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Brachte Bühnenerfahrung mit und heizte dem Publikum ein: Steven Screamz von Drunken `N` Dangerous bei der Punkrock-Karaoke im Rocker.

Jeden Abend neue „Bandmitglieder“

Das Konzept der Punkrock-Karaoke im Rocker

20.05.2017, Von: Lisa Eimermacher, Foto(s): Lisa Eimermacher

Herkömmliche Karaoke ist wohl jedem ein Begriff. Bei der Punkrock-Karaoke in Hannovers Rockbar Rocker in der Reuterstraße läuft das Ganze ein wenig anders ab. Nach Musik aus der Konserve mit Bildschirm kann vergebens gesucht werden. Stattdessen wird den Teilnehmern von einer waschechten Live-Band aus Dresden der Rücken gestärkt. Unter dem Motto „PIY (Punk It Yourself – Punkrock Karaoke“ ist für jeden Musikbegeisterten ein Platz auf der Bühne gewiss. Im Rocker findet dieses besondere Veranstaltungsformat in der Regel zweimal jährlich statt. Wir haben uns Anfang Mai im Rocker unter die singenden und feiernden Besucher gemischt.

Karaoke-Singen kann jeder. Doch wer traut sich, Punkrock-Hits einmal als Frontfrau oder –mann einer echten Live-Band auf die Bühne zu bringen? Für diejenigen, die schon immer einmal davon träumten, konnte dieser Wunsch bei „PIY“ im Rocker am Steintor in Erfüllung gehen. Hierfür hielt die Band um „Zottel“, „Al Gotti“ und „The Gunn“, die mit dieser Show deutschlandweit unterwegs sind, eine Songauswahl aus etwa 90 Liebling-Punkrock-Songs bereit.
Vorschau Bild 1Vorschau Bild 2Vorschau Bild 3Fotostrecke (5 Bilder) -Foto(s): Lisa Eimermacher
Wie bei fast jedem Karaoke-Abend muss das Publikum erst einmal warm werden. Da hilft es, dass DJ Glitter, der seit Jahren im Rocker auflegt, den Anfang macht und die Show mit „Sheena Is A Punkrocker“ von den Ramones und „Anarchy In The U.K.“ von den Sex Pistols eröffnet.

Kurze Zeit später gibt sich Steven Screamz, Sänger und Gitarrist der Hannoveraner Rock `N`Roll Band Drunken `N` Dangerous, die Ehre und performt kurzerhand den Twisted Sister-Song „We’re Not Gonna Take It“.

Mittlerweile nimmt er zum dritten Mal an der Punkrock-Karaoke teil. Auch seine Frau und Rocker-Barkeeperin Sandra gibt einige Songs zum Besten, so zum Beispiel „Quadrat Im Kreis“ der deutschen Punkband WIZO. Zusammen singt das Ehepaar einige Songs im Duett, auch vor der Bühne.

Mitten im Geschehen

Das Entscheidende an der Punkrock-Karaoke ist für Steven nicht nur das Genre: „Das Besondere daran ist, dass hier Leute, die sonst vielleicht keine Musik machen, das Erlebnis haben, mit einer Band live zu spielen und zu performen. Da sind mehr Emotionen im Spiel als bei der klassischen Karaoke. Außerdem ist man mehr im Geschehen.“

Bühnenerfahrung bringt auch Ino Augenreich, Sänger und Gitarrist der Hard und Blues Rock Cover-Band Hard `N` Blue, mit. Diesmal ohne Gitarre, aber dafür mit Cowboy-Hut, teilt er sich ebenso souverän wie sein Vorgänger Steven die Bühne mit Gitarrist „Zottel“, Bassist „Al Gotti“ und Drummer „The Gunn“. Ino singt „Elke“ von Die Ärzte und „Mother“ von Danzig.

Nach einer Weile füllt sich der Club am Steintor merklich, einige Neugierige mischen sich unter das Stamm-Publikum. Mit steigendem Pegel wird auch die Stimmung merklich ausgelassener und die Zahl der freiwilligen Sängerinnen und Sänger steigt.

Ganz nach dem Motto „Das Schlimmste ist, wenn das Bier alle ist“ von Die Kassierer gibt es als Belohnung für jeden Auftritt eine alkoholisches Getränk zu Erfrischung. Allerdings lässt das Adrenalin nach dem Auftritt die eifrigen Teilnehmer meist den „Belohnungs-Schnaps“ vergessen, so dass sie von den Bandmitgliedern der PIY-Karaoke auf dem Weg von der Bühne daran erinnert werden müssen.

