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Sehr fleißig: Tarja Turunen veröffentlicht in diesem Jahr zwei Alben und besucht im Rahmen ihrer Herbsttournee auch Hannover. Wir trafen die finnische Heavy-Metal-Sopranistin zum Interview.

„In der Musik gibt es keine Grenzen“

Ein Gespräch mit der Sängerin Tarja Turunen

28.07.2016, Von: Sabrina Kleinertz, Foto: EarMUSIC/Tim Tronckoe

Einst wurde sie mit der skandinavischen Band Nightwish bekannt und verschaffte sich durch ihre Kombination aus Heavy Metal und klassischem Soprangesang international Gehör. Heute ist Tarja Turunen als Solokünstlerin weltweit erfolgreich und feiert mit Szenegrößen wie Doro Pesch. Im Mai erschien ihr Prequel-Album „The Brightest Void“, Anfang August folgt schon die nächste Platte „The Shadow Self“ und im Oktober macht die Finnin auf ihrer Tour auch in Hannover Halt. Wir trafen die Sängerin Mitte Mai zum Interview in Berlin, um mit ihr über das Leben zwischen Rampenlicht, Tour und Familienleben zu sprechen.

Rockszene: Gibt es eine Frage, die du in Interviews nicht mehr hören kannst?

Tarja Turunen: In Ländern, die ich noch nie zuvor besucht habe, werde ich noch heute oftmals gefragt, wie mein Verhältnis zu Nightwish ist und ob wir nochmal etwas zusammen machen werden (lacht).

Wie fühlt es sich denn an, als Solokünstlerin unterwegs zu sein?

Das ist ein unvergleichbares Leben. Und man kann es auch nicht mit meiner Zeit in der Band vergleichen. Für mich ist das eine Freiheit, in der ich Menschen berühren kann und von ihnen wiederum etwas zurückbekomme. Ich fühle mich wirklich sehr gesegnet, dass ich das tun kann, was ich liebe.

Denkst du, dass man um als Musiker erfolgreich zu sein, mehr Talent oder mehr Leidenschaft braucht?

Wenn ich meine Leidenschaft und Freude an dem, was ich tue verlieren würde, dann würde es sich für mich nicht mehr richtig anfühlen. Das wäre auch nicht mehr authentisch und echt. Ich muss aber auch sagen, dass ich hart dafür arbeite – oftmals sagen die Leute über mich „Sie ist ein Workaholic“.

Was sind für dich als Solokünstlerin Vor- und Nachteile?

Ich bin mir bewusst, dass ein gewisser Druck auf meinen Schultern liegt. Glücklicherweise unterstützt mich mein Mann aber bei meiner Arbeit. Da bringt man natürlich immer auch einen Teil der Arbeit mit nach Hause. Die Arbeit ist eigentlich immer präsent. Eine Solokarriere zu starten, braucht 100 Prozent deiner Zeit. Andererseits fühle ich mich aber auch geehrt, dass ich mit den Leuten zusammen arbeiten kann, die ich liebe. Es ist eine großartige Freiheit und ich kann mir aussuchen, mit wem ich arbeiten möchte.

Du bist oft international unterwegs; in anderen Ländern und Städten – wie lebt es sich auf Tour? Wie vereinbarst du das mit deiner Familie?

Meine Tochter ist jetzt drei Jahre alt und seitdem sie geboren ist begleitet sie mich überall hin – auch heute (lacht). Sie versteht, was ich mache, aber natürlich braucht sie uns auch als ihre Eltern. Meine Familie bei mir zu haben, bedeutet für mich Vertrauen, Rückhalt und Sicherheit. Ich genieße aber auch die Konzerte und diese spezielle Atmosphäre dabei sehr. Das Publikum gibt mir Energie. Anstrengend wird es aber vor allem dann, wenn du erschöpft wirst. Es ist manchmal ziemlich taff, zumal ich im Bus nicht wirklich gut schlafen kann (lacht). Nach einer Woche fühlt man sich schon mal wie ein Zombie (lacht). Für mich als Sängerin ist zudem mein Körper extrem wichtig. Den brauche ich einfach, um meine Stimme zu entfalten.

Dein erstes Album dieses Jahr ist bereits erschienen, das zweite wird in Kürze folgen – Wie persönlich sind deine Songs?

Ich schreibe immer sehr persönliche, manchmal aber auch politische Texte. Spannend wäre es aber auch, wenn ich mal für jemand anderes Texte schreiben dürfte. Grundsätzlich ist mein Lebensgefühl einfach, eine Künstlerin zu sein, davon werde ich nie genug bekommen. Und ganz ehrlich? Ich würde liebend gerne mal Filmmusik schreiben.

Wie empfindest du die deutsche Musikszene und im speziellen die Heavy- Metal-Szene?

Für mich persönlich unterscheidet sich deutsche Musik schon von der finnischen. In Finnland ist die Geschichte des Landes oftmals Kern der Texte. Ich finde es aber sehr spannend, mit anderen Musikern, auch aus Deutschland zu arbeiten und zu sehen, was dabei entsteht. Noch immer habe ich Kontakt mit deutschen Metallern wie Doro Pesch. In der Musik gibt es auch eigentlich keine Grenzen.

Du hast vor kurzem auch dein eigenes Emoji bekommen – wie fühlt sich das an?

Ich fühle mich absolut geehrt und bis sehr glücklich darüber. Als „Die Stimme“ Finnlands bezeichnet zu werden schmeichelt mir sehr.

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externer Link www.tarjaturunen.com

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