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Gibt Einblick in ihre Bandgeschichte, Arbeitsweise und Wünsche: Die Rockband Ember Sea aus Hannover.

Einheit und Melodie

Im Interview mit der Band Ember Sea

26.07.2017, Von: Sabrina Kleinertz, Foto(s): Marc Rodenberg

Seit mehreren Jahren ist die Band Ember Sea ein fester Bestandteil der hannoverschen Musikszene und auch über die Stadtgrenzen hinaus im gesamten Bundesgebiet unterwegs. Auf ein Genre lässt sich das Quintett bestehend aus Eva Gerland (Gesang), Stefan Santag (Gitarre), Pablo J. Tammen (Bass), Dirk Marquardt (Keys) und Enrico Mier (Schlagzeug) nicht festlegen, kombiniert aber Stilelemente aus Gothic, Metal und Rock zu ihrem ganz eigenen Genrebegriff. Nun steht das neue Album „How To Tame A Heart“ in den Startlöchern und ab Anfang August in den Regalen. So trafen wir uns mit Pablo J. Tammen, Dirk Marquardt und Enrico Mier zum Interview, um sowohl über Aktuelles als auch Vergangenes zu sprechen.

Rockszene.de:Wie ist die Band entstanden und was war euch dabei besonders wichtig?

Ember Sea:Die Band entstand 2009 aus einer anderen Band heraus, in der Dirk und Pablo spielten. Da ging es thematisch eher um Drachentöter-Metal und als wir auf dem dritten Album einiges anders machten, gefiel das vielen Fans nicht mehr. Daraus entstand 2009 die Idee, eine neue Band zu gründen. Zuerst haben wir uns unsere Sängerin Eva angelacht (lachen) und bis 2012 verschiedene Bandbesetzungen probiert und auch Wechsel gehabt. Es hat manchmal Kämpfe gegeben und man hat gemerkt, dass etwas dabei nicht funktioniert. Somit sehen wir auch eher 2012 als unser Gründungsjahr, da dort unser Schlagzeuger Enrico dazu kam und wir in dieser Gründungsform gestartet sind. Deshalb spielen wir auch nur wenige Songs von vor 2012.

Was waren anfängliche Schwierigkeiten und wie können lokale Bands erfolgreich werden?

Man sucht wohl klassischerweise immer nach der perfekten Chemie und nachdem wir diese gefunden hatten, ging es darum, sich einzupendeln. Man muss sich sicherlich erst einmal zusammenfinden und unserer verschiedenen musikalischen Kulturen verbinden, wodurch es anfangs immer drei oder vier verschiedene „richtige“ Wege gab (lachen). Der Erfolg einer Band ist sicherlich auch immer eine Frage der Fleißarbeit, bei der man dranbleiben und nachhaken muss. Vor dem Aufkommen von Social Media war das einfacher und ging von alleine. Heute hingegen ist es schwieriger.

Welche Tipps könnt ihr dann geben?

Es ist grundsätzlich eine Einstellungssache. Wir haben uns beispielsweise von Anfang an gegen ein „Pay to Play“, also das Kaufen einer bestimmten Anzahl von Tickets als Gegenleistung für einen Gig entschieden. Man muss einfach dranbleiben und auch nach Misserfolgen weitermachen. Als wir uns mal in Bremen beworben haben, schrieben wir sechs E-Mails und haben irgendwann konkret gefragt, was man denn nun machen muss, um dort zu spielen. Da war das Interesse unseres Gegenübers plötzlich da. Außerdem ist es immer gut, sich mit anderen Bands zu vernetzen und kein Einzelkämpfer zu sein. Man sollte lieber befreundet sein und beispielsweise einen Gig zusammen machen.

Was hat sich in der Szene zum Positiven und zum Negativen verändert?

In Hannover gibt es viele Leute, die etwas machen und auf die Beine stellen, aber klassische Läden oder Treffpunkte gibt es nicht mehr. Früher konnte man einfach in einen Laden gehen, ohne zu wissen, was dort läuft und es hat trotzdem gepasst. Jetzt gibt es außergewöhnlich wenige Partys mit sehr engagierten Leuten. Ein unverbindlicher Anlaufpunkt könnte der Stadt gut tun. Ein Gig kann unheimlich viel Arbeit machen und beginnt schon mit der Recherche und einer ersten Kontaktaufnahme. Da muss man als Band selbst mehr machen und die Aufgaben gleichmäßig untereinander verteilen. Heutzutage geben Labels weniger Geld aus und erwarten gleichzeitig, dass die Band mehr macht, wenn es um Dinge wie die Präsenz in allen Bereichen geht. Man muss aktiv sein und ständig etwas machen, das kann dann auch Chancen bieten, aus Hannover heraus an andere Gigs zu kommen. Es liegt aber sicherlich auch an den Menschen, die heutzutage keine Videos mehr anschauen oder keine Printmagazine lesen. Früher hat man sich sowas gekauft und auch wirklich durchgelesen, um zu wissen, was gerade passiert und was es Neues gibt. Die Leute sollen einfach auch auf kleine Konzerte gehen und sich auf neue Bands einlassen.

Welche Vorteile und welche Nachteile bringt die Band als Nebenjob?

Auf der einen Seite ist es natürlich schade, dass man nicht davon lebt, aber wir kennen auch sehr große Bands, deren Mitglieder heute wieder Versicherungen verkaufen. Es ist einfach gut zu wissen, dass man noch ein Standbein hat, das die Miete bezahlt (lachen). Somit ist es wohl Fluch und Segen zugleich.

Was war euch bei eurem aktuellen Album besonders wichtig?

Wir haben vor allem großen Wert auf die Einheit und die Melodie gelegt. Auf der letzten Platte finden sich Songs, die teils 2009, 2010, 2011 oder sogar 2012 entstanden sind. Wir wollten Ego-Zickereien da heraus lassen und uns besonders auf das Werkzeug konzentriert, die Credits gleich aufzuteilen, da jeder Parts oder schon recht fertige Dinge mit eingebracht hat. .

Was sind Träume und Ziele, die ihr euch in Zukunft erfüllen wollt?

Es ist ein komischer Gedanke, sich vorzustellen, dass die neue Platte total einschlägt und man nicht mehr unerkannt einkaufen gehen kann (lachen). Unser Ziel sind zwar die großen Bühnen, aber es müssen keine Millionenbeträge verdient werden (lachen). Wenn aber die Rahmenbedingungen und die technische Voraussetzungen stimmen, dann können wir besser abliefern. Wir haben schon einige Male gehört, dass unser Soundgerüst für große Bühnen geeignet ist und da würden wir uns natürlich große Bühnen wünschen, die die technischen Rahmenbedingungen dafür vollkommen mitbringen. Außerdem wäre es toll, nicht mehr als Besucher auf ein Festival zu gehen, sondern als Künstler (lachen).

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externer Link www.ember-sea.com
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