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Globetrotter in Sachen Gitarre und Musik: John Stowell gab an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover einen Workshop für Gitarren-Studenten. Wir nutzten die Gelegenheit für ein Gespräch.

Für immer ein Schüler

Gitarrist und Musikpädagoge John Stowell im Interview

31.10.2016, Von: Sabrina Kleinertz, Foto: Sabrina Kleinertz

Rund neun Monate im Jahr tourt der amerikanische Jazz-Gitarrist John Stowell quer über die Erdkugel, um in Amerika, Kanada, Argentinien, Indonesien und Europa Konzerte und Workshops zu geben. Zudem arbeitet er regelmäßig mit Musikern wie Uwe Kropinski, Dave Liebmann oder Nicolao Valiensi zusammen. In der vergangenen Woche gab der Musiker, der Kolumnen in großen Musikmagazinen schreibt, für einige Gitarren-Studenten der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover einen Workshop mit viel Praxisanteil und einem offenen Ohr für Fragen aller Art. Wir trafen Stowell bei dieser Gelegenheit, um mehr über den ewigen Schüler zu erfahren.

Rockszene.de: Ist die Musik für dich eher ein Job oder eine Leidenschaft?

John Stowell: Für mich ist es beides; sowohl Job als auch Leidenschaft. Manchmal kommt es mir mehr wie Arbeit vor, aber wenn du etwas Glück hast, dann kannst du mit dieser Leidenschaft dein Leben finanzieren und dabei Geld verdienen. Ich persönlich brauche nicht viel Geld und führe ein einfaches Leben, deshalb muss ich auch nicht viele Kompromisse machen. Alles was ichbrauche sind Gesundheit und die Gewissheit, dass es weiter geht.

Was denkst du ist wichtiger, um als Musiker erfolgreich zu sein – Talent oder Übung?

Manche Menschen, die Musik machen sind Naturtalente. Aber 98 Prozent arbeiten hart daran, erfolgreich zu sein. Da stellt sich dann aber auch die Frage danach, was Erfolg ist? Ich habe beispielsweise kleinere Erfolge; hatte etwas Glück und gutes Timing. Wenn ich aber kleine Konzerte gebe oder mein Wissen in Workshops weitergeben kann, dann macht mich das glücklich.

Beim Spielen schließt du oftmals deine Augen. Was hat es damit auf sich?

Ich habe nicht das Bedürfnis, beim Spielen rocken zu müssen, sondern will dabei Muster aufbrechen. Wenn ich meine Augen schließe, dann kann ich mich besser auf Melodien konzentrieren. Musik ist wie eine Sprache – wenn du sie gut beherrscht, dann passiert alles ganz natürlich. Jazz heißt dabei für mich vor allem, etwas Neues zu erschaffen.

Wie definierst du gute Musik?

Gute Musik muss meine Aufmerksamkeit auf sich ziehen und einen schönen Flow haben. Das ist ein ziemlich persönliches Empfinden und bei jedem etwas anders. Ich höre vor allem Sachen, die mir helfen zu wachsen, denn man bleibt eigentlich sein ganzes Leben lang ein Schüler und lernt in verschiedenen Situationen und mit anderen Leuten immer mehr dazu. Neben allen möglichen Formen von Jazz habe ich deshalb auch oft andere Genres gehört.

Wenn Jazz eine Farbe wäre, welche wäre das?

Oh, das ist eine schwierige Frage. Auf eine einzige Farbe kann ich mich schlecht festlegen, deshalb würde ich mischen (lacht). Für mich ist Jazz rot, blau und ein bisschen gelb.

Du bist seit rund 35 Jahre in Musikbusiness – was hat sich da verändert?

Es gibt im Vergleich zu früher etwas weniger Orte, um als Musiker auftreten zu können. Auch das Geld sitzt etwas fester in den Taschen, aber ein interessiertes Publikum für die verschiedenen Stile der Musik gibt es nach wie vor. Da ist es für Musiker besonders wichtig, sich ein Netzwerk aus verschiedenen Kontakten aufzubauen und den für sich persönlich richtigen Weg ins Musikbusiness zu finden.

INFO-BOX

Links
externer Link www.johnstowell.com
externer Link www.hmtm-hannover.de

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