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"Es muss ja nicht immer alles typisch laufen": Angelo Mammone (links) und Christian Steenken von der Band Jonah im Rockszene.de-Interview.

Ein etwas anderer Weg

Angelo und Christian von der Band Jonah im Interview

29.06.2016, Von: Andreas Haug, Foto: Miriam Rosin

Mit nur einem einzigen Song, „All We Are“, schafften Angelo Mammone und Christian Steenken mit ihrer Band Jonah den Durchbruch und erhielten deutschlandweit Aufmerksamkeit. Schnell konnten sich Jonah über ein namhaftes Umfeld an Partnern, sei es ein Management, eine Tourneeagentur und ein Plattenlabel freuen. Ohne bislang ein Album veröffentlicht zu haben, touren Jonah durchs Land und füllen die Clubs. Nachdem beide Musiker bereits seit mehr als 20 Jahren gemeinsam Musik machen und viele Erfahrungen sammeln konnten, stellt sich erst jetzt so richtig der Erfolg ein. Im Rockszene.de-Interview sprechen beide über die Hintergründe, wie es dazu kam.

Sänger Angelo und Gitarrist Christian kennen sich seit Schulzeiten aus dem niedersächsischen Brake an der Unterweser. Über Oldenburg, von wo aus sie jahrelang mit der Band promises! promises! aktiv waren, ging es schließlich nach Berlin. Man gründete Jonah zunächst als Akustik-Duo, einfach, um ein paar Songs zu produzieren und gelegentlich mal aufzutreten. Alles eine Nummer kleiner als mit promises! promises! Doch plötzlich kam ein Stein ins Rollen….

Das Interview mit Angelo Mammone und Christian Steenken fand vor ihrem Tour-Konzert am 21.Mai 2016 im Kulturzentrum Faust in Hannover statt.

Rockszene.de: Nach support-Touren für Joris oder den Jimmy-Eat-World-Frontmann Jim Adkins seit ihr jetzt im Frühjahr 2016 auf eurer zweiten eigenen Headliner-Club-Tour in Deutschland unterwegs. Wie funktioniert das, kommt genug Publikum, gibt es so etwas wie Konzerthochburgen?

Angelo: Es läuft gut, wir liegen gut im Schnitt. Es gibt bei dieser Tour noch mal eine Steigerung zur letzten Tour. Es kommen in der Regel 150-200 Leute zu unseren Konzerten, hier und da gibt es Ausreißer nach oben oder auch mal nach unten. In Hamburg ist die Prinzenbar schon gut eine Woche vor der Show ausverkauft, auch hier in Hannover gingen viele Karten im Vorverkauf weg. Vielleicht liegt das auch an dem Support für Joris kürzlich im brechend vollen Capitol, dass wir hier neue Fans gewinnen konnten. Es ist echt schön zu sehen, dass wir mit unserer Musik so viele Leute erreichen und sie dann auch die Songs bei unseren Konzerten live erleben wollen. Das gibt uns echt gutes Gefühl.

Nachdem ihr schon seit rund 20 Jahren zusammen Musik macht, mit der Band promises! promises! Alben aufgenommen, Touren und Festival gespielt hattet, habt ihr als Akustik-Duo Jonah gegründet und da gab es dann vor zwei Jahren mit einem einzigen Song, der im Rahmen einer Werbekampagne für einen großen internationalen Telekommunikationsanbieter durch Radio, TV und Internet ging, den Durchbruch. Das wirkt wie „vom Fleck weg entdeckt“. Wie kam es zu diesem Kontakt? Der Legende nach, sollt ihr „All We Are“ bei einem Marketing-Meeting dieser Firma vorgespielt haben.

Angelo: Christian und ich hatten vor zwei Jahren eine Einladung zu einer Veranstaltung auf der Berlin Music Week. Wir sind da mit dem Fahrrad zum Postbahnhof gefahren, weil er praktisch bei uns um die Ecke ist und fanden uns auf einer Veranstaltung, auf der verschiedene Verlage ihre Künstler und Songs vorgestellt haben. Vodafone suchte einen Song für eine Werbekampagne. Ein Verlag war nicht erschienen und da fragte der vodafone supervisor, ob noch jemand im Publikum anwesend sei, der einen Song präsentieren wolle. Wir hatten „All We Are“ noch in einer Demoversion auf dem Iphone dabei und haben den Song dann vorgestellt.

Und dann wurdet ihr sofort vor Ort entdeckt und habt alles klar gemacht?

Christian: Nein, ganz so schnell ging das nicht. Der Supervisor war spontan begeistert und meinte, er könne sich „All We Are“ gut für eine Kampagne vorstellen und würde ihn gern vodafone vorstellen.. Die Entscheidung fiel dann zwei Wochen später. Wir haben vom vodafone music supervisoreinen Anruf erhalten, dass wir bitte schnellstmöglich ein Cover zu der Single gestalten sollten, denn kurze Zeit später sollte der Song veröffentlicht und die Werbekampagne mit „All We Are“ als Song gestartet werden.

Dann ist letztlich alles mit nur einem einzigen Song ins Rollen gekommen?

Angelo: Wir haben insgeheim immer drauf gehofft, dass ein Song alles verändern kann, dass war immer eine schöne Verstellung für uns und letztlich hat „All We Are“ viel bei uns verändert.

Ein verhältnismäßig später Durchbruch, nachdem ihr ja schon sehr lange in der Musikszene aktiv seid, gerade auch schon viele Jahre mit promises! promises! auch größere Shows gespielt habt und immer nah am Musikbusiness wart…

Christian: Das war unserer Ansicht nach auch wichtig. Ich denke, wir wären mit Jonah heute nicht dort, wo wir sind, wenn wir nicht die unterschiedlichen Erfahrungen, die wir mit promises! promises! gemacht hatten, mitgebracht hätten. Das war wichtig.

Wie kam dann die Zusammenarbeit mit der renommierten Booking-Agentur four artists in Berlin zustande? Es heißt doch, dass eine Band für gewöhnlich zunächst einmal selbst vorlegen muss, einer Agentur zeigen muss, dass sie professionell aufgestellt und Willens ist, sich richtig reinzuhängen, zum Beispiel selbst mindestens 50-60 Konzerte gebucht und gespielt haben muss, am besten auch ein Album am Start haben muss, damit es überhaupt für eine Agentur Argumente für eine Zusammenarbeit gibt. Bis auf euren Willen gab es diese Voraussetzungen ja noch nicht.

Christian: Die Wahrnehmung des Songs und der Band war rund um die Vodafone-Kampagne sehr groß. Diese Aufmerksamkeit vereinfachte natürlich die Gespräche mit Firmen wie unserer Booking Agentur.

Angelo: Der Song stiegt bald nach der Veröffentlichung auf Platz 47 der Single-Charts ein und „All We Are“ ist wochenlang überall gelaufen.. Plötzlich haben sich alle wichtigen Plattenfirmen und Booking-Agenturen bei uns gemeldet und es gab sogar Anfragen von RCA und Capitol Records aus den USA.Das war eine echt spannende Situation für uns.

Für four artists haben wir paar Songs dann akustisch und live in deren Büro vorgespielt. Das war schon alles etwas anders als sonst (lacht). Letztlich hatten wir nach den Gesprächen mit four artists das beste Gefühl, wir liegen auf einer Wellenlänge, verstehen uns auch menschlich super, besonders auch mit unserem Booker Felix, der aktuell auch als Tourmanager mit dabei ist.

Ich habe gesehen, dass ihr auch ein externes Management habt

Angelo: Ja, unser Management ist Zentralrat Mitte, das sind Marc Feldmann und Eric Landmann.

Apropos Berlin. Wie wichtig ist die Stadt für euch? Ihr kommt ursprünglich aus Brake, wart viele Jahre in Oldenburg. Muss man in Berlin leben und dort aktiv sein, um es als Künstler wirklich zu etwas zu bringen. Wie weit ist es her mit der oft zitieren Magie der Stadt im Zusammenhang mit Kreativität, Musik und Business?

Christian: Berlin ist wirklich gut, was kreative Entwicklungsmöglichkeiten angeht. Würden wir nicht in Berlin leben, wären wir wahrscheinlich vor zwei Jahren kaum bei der Berlin Music Week dabei gewesen, hätten unseren Song „All We Are“ dort nicht in dieser persönlichen Form präsentieren können und hätten so nicht die für uns letztlich so wichtigen Kontakte geknüpft. In der Stadt geht viel, viele Leute aus der Musikszene sind dort und auch wenn sie dort nicht wohnen, haben sie dort häufiger zu tun. Es ist eine wichtige Stadt.

Angelo: Es ist in Berlin einfacher, Leute zu treffen, zu kontaktieren. Viele Musiker sind hier. Früher in Oldenburg haben wir uns manchmal isoliert gefühlt. In der dortigen Szene herrschte die Mentalität, dass jeder so sein Ding macht und bestrebt ist, der „Local Hero“ zu sein. In Berlin herrscht für mich eher der Networking-Gedanke. Man hilft sich gegenseitig, das ist viel ausgeprägter.

Christian: Andererseits passiert aber manchmal auch zu viel, der Markt ist übersättigt. Jeden Tag kann man überall Konzerte sehen und hören, angekündigte oder unangekündigte. Wenn in einem Park irgendwo spontan eine Band spielt, dann ist das fast schon alltäglich, das wird oft nur beiläufig zur Kenntnis genommen. Das ist vielleicht die Kehrseite.

Kleiner Themenwechsel: Wie wichtig ist der Einsatz und die Nutzung von Social Media für euch? Was macht ihr da und habt ihr einen Plan und einen Tipp für eine wirklich schlaue Aktion?

Christian: Einen richtigen Plan gibt es da, glaube ich, nie. Da muss jeder seine Erfahrungen sammeln. Facebook, zu Beispiel, ist eine wichtige Ergänzung. Wir gehen damit aber eher behutsam um, setzen auf Content, der die Leute unserer Meinung wirklich interessieren könnte, auf Qualität. Wir sind nicht die „everyday-everything-poster“, die ihr Essen fotografieren und posten, nur, damit irgendwas passiert. Wir pflegen unsere Social-Media-Auftritte, aber gezielt. Man muss meines Erachtens aufpassen, dass man die Leute nicht zuballert, so dass sie nachher genervt sind und aussteigen. Nichts ist härter als „entliked“ zu werden.

Angelo: Wichtig ist, authentisch zu bleiben. Wir möchten auch nicht die Leute anziehen, die auf Oberflächlichkeiten stehen. Wir mögen so kleine Aktionen wie bei uns den „Song Of The Week“, mit denen wir unseren Fans Musik-Empfehlungen anderer Bands und Künstler geben oder Playlisten erstellen. Letztlich ist für uns der persönliche Kontakt mit den Fans, z.B. am Merchandise Stand, das allerwichtigste.

Zum Abschluss zu eurem Debütalbum. Wann kommt es und wie wird es klingen?

Angelo: Wir gehen derzeit davon aus, dass es Anfang nächsten Jahres herauskommen wird. Die Vorproduktion haben wir im letzten Jahr alleine gemacht. Die eigentliche Produktion nehmen wir gerade im Tritonus Studio in Berlin auf und co-produzieren die Songs mit dem Produzenten Simon Jäger. Nachdem die erste EP rein akustisch war, wird das Album natürlich Singer-/Songwriter-Elemente haben, aber auch Rock - und elektronische Momente. Wir wollen aber noch nicht zu viel verraten.

Es ist doch ungewöhnlich und irgendwie fast schon atypisch, wie euer Weg verläuft. Noch kein fertiges Album, aber ihr tourt fleißig und das Publikum kommt wegen eines Songs und ein paar Videos…

Christian: Ja, wir freuen uns wirklich über den Zuspruch bei unseren Konzerten, das ist echt klasse.

Angelo:Ja, vielleicht läuft ist alles etwas untypisch, aber es muss ja auch nicht immer alles typisch laufen (lacht)

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Links
externer Link www.listentojonah.com
externer Link www.facebook.com/JonahOfficial

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