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Im Rockszene.de-Interview: Andreas Hentschel vom Music College Hannover

Der Beruf als Leidenschaft

Andreas Hentschel vom Music College im Gespräch

22.12.2016, Von: Sabrina Kleinertz, Foto(s): Sabrina Kleinertz

Bekanntlich führen viele Wege nach Rom. Doch auch ins Musikbusiness und den Berufsstand des Musikers führt nicht nur ein einziger schmaler, ausgetretener Weg. Neben dem Studium oder dem leidenschaftlichen Hobby kann man auch eine Ausbildung zum Berufsmusiker absolvieren. In Hannover bietet sich diese Möglichkeit beispielsweise am Music College. Wir sprachen mit Andreas Hentschel, der als Geschäftsführer für die Leitung, Organisation und die Studienkonzepte der Berufsfachschule verantwortlich ist über die Chancen im Beruf und im Musikbusiness.

Rockszene.de: Wie ist das Music College entstanden?

Andreas Hentschel: Vor etwa neun Jahren ist die Idee gereift, dass es eine professionelle Musikausbildung jenseits der Hochschulen geben müsste. Dabei haben wir aber von Anfang an gesagt, dass wir das ganze Projekt nur angehen, wenn wir eine staatliche Anerkennung bekommen und das haben wir alles nach vielen Hindernissen geschafft. Vor acht Jahren hat dann der erste Jahrgang mit der Berufsausbildung begonnen. Viele machen auch die Berufsausbildung und gehen anschließend noch an die Hochschule. Da hat sich eine Art Trampelpfad entwickelt (lacht).

Was sollte man vor Ausbildungsbeginn beachten?

Die Bewerbungsphase startet im Mai und die Aufnahmeprüfungen finden im Juni statt. Wir bieten aber als Vorbereitung darauf auch regelmäßig Basiskurse für Rock, Pop und Jazz an. Die Prüfung besteht aus einem praktischen und einem theoretischen Teil. Im Live-Vorspiel gilt es dann, die ausgewählten Songs souverän vorzutragen. Das spannendste Feld ist meistens die Vorbereitung der Jazzsongs vorzubereiten, denn im Allgemeinen gibt es bei Jazz eine freiere Herangehensweise, die für viele ein Neuland ist. Im theoretischen Teil konzentrieren wir uns auf Harmonie und Gehörbildung. Hierzu kann man sich auch Beispielklausuren online runterladen. Diese Prüfungen sind aber keinesfalls dazu gedacht, jemanden auszuschließen, sondern um ein Fundament und eine gemeinsame Basis abzusichern.

Wie sieht die Ausbildung im Detail aus?

Wir sind mehr am Schulsystem und seinen Ferien orientiert, als an den Daten der Hochschulen. In diesem Jahr haben wir 22 neue Leute aufgenommen, die wir standardmäßig an sechs Instrumenten unterrichten. Das sind Gitarre, Bass, Gesang, Schlagzeug, Klavier/ Keyboard und Saxophon, wobei man sagen muss, dass Gitarre, Schlagzeug und Gesang den Hauptanteil ausmachen. Die Ausbildung dauert insgesamt zwei Jahre und jeder hat 23 Stunden Unterricht pro Woche. Die teilen sich dann in Einzelunterricht am Instrument und gemeinsame Instrumentalklassen auf.

Zudem gibt es Bands, angewandte Improvisationslehre und Unterricht in Bereichen wie Songwriting, Recording und Musikbusiness. Diese praxisgerechte und marktorientierte Struktur der Ausbildung soll unsere Schüler auf den Beruf vorbereiten. Das war jahrelang die Schwäche der Musikausbildung und es gab einen riesigen Haufen an Fragen. Zusammenfassend kann man also schon sagen, dass man mit der Ausbildung einen Fulltime-Job für zwei Jahre hat, in dem es viel Input gibt.

Mit wie vielen Kosten muss man während der Ausbildung rechnen?

Eine Berufsfachschule kostet rund 300 Euro. Bei uns zahlt man etwa 495 Euro pro Monat für zwei Jahre Ausbildung. Die gute Nachricht dabei ist aber, dass wir rechtlich gesehen als Schule BaFög-anerkannt sind und man somit eine spezielle Schülerförderung bekommen kann (lacht).

Wie stehen die Chancen von Berufsmusikern heute?

Es war schon mal einfacher als heute, mit Musik Geld zu verdienen. Besonders das Aufkommen von Streaming hat dafür gesorgt, dass wenig oder kein Geld bei den Musikern ankommt und das macht es in diesem Bereich nicht einfach. Somit sind die wesentlichen Standbeine von Berufsmusikern das Unterrichten und Live-Musik. Bei unseren Absolventen habe ich die Erfahrung gemacht, dass das gut funktioniert und alle auch davon leben können.

Wie empfindest du die Musikszene hier in Hannover?

Ich glaube, die Szene ist besser als ihr Ruf (lacht). Die meisten sagen, dass Städte wie Hamburg cool sind und Hannover weniger interessant, aber hier ist viel los und die Qualität ist gut. Inzwischen gibt es aber viele Kooperationen zwischen den Studenten der Hochschule und unseren Leuten. Auch das trägt zu einer guten Basis für eine professionelle Musikszene bei.

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