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Setzt auf Vielfalt und probiert auch Neues aus: Linda Meier leitet seit einem Jahr die Sumpfblume in Hameln.

„Schwäche ist, wenn man nicht Neues ausprobiert“

Linda Meier von der Hamelner Sumpfblume im Gespräch

29.03.2016, Von: Sabrina Kleinertz, Foto: Sabrina Kleinertz

Für Kulturliebhaber aus Hannover ist auch die Hamelner Sumpfblume in Hameln kein unbekanntes Pflaster, wenn es um Konzerte, Comedy oder Theaterveranstaltungen geht. Vor einem Jahr übernahm Linda Meier die Leitung des Kommunikations- und Veranstaltungszentrums. Vorher studierte sie Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis in Hildesheim. Im Interview mit Rockszene.de zieht sie ein Resümee nach den ersten zwölf Monaten und spricht auch über Ideen und Ziele.

Rockszene.de: Dein erstes Jahr als Chefin der Sumpfblume ist rum – wie fühlt sich das an?

Linda Meier: Es fühlt sich sehr gut an. Man braucht natürlich eine gewisse Zeit, um anzukommen und sich zu orientieren; die ansässigen Einrichtungen und Unternehmen kennen zu lernen. Die ersten Monate sind wirklich schnell verflogen, aber jetzt habe ich das Gefühl, es kann richtig losgehen.

Wie war es in den ersten Wochen und Monaten?

Ich wurde sehr gut aufgenommen und es kamen auch viele Leute auf mich zu, um mich kennen zu lernen. Das Team war sehr offen und arbeitet selbstständig und eigenverantwortlich. Somit hatte ich einen gestärkten Rücken. Zudem haben wir eine gute Mischung aus jungen Leuten und Mitarbeiter, die seit den Anfängen der Sumpfblume hier arbeiten. Es gibt da ein Sprichwort: „Die Jungen laufen schnell, aber die Älteren kennen die Abkürzungen“. Ich finde, das passt ganz gut.

Wie bist du zu diesem Job gekommen? Warum hast du dich dafür beworben?

Über ein Onlineportal bin ich auf die Stellenausschreibung aufmerksam geworden. Eine Freundin fragte dann „Soziokultur – ist das nicht auch was für dich?“. Das war der entscheidende Ruck. Beim Vorstellungsgespräch habe ich mich direkt in die Sumpfblume verliebt und würde heute sagen, dass es mein Traumjob ist.

Ein Erlebnis, das das letzte Jahr besonders geprägt hat?

Natürlich gab es da mehrere, aber das Rudelsingen war schon beeindruckend. Das ist eine Art große Karaokeaktion. Wir können in etwa 600 bis 700 Stehplätze anbieten und bis dato konnte ich mir nicht vorstellen, wie es aussieht, wenn die Hütte richtig voll ist. Als ich all die Besucher beim Rudelsingen dann gesehen habe, hätte mich fast der Schlag getroffen und ich dachte „Großartig, hier wird selber Kultur gemacht“.

Mit welchen Zielen hast du vor einem Jahr angefangen und welche konntest du bereits umsetzten?

Die Sumpfblume ist ja ein Kultur- und Kommunikationszentrum, also kein reines Veranstaltungshaus. Diese Vielfalt wollte ich stärken und jüngeres Publikum besser erreichen. Dazu haben wir Umfragen gemacht und gestalten unter diesen Aspekten unser Programm. Zudem arbeiten wir momentan daran, unseren Marketingauftritt zu erneuern und wir wollen mehr kulturelle Sparten anbieten, also Lesungen, Theater und Performances stärker einbinden.

Wie ist das Booking organisiert? Kümmerst du dich selbst darum oder gibt es einen festen Booker/Bookerin?

Wir haben eine Bookerin, die das gesamte Booking macht und eine Auszubildende im zweiten Lehrjahr, die darin eingearbeitet wird und mithilft. Das hat meinen Einstieg zusätzlich erleichtert, da die Konzerte weit im Voraus geplant sind und der Kalender bei meiner Ankunft schon gut bestückt war.

Planst du auch Konzerte mit lokalen und regionalen Bands, insbesondere mit Newcomern?

Auf jeden Fall. Im letzten Jahr haben wir einen Singer/Songwriter-Slam mit vielen Newcomern veranstaltet. Außerdem machen wir regelmäßig Halbzeitpartys für Schüler. Da treten dann nur Schülerband auf. Ich habe aber auch schon öfter in der Fußgängerzone Straßenmusiker angesprochen und ihnen angeboten, bei uns aufzutreten. Grundsätzlich bin ich immer ein Fan von Newcomern und freue mich darüber, dass wir ihnen in der Sumpfblume eine Plattform geben können.

Die Sumpfblume ist auch überregional als Club seit Jahren ein Begriff, darunter auch in Hannover, wie siehst du die Möglichkeit, eine überregionale Bedeutung weiter zu entwickeln?

Ich habe das Gefühl, dass wir hier schon ein Stammpublikum haben, jedoch habe ich bisher noch nicht so viele Hannoveraner getroffen. Durch unser neues Marketing und verschiedene Kooperationen unter anderem mit der Uni Hildesheim versuchen wir aber, den Standort Hameln attraktiver zu machen.

Wie empfindest du die Hamelner Musikszene?

Ich denke, dass die Hamelner Szene vor allem in den Genres Metal und Rock sehr aktiv ist, aber auch das Mystische hier stark vertreten ist. Das Autuum Moon Festival oder die Mystica Hamelon sind ja mittelalterlich gestaltete Veranstaltungen und die wurden sehr gut besucht und angenommen. Grundsätzlich ist es aber eine vielseitige Szene, in der immer viel los ist.

Welche Stärken und Schwächen hat die lokale Szene?

Hameln hat eine spannende Szene, die sich zu Konzerten auch gerne mal verkleidet. Schwäche ist, wenn man nicht Neues ausprobiert. Wir wissen, dass bestimmte Bands oder Künstler immer funktionieren, aber ich bin der Meinung, dass man ein breites Spektrum anbieten sollte, anstatt schon im Vorhinein zu sagen „Naja, das interessiert eh keinen“. Wir versuchen einfach mutig zu sein und auch mal was auszuprobieren.

Wie stark sind junge Leute in Hameln und Umgebung an Konzerten oder Partys interessiert? Gibt es da neues oder bislang noch unentdecktes Potenzial, Publikum zu begeistern?

Hameln ist sehr vom demografischen Wandel betroffen und somit ist es für uns eine große Herausforderung, publikumsorientiert zu arbeiten. Um zu wissen, was jungen Leute aus der Umgebung interessiert, haben wir Umfragen gemacht und in Bildungsstätten nachgefragt, um zu zeigen, dass wir Wünsche wahrnehmen und versuchen, diese auch umzusetzen. Das jüngere Publikum identifiziert sich eher mit jungen Künstlern und somit buchen wir auch junge, innovative Formate.

Gab es lokal ansässige Bands, über deren Entwicklung du dich besonders gefreut hast?

Da gibt es mehrere. Die Band „Tonefish“ hat beispielsweise im letzten Jahr eine immense Entwicklung gemacht und ist sehr viel professioneller geworden. Auch