besser als wir das erzählen können (lachen). Im Moment haben wir 88 Mitglieder, aber hinzu kommt noch die Gesellschaft der Freunde des Jazz mit etwa 180 Mitgliedern. Im Club selbst können wir bestuhlt etwa 120 und unbestuhlt etwa 190 Gäste empfangen. Knapp die Hälfte unserer Veranstaltungen ist ausverkauft und gerade bei Latin haben wir mehr Frauen als Männer zu Gast.

Das liegt wohl daran, dass diese Musik aktuell ist. Das durchschnittliche Alter unserer Gäste hängt meist mit der Stilrichtung zusammen. Die Range ist riesig und reicht von 16 bis 80 Jahren. Oftmals staunen wir auch über die Sammlungen, die einige Liebhaber des Genres privat angelegt haben. Manche haben unheimlich viel Interesse, aber wenig Zeit, um Live-Konzerte zu besuchen und wenn solche Menschen dann ihre Sammlung auflösen und uns übergeben, dann sind das teils Schenkungen mit bis zu 1000 Platten.

Welche Bedeutung hat der Jazz innerhalb der deutschen Musiklandschaft?

Jazz hatte immer seine Wellen; mal ging es hoch und mal sank er ab. Unser Eindruck ist, dass Jazz für junge Leute wieder interessant wird. Viele hören die Musik irgendwo und wissen nicht, dass das Jazz ist. Das animiert dazu, die Musik kennenzulernen und zu uns zu kommen.

Der Club besteht seit über 50 Jahren – Was hat sich verändert? Was ist positiv und negativ?

Im Laufe der Jahre haben wir an verschiedenen Dingen mitgewirkt, wie beispielsweise der Ausarbeitung für den Studiengang an der hannoverschen Musikhochschule. Es fängt erst langsam an, dass Kultur auch in der Politik einen Stellenwert bekommt und wir als Club müssen lernen, gemeinsam mit einer Stimme zu sprechen. Es gibt viel Interesse, aber noch wenig politische Struktur.

Wie sieht die Jazz-Szene aus – In Deutschland und speziell in Hannover?

In Deutschland ist Berlin als Jazzstadt sehr bekannt und dort gibt es viele Clubs. Demnach gibt es aber auch viele Musiker dort und obwohl die Stadt strategisch gut liegt, ist es ein selbstgemachtes Problem, dass Musiker schlechte Auftrittschancen und –möglichkeiten haben. Somit achten wir darauf, Leistungen zu honorieren. Heutzutage ist es eine absolute Ausnahme, dass man von Jazz leben kann. Viele der Musiker sind zusätzlich noch als Lehrer oder an Theatern tätig.

Welche Unterschiede gibt es zu kommerziellen Genres wie Rock und Pop?

Lothar Krist:Ich kenne beide Welten, sowohl die des Pop, als auch die des Jazz und man kann sie nur schwer miteinander vergleichen. Es gibt teils Überschneidungen. Wenn ich aber sage, dass Rock/ Pop simpel ist, dann meine ich das nicht im Bezug auf seine Intensität und Tonalität. Es kommt auch viel auf die verschiedenen Herangehensweisen an. Bei großen Teilen der Popmusik sind eine Tanzbarkeit und eine animierende Show wichtig. Jazz hat die Entwicklungen, die andere Genres über Jahrhunderte hinweg durchlaufen, innerhalb von Jahrzehntschritten gemacht. Da ging es unglaublich schnell und kreativ."

Sie haben einen Jazz-Preis ausgeschrieben – An wen richtet er sich und um was geht es inhaltlich?

Der Jazz Preis Hannover ist eine Wiederaufnahme des Fördergedanken. Er wendet sich an Musiker in Hannover und der Region. Dabei gibt es zwei verschiedene Altersklassen. Die eine endet mit dem 21. Lebensjahr, die andere mit dem 30. Lebensjahr. Wir möchten damit die Schülerszene und junge Profis erreichen. Bis zum 31. August kann man sich mit Aufnahmen bewerben, die die Band darstellen und mit denen man auf der Bühne performen kann. Die Besetzung trägt man in einem Onlineformular ein und alles wird an eine Jury weitergeleitet. Im September haben die dann Zeit, die Finalisten zu ermitteln. Im Oktober folgt dann eine Pressekonferenz, bei der diese Finalisten bekannt gegeben werden. Als Preise stehen beträchtliche Summen zur Verfügung.

Was wünsche Sie sich für die Zukunft und was sind Ziele?

Jazz hat seine Schwankungen und das Betreiben von solch einem Club wird schwieriger. Man findet kaum Gastronomen, die bei so etwas einsteigen möchten. Das ist eine große Problematik. Wir hoffen, dass das Potenziale von Pop und auch Jazz in der Politik erkannt wird. Es gibt allmählich Politiker, die Fonds anlegen, an denen sich nur Clubs beteiligen können. Es ist eine Aufgabe des Staates, der Kultur zu helfen. Wir im Speziellen würden uns auch sehr über Leute freuen, die ehrenamtlich bei uns mitwirken. Besonders für die Tontechnik suchen wir jemanden, der daran Interesse hat. Bei uns wird die Praxis großgeschrieben und man muss auch bereit sein, einen Teil seiner Freizeit zur Verfügung zu stellen zu können.

INFO-BOX

Links
externer Link www.jazz-club.de
externer Link www.facebook.com/jazzclubhannoverofficial

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