Kaum tragisch ist es da, als das Tablett mit Pfeffi-Gläsern dem Druck der Kickdrum von Schlagzeuger „The Gunn“ nicht mehr standhalten kann und der Pfefferminzschnaps von da an aus der Flasche eingenommen werden muss.

Doch der Alkohol steht nicht im Vordergrund des Abends, sondern die Liebe zur Musik und die Leidenschaft der Live-Performance. „Das Allercoolste an der Punkrock-Karaoke ist, dass es nicht um uns geht, sondern um die Leute, die sich trauen auf die Bühne zu kommen und die Kumpels von den Leuten, die davor stehen und feiern wie Sau – das ist das Beste“, erzählt Gitarrist Eric, der den Spitznamen „Zottel“ trägt.

Wenn das Trio nicht deutschlandweit als PIY-Karaoke-Band unterwegs ist, spielen sie in der Band Dufferpit eigene Songs in einer Mischung aus klassischem Skatepunk mit Swing. Gerade pausiert dieses Projekt.

90 Songs zur Auswahl: Die richtige Mischung macht’s

Die Songliste aus Cover-Songs ist lang, eine Auswahl aus etwa 60 Titeln war vorab angekündigt. Wird es den Bandmitgliedern trotzdem manchmal langweilig, ausschließlich Covers zu spielen?

„Inzwischen sind es 90 Songs“, lacht Eric. „Ich hatte kurz mal das Gefühl, dass es mich angekotzt hat, weil ich die ganze Zeit covere. Die eigene Kreativität geht ein bisschen unter dabei. Andererseits übt man echt viel. Also wir haben uns auf jeden Fall alle verbessert, weil wir neue Techniken lernen mussten. Wir hatten Lieder, die wir mitunter gar nicht kannten. Ich kannte zum Beispiel Stiff Little Fingers nicht. Die Liederwahl zu treffen ist schon schwierig. Ab 90 Liedern wird es langsam schwer, noch andere Klassiker zu finden. Wir versuchen, die richtige Mischung für alle zu finden“, erklärt der Wahl-Dresdener.

Das Angebot reicht von Green Day und blink-182 über Die Toten Hosen, Bad Religion, Black Flag, Dead Kennedys, Cock Sparrer, Sham 69, The Runaways, Social Distortion bis hin zu Terrorgruppe, Agnostic Front, The Distillers und NOFX.

„Es ist sauinteressant zu sehen, dass es auch städteabhängig ist, was gesungen wird“, so der Gitarrist weiter. „In manchen Städten geht die Tendenz eher zu U.K.-Punk, in anderen eher zu Pop-Punk. Oder es wird fünftausendmal Assi-Punk gesungen. In Hannover ist auf jeden Fall immer „Self Esteem“ von Offspring vertreten, Motörhead auch“.

Tradition und neue Gesichter

Ingo Gembalies, Inhaber der Rocker-Bar, veranstaltet die Punkrock-Karaoke inzwischen zum fünften Mal. Seit etwa zweieinhalb Jahren findet das Event zweimal jährlich, jeweils einmal im Frühjahr und im Herbst, in der Reuterstraße statt. „Durch einen befreundeten Booker bin ich darauf gestoßen. Der hat mir die Sache angeboten und da habe ich mir gedacht, das ist eine super Sache - Spaß für Jedermann“, resümiert Ingo Gembalies.

„Das Geile hier am Rocker ist, dass man immer wieder andere Leute hat“, fügt Bassist Alex „Al Gotti“ hinzu. „Heute waren zwei Leute da, die schon öfter gesungen haben. Und sonst haben wir ganz oft verschiedene Leute, die auch von Partys gekommen sind und irgendwas gesungen haben. Was halt geil ist, weil man immer wieder frische Gesichter hat. Heute waren auch einige dabei, die das erste Mal gesungen haben“, beschreibt Alex den Abend.

„Mittlerweile ist es ein Selbstläufer. Die Leute freuen sich drauf. Das ist mittlerweile so ein eingebürgertes Thema, dass die Leute sich das als festen Termin schon vormerken“, sagt Ingo Gembalies.

Zum Abschied schmettert Ino Augenreich noch den Motörhead-Klassiker „Ace Of Spades“. Und so geht ein erfolgreicher Abend zu Ende. Da bleibt kein Platz für Melancholie, denn die nächste Punkrock-Karaoke kommt bestimmt.

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