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Bei der Festivalorganisation mit Herzblut bei der Sache: Mark Schlichting und Mathias Molgedey vom Rock am Deister e.V.

„Andere spielen Golf, wir machen ein Festival.“

Mark und Mathias von Rock am Deister im Interview

31.05.2016, Von: David Neumeier, Foto: David Neumeier

Nachdem das Rock am Deister Festival im letzten Jahr pausierte, findet die Veranstaltung in Springe-Völksen am 30. Juli wieder statt. Im Line-Up 2016: C For Caroline, Passepartout, North Alone, Sound Discount, Driven By Clockwork, Danny Latendorf und Jeremy Bro. Die Vorstandsmitglieder des Rock am Deister e.V. Mark Schlichting (Bandauswahl, technische Umsetzung) und Mathias Molgedey (Finanzen, Online-Aktivitäten) haben uns im Gespräch verraten, wieso sie dringend eine Pause brauchten, wie es ist, ein Festival zu organisieren und was für sie das Besondere des Open-Airs ausmacht.

Wie groß ist das Team, das hinter Rock am Deister steht?

Mathias: Da muss man unterscheiden. Das Kernteam vom Verein ist der Vorstand, der bei uns aus fünf Leuten besteht und das Festival organisiert. Die Durchführung des Festivals selber ist nur mit Helfern möglich, da sind wir 25 bis 30 Leute. Das sind auch teilweise Leute, die gar nicht Mitglied im Verein sind, sondern die einfach Bock darauf haben, so ein Event auf die Beine zu stellen.

Wie läuft das Festival in diesem Jahr konkret ab?

Mark:Geplant ist der Einlass ab 14 Uhr. Um 15 Uhr soll dann die erste Band anfangen zu spielen. Wir müssen um 23 Uhr mit lauter Musik aufhören, daher brauchen wir einfach eine gute Planung. Die Bands spielen also ab 15 Uhr nacheinander. In den Umbaupausen wird es auch noch einen Nebenact geben.

Wonach wählt ihr denn die Künstler und Bands aus?

Mark: Das Budget spielt natürlich eine Rolle, stellt aber nicht das Hauptkriterium dar. Der ganz wesentliche Maßstab ist die Qualität. Wenn ich Bands suche, achte ich zuerst mal auf die Qualität. Da bin ich auch sehr stur.

Mathias: Mark ist bei der Bandauswahl wirklich sehr kritisch.

Mark: Ja, das ist halt ein hartes Ding. Ich achte immer darauf, dass das wirklich Musiker sind. Ich mache einen Unterschied zwischen Musikern und Menschen, die Musik machen. Ich möchte da etwas Eigenes haben, vielleicht auch einen Sound, den man so noch nicht kennt und der überraschend ist. Und der muss zum Moment passen. Das heißt, ich brauche Qualität und eine musikalische Idee, die in eine Uhrzeit passt. Das ist der rote Faden, nach dem ich aussuche.

Mathias: Und die Bands sollten aus dem Großraum Hannover kommen, sonst ist das nicht umsetzbar aufgrund des Budgets.

Mark: Klar. Außerdem höre ich mir alle Bands im Vorfeld live an. Wichtig ist uns Entertainment. Es muss wirklich unterhaltsam sein, weil unsere Besucher neben guter Musik auch den Anspruch haben, sich wirklich unterhalten zu fühlen. Ich erwarte eine gute Bühnenpräsenz. Deswegen sind C For Caroline auch dieses Mal wieder dabei, weil ich weiß, dass die richtig abliefern können.

Und wie bist du auf Passepartout gekommen?

Mark: Ich habe für den frühen Abendbereich eine Band gesucht, die gut unterhalten kann, gute Musik macht, aber eben kein Punkrock ist oder eine riesige Rockshow macht. Passepartout wurden mir dann vom Chefredakteur von Rockszene.de empfohlen, der die Jungs gut kennt. Ich glaube, die sind super und ich weiß, was die können.Deswegen wollten wir die Band haben, auch wenn sie sich nicht beworben haben. Ansonsten bekommen wir auf das Jahr gerechnet etwa 500 Bewerbungen.

Mathias: Ja, das sind echt viele. Merkwürdigerweise auch oft internationale Acts. Und eben deutschlandweit. Aber das ist dann nicht realisierbar. Manche würden auch wirklich gut passen, aber dann muss ich wieder ankommen und es kaputt machen. (lacht) Wir wollen es aber ja auch regional haben. Es gibt hier genug Potential.

Wie kam es denn dazu, dass Rock am Deister in diesem Jahr nur an einem Tag stattfindet?

Mathias: Das war eine rein finanzielle Entscheidung. 2014 war jetzt nicht gerade das erfolgreichste Festival, das wir je gemacht haben. Deswegen haben wir für 2015 auch entschieden, dass wir eine Pause machen, weil wir uns als Vorstand und als Verein erstmal sammeln wollten. Nach dem Festival 2014 waren wir auch einfach platt. Wir haben uns zwei Monate später getroffen, das Resümee gezogen, dass es sehr geil war, aber dass wir echt fertig sind, weil es so anstrengend war. 2016 ist kein kompletter Neuanfang, sondern eine Fortsetzung mit einem überarbeiteten Konzept. Und da fangen wir mit nur einem Tag an, weil wir alle berufstätig sind, das Festival als Hobby veranstalten und nicht wieder in so ein Loch fallen wollen wie 2014. Ein Tag ist mit unserem Team gut machbar. Da können wir am Samstag schön feiern und am Sonntag anfangen aufzuräumen. Das ist besser, weil wenn du am Wochenende 350 Bauzäune geschleppt hast und berufstätig bist, ist das eben schwierig.

Nach Rock am Deister 2014 kursierte die Formulierung, dass es nicht gelungen sei die Veranstaltung zu etablieren.

Mathias: Es ist schon so, dass wir beim letzten Mal mit mehr Zuschauern gerechnet hatten, als dann letztendlich kamen. Insofern war das Festival nicht so etabliert, wie wir dachten.

Mark:Wenn du so etwas veranstaltest, erwartest du auch irgendwie, dass es ein Selbstgänger ist, weil es ein Name ist. Die Leute müssen also auch kommen. Aber die Leute kommen nicht einfach, weil man eine Veranstaltung macht. Das erwartet man jedoch so ein bisschen, weil man sich denkt „Mensch, jeder kennt uns, wieso kommen denn die Leute nicht?“. Und das muss man eben lernen, dass es nicht so ist, dass man das fünf Jahre macht, ein paar Plakate aufhängt und die Leute dann einfach kommen. Es etabliert sich eben nicht von selbst.

Wie wichtig ist Rock am Deister denn für Springe-Völksen?

Mark: Für die Leute im Ort ist das super. Für die ist das ein großes Fest. So war es ja auch immer gedacht, dass man sich dort mit seinen Freunden auf ein gepflegtes Bierchen an einem schönen Tag treffen kann. Und man kann eben auch mit der ganzen Familie hingehen. Das hat man sonst auf Festivals ja eher nicht so, abgesehen vom Fährmannsfest in Hannover, wobei Rock am Deister nochmal kleiner und vielleicht auch familiärer ist.

Wieviel Arbeit ist es eigentlich so ein Festival auf die Beine zu stellen?

Mathias: Ein ganzes Jahr Arbeit. Nach dem Festival ist vor dem Festival. Ab September muss man schon wieder Gas geben, um Ideen zu entwickeln, Förderanträge zu stellen. Im August kann man noch durchatmen, dann geht es schon wieder los.

Was macht für euch das Besondere von Rock am Deister aus?

Mark: Rock am Deister ist musikalisch so ausgelegt, dass eben nicht die Bands spielen, die sowieso überall spielen. Ganz am Anfang hat man noch geschaut, was machen die anderen Festivals, das mache ich vielleicht auch. Darauf schaue ich mittlerweile gar nicht mehr. Dann kommt noch dazu, dass wir einen sehr schönen Platz haben, dass es familientauglich ist und dass wir eine sensationelle Infrastruktur und Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr haben, sodass auch die Hannoveraner innerhalb von 20 Minuten dort sein können.

Mathias: Das Feedback von den Bands ist auch immer sehr gut. Die finden es sehr familiär und mögen die Betreuung.

Mark: Bei uns stehen wirklich Menschen hinter allem, die total Lust auf das Ganze haben und mit Herzblut dabei sind. Wir sind überhaupt nicht in dieser Kommerzialisierungsfalle drin, sondern es ist alles sehr menschlich. Und das merken eben auch die Zuschauer.

Mathias:Für uns ist das ja wirklich ein privates Hobby, wir machen das nicht aus kommerziellen Gründen. Andere spielen Golf und wir machen einmal im Jahr ein Festival. Wir wollen es so schön und gemütlich wie möglich machen. Und so erfolgreich wie möglich. Für uns ist es erfolgreich, wenn alle glücklich sind und es gut läuft.

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externer Link www.rock-am-deister.de
externer Link www.facebook.com/rockamdeisterfestival

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