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Im Rockszene.de-Interview: Hannover-UNESCO-City-Of-Music-Koordinatorin Alice Moser.

Eine internationale Musikfamilie

Alice Moser zum Thema UNESCO City Of Music im Gespräch

24.08.2017, Von: Sabrina Kleinertz, Foto(s): Sabrina Kleinertz

Seit Dezember 2014 kann sich Hannover stolz als UNESCO City of Music bezeichnen und reiht sich so nur mit Mannheim als weitere deutsche Stadt weltweit in eine Vielzahl von Städten ein, die von der UNESCO als eine Stadt ausgezeichnet wurde, die ihre eigene kulturelle und musikalische Entwicklung besonders fördert. Doch viele Hannoveraner fragen sich, welche Entwicklungen und Neuerungen mit diesem Titel im alltäglichen Leben einhergehen. Wir trafen uns mit Alice Moser, die diesen Titel als Koordinatorin betreut und uns einen Einblick in ihren Arbeitsalltag gab.

Rockszene.de: Wie sind Sie zu dieser Arbeit gekommen und was bedeutet für Sie persönlich der Begriff „Musik“?

Alice Moser: Ich habe englische Kultur und Literatur sowie deutsche Kultur und Geschichte studiert und nebenbei schon immer im Musikbusiness gearbeitet, wie beispielsweise bei der Oper oder in einer Konzertagentur für klassische Musik, in der ich mich am Ende besonders um das Künstlermanagement von Solisten und Dirigenten gekümmert habe. Da ich aber nicht nur Klassik, sondern auch gerne andere Musikrichtungen höre, wollte ich mein Arbeitsfeld gerne dahingehend ausweiten. Dann kam die öffentliche Ausschreibung für die Stelle als Koordinator für Hannover als UNESCO City of Music gerade recht. Musik ist für mich Lebenselixier und ich liebe es, auf Konzerte zu gehen. Wenn man mich fragt, ob ich eher auf den Fernseher oder das Radio verzichten könnte, dann ist es immer der Fernseher (lacht). Für mich ist es mit Musik wie mit einem Geruch – sobald man etwas Bekanntes hört beziehungsweise riecht, kommen ganz bestimmte Erinnerungen und Emotionen auf.

Welche Voraussetzungen mussten erfüllt werden und wie ist Hannover UNESCO City of Music geworden?

Die Bewerbungsphase der Stadt habe ich noch nicht betreut. Aber es gab aus der hannoverschen Musikszene und -wirtschaft heraus den Wunsch, das darzustellen, was Hannover an reichem Musikleben hat, federführend war hier das kreHtiv Netzwerk. Nach einer Ist-Analyse entschied man sich zu bewerben. Ich denke, dass es hier ganz viel rund um das Thema Musik gibt. Hannover ist als Chorstadt bekannt und hat eine international erfolgreiche Musikhochschule. Das sind zwei bekannte Größen in der Stadt. Dazu zählen auch die Oper, die NDR Radiophilharmonie und die große Jazz-Szene, aber auch international agierende Unternehmen wie Sennheiser oder Duesenberg Guitars. Auch im Rock - Pop Bereich müssen wir uns nicht verstecken. Unsere Bewerbung hat die UNESCO Creative Cities Kommission überzeugt und wir sind UNESCO City of Music geworden – zur gleichen Zeit wie Mannheim.

Gab es also eine Art Konkurrenz zwischen Hannover und Mannheim?

Nein, wir haben uns vielmehr für einander gefreut. Wir sind Partner und keine Konkurrenten. Die Zusammenarbeit ist wichtig und das daraus entstehende Netzwerk ist eine große Stärke, die uns zu einer internationalen Musikfamilie macht.

Wie sieht Ihre tägliche Arbeit aus und an welchen Projekten arbeiten Sie aktuell?

Jeder Tag ist anders. Meist schaue ich morgens erstmals nach meinen E-Mails. Fast jeden Tag erreichen mich Projektideen und der Wunsch nach Möglichkeiten der Zusammenarbeit hier in Hannover, aber auch mit dem internationalen Netzwerk. Diese Projektwünsche betreue ich. Ich suche das Gespräch, unterstütze und helfe, diese konkreten Projekte erfolgreich umzusetzen. Außerdem verfasse ich regelmäßige Newsletter, um unsere Partner zu informieren, bereite Termine für unsere Websites vor, die für lokale Themen und für die internationalen Projekte zu finden sind (Die Links dazu findet man unten in der Infobox – d.Red.) Darüber hinaus arbeite ich daran, das Logo in der Stadt präsenter und greifbarer zu machen. Dazu hatten wir kürzlich eine City Card Kampagne, die sehr gut gelaufen ist. Außerdem haben wir auch unsere eigenen Projekte innerhalb des Kulturbüros, wie zuletzt zum Beispiel unsere City- of- Music- Bühne bei der Fête de la Musique. Hier habe ich im Vorfeld die Organisation gemacht und war natürlich am Tag selber die ganze Zeit vor Ort an der Bühne. Im Moment arbeite ich an einem Konzert mit, das mit Musikern aus der City of Music Tongyeong, Süd-Korea, in Herrenhausen gestaltet wird. Da gilt es, sich vor allem um viele Kleinigkeiten, wie Hotels, Proben oder einen Empfang zu kümmern.

Welche Erfolge und Entwicklungen hat es bereits gegeben?

Mir ist bewusst, dass ich mit meiner Arbeit und dem Budget nicht die Musik-Welt retten kann, aber ich arbeite hart daran, den Titel greifbarer zu machen und mit dem mir vorhandenen Budget schöne lokale und internationale Projekte, Austausche und Ideen für Hannover und für die Musikszene Hannovers umzusetzen. Dazu zählen zum Beispiel unsere eigene Bühne bei der Fête de la Musique mit Bands aus Liverpool, Katowice und Idanha-a-Nova, die City of Music Bühne beim MASALA Weltmarkt und viele Begegnungen von internationalen Gästen und Musikern mit Musikern und Musikmachern aus Hannover.

Alle Gäste, die bisher hier waren, und das waren einige aus dem Cities of Music Netzwerk, sind total begeistert von Hannover und wollten zum Einen gar nicht wieder abreisen und kommen zum Anderen sehr gerne wieder her. Für uns ist es das schönste Lob, wenn unsere Musik-Stadt international so positiv wahrgenommen wird. Mit den asiatischen Städten Hamamatsu und Tongyeong gibt es inzwischen offizielle, von den Oberbürgermeistern unterzeichnete Memoranden, die die zukünftige Zusammenarbeit unterstreichen. Wir versuchen, durch das große internationale Netzwerk der Creative Cities hannoverschen Musikern eine Tür in die Welt zu öffnen. Wir beraten und leiten Aufrufe aus den anderen Städten weiter, um hannoverschen Künstlern die Gelegenheit zu geben, in anderen Creative Cities aufzutreten.

Mitunter erfahren wir auch viel bürgerliches Engagement und die Bereitschaft, uns bei der Bekanntmachung des Titels und des Logos zu unterstützen. Ich denke, dass Hannover gut im Netzwerk der Cities of Music angekommen ist und man als Hannoveraner stolz darauf sein kann, was bereits hier vorhanden ist. So haben -wie erwähnt- einige internationale Unternehmen der Musikwirtschaft ihren Hauptsitz hier und exportieren in die ganze Welt. Und auch die erste Massenproduktion von Schallplatten fand hier in Hannover statt. Ich freue mich über jeden, der sich mit weiteren Wünschen und Ideen an mich wendet. Ich versuche stetig, bei solchen Plänen mitzuhelfen und die Leute mit Ideen und Kontakten zu füttern und das lokale und das internationale Netzwerk zu nutzen. Am Ende sollen alle voneinander profitieren und miteinander glücklich sein.

Wie wird internationale Zusammenarbeit gelebt?

Wir haben in der Vergangenheit bereits mit internationalen Gästen gearbeitet und tauschen uns innerhalb des Netzwerkes regelmäßig aus, um Zusammenarbeiten entstehen zu lassen. Dadurch können die Cities of Music voneinander profitieren und ihr Expertenwissen in die Welt tragen. Das ist auch der Wunsch der UNESCO und war der Sinn, warum das Creative Cities Netzwerk ins Leben gerufen wurde. Kultur ist wichtig für eine lebenswerte Stadt und eine nachhaltige Stadtentwicklung.

Welche Stärken und welche Schwächen hat der Standort Hannover und wie wird er für Musikschaffenden attraktiv?

Hannover ist als Musikwirtschaftsstandort sicherlich durch Firmen wie Sennheiser oder Duesenberg Guitars attraktiv. Aber auch die Musikszene ist sehr divers. Hier ist einfach so viel los und es ist so viel Potenzial vorhanden, das es zu nutzen und darzustellen gilt. Problematisch ist sicherlich das Clubsterben, mit dem aber sehr viele Städte zu kämpfen haben. Und vielleicht ist es als neue Band auch schwer, sich zu etablieren und ein Publikum zu haben. Da brauchen wir als Konzertgänger vielleicht noch mehr Mut und Offenheit. Und natürlich heißt es für mich mitzuhelfen, Hannover als Musikstadt noch weiter zu etablieren und zu zeigen, dass wir nicht nur für Jazz und Chorgesang bekannt sind, sondern auch als Rock- und Metal-Stadt noch immer mitmischen (lacht).

Musikschaffende sollen gerne hierherkommen und sich wohlfühlen. Ich denke, dafür findet man hier ein gutes Publikum und ein gutes Leben.

INFO-BOX

Links
externer Link www.hannover.de/cityofmusic
externer Link www.citiesofmusic.net

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