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Gut gelaunt vor einer Show: Chef Kurt Waag und Jessi aus dem Strangriede-Stage-Team.

„Qualität setzt sich letztendlich immer durch.“

Kurt Waag von der Strangriede Stage im Interview

02.05.2016, Von: David Neumeier, Foto(s): David Neumeier

Seit etwas mehr als zwei Jahren gibt es die Live-Kneipe Strangriede Stage in Hannovers Nordstadt nun schon. Nach zahlreichen Akustik-Konzerten, vollverstärkten Rock-Shows und der Etablierung des beliebten Strangriede Open Air Festivals war es an der Zeit sich mit dem Betreiber Kurt Waag etwas detaillierter über den bisherigen Weg, positive Veränderungen für den Stadtteil und Pläne für die Zukunft zu unterhalten. David Neumeier traf Kurt Waag kurz vor einem Konzert zum Gespräch.

Rockszene.de: Kurt, in wenigen Worten für diejenigen, die euch noch nicht kennen sollten: Was ist die Strangriede Stage und was passiert bei genau?

Kurt Waag:Wir sind eine kleine Indoor-Bühne, die ein Fassungsvermögen von etwa 120 bis 150 Leuten hat, ohne dass wir hier Platzprobleme haben. Wir sind aufgestellt im Bereich Singer-Songwriter, Indie-Pop, Rock, Pop, Metal, Stoner-Rock, das alles ist so unsere Schiene. Also wir sind auf jeden Fall rocklastig. Das ist so das Programm, das wir fahren. Dazu ist zu sagen, dass wir die Schlagzahl erhöht haben. Wir haben angefangen mit ein bis zwei Konzerten im Monat und jetzt sind wir eigentlich soweit, dass wir tatsächlich jedes Wochenende hier Konzerte veranstalten.

Was ist die Zielsetzung? Wieso wurde die Strangriede Stage vor zwei Jahren gegründet?

Das Ziel ist einfach die Stärkung dieses Stadtteils. Man muss dazu wissen, dass es in der Gegend riesige Probleme gab oder teilweise auch noch gibt. Wir haben hier eine offene Drogenszene gehabt, die für alle Beteiligten eine Katastrophe war, gerade für die Anrainer, für die Familien mit Kindern. Da haben wir uns dann im Jahr 2013 etwas überlegt, sind zum Stadtbezirksmanagement gegangen und haben gesagt „so geht es hier nicht weiter“ und sind dort auf offene Ohren gestoßen. Das war für mich erstmal eine Riesenüberraschung. Dort wurden wir dann gefragt, was wir machen wollen und ich habe gesagt: „Mit Musik geht immer irgendwas.“ Im August 2013 haben wir dann hier das erste Stadtteilfest organisiert und das kam wirklich klasse an. Das war ein echter Erfolg und wir dachten uns, da müsse man mehr machen. Und so kam es dann eben auch.

Wonach werden denn die Bands und Künstler, die in der Strangriede Stage auftreten, ausgesucht?

Qualität. Die steht im Vordergrund. Es ist nicht in erster Linie die Überlegung, dass wir dringend Umsatz machen müssen. Wir sind ja auch immer eintrittsfrei. Es geht wirklich darum, hier Künstler an den Start zu bekommen, die nicht covern, sondern ein eigenes Set und einen eigenen künstlerischen Anspruch haben. Auf die Künstler und Bands kommen wir, indem wir selbst gut vernetzt sind, wir bekommen Empfehlungen und Tipps aus der Szene, wer eventuell für uns interessant sein könnte. Und dann gehen wir dem nach.

Die Strangriede Stage gibt es mittlerweile seit etwas über zwei Jahren und sie ist als Live-Location bereits sehr in Hannovers Musikszene etabliert. Wie kam es so schnell dazu?

Ganz ehrlich, das wissen wir selber nicht so genau. Ich glaube, dass es das Konzept ist und auch die Akustik. Wir haben dafür auch ein sehr hochwertiges Equipment angeschafft. Ich habe immer die Meinung vertreten, dass sich Qualität letztendlich durchsetzt, egal was man macht. Wenn man eine gute Qualität bietet, dann nehmen Kunden oder Gäste das auch an. Dass das so schnell ging, dafür gibt es mehrere Faktoren. Es gab einmal den Katalysator Stadtteilfest, der uns natürlich nach vorne gepusht hat und bei dem wir uns einem breiten Publikum öffnen konnten, welches dann einfach gesehen hat, dass hier ja Einiges geht. Und parallel war es dann auch so, dass wir ein sehr gutes, ausgewähltes Programm auf die Beine gestellt haben.

Wir haben nicht versucht alles abzudecken, sondern uns an eine feste Linie gehalten. Am Anfang mussten wir erstmal sehen, was wir hier machen können und was angenommen wird. Mittlerweile sind wir rocklastiger geworden, das gebe ich zu. Vorher hatten wir eher Singer-Songwriter. Wir wussten halt auch nicht, was die Akustik hier trägt. Mittlerweile wissen wir, dass wir hier auch vollverstärkt rangehen können.

Im ersten Jahr Singer-Songwriter, im zweiten Jahr vollverstärkte Rockkonzerte. Was ist denn für die Zukunft zu erwarten?

Wir wollen natürlich weiterhin hier in der Strangriede Stage und auch beim Open Air hohe Qualität bieten und uns auch noch besser darstellen. Für das nächste Jahr ist zu erwarten, dass wir eventuell einen Umbau wagen werden hinsichtlich des Ambientes. Wobei wir da sehr vorsichtig sein müssen, damit wir die Akustik nicht zerstören. Momentan klingt das alles super und da muss man sich gut beraten lassen, damit man keine Fehler macht.

Im letzten Jahr war das Strangriede Open Air extrem gut besucht. Ist das dann auch eine Bestätigung dafür, dass die Ursprungsidee, den Stadtteil zu bereichern, aufgeht?

Ja. Für uns stand das immer im Vordergrund. Es ging nicht darum, Geld zu verdienen. Klar, wir müssen natürlich Tragfähigkeit erreichen, ohne Moos nix los. Aber in erster Linie ging es darum, diesen Stadtteil zu stärken, ihn zu fördern, ihn attraktiver zu machen und auch die anderen Gewerbetreibenden zu stärken. Und das ist angenommen worden, das ist auch verstanden worden. Aber wir lernen nie aus und es ist immer learning-by-doing, auch beim Strangriede Open Air. Die Sachen, die gut gelaufen sind, die nimmst du für das nächste Jahr wieder mit auf und versuchst natürlich an den kleinen Schrauben immer noch ein bisschen zu drehen, um besser zu werden. Da darf man nicht nachlassen. Und das ist die Basis, auf der wir stehen und so wollen wir auch weiterarbeiten.

Was war in den letzten beiden Jahren besonders beeindruckend?

Beeindruckend war, dass wir eigentlich kontinuierliche Zuwächse zu verzeichnen hatten. Beim ersten Stadtteilfest haben wir vielleicht mit 40 oder 50 Leuten gerechnet und dann waren auf einen Schlag zwischen 300 und 400 Personen da. Im nächsten Jahr hatte sich das schon verdoppelt. Wahnsinnig viel mehr wäre schwierig geworden. Das war schon beeindruckend. Am allermeisten beeindruckt mich, dass wir das alles so gut hinbekommen haben und wenn wir weiterhin so arbeiten und alles so gut läuft, dann wäre ich sehr froh und sehr glücklich darüber. Das wäre auch so mein Wunsch für die Zukunft.

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externer Link www.facebook.com/StrangriedeStage

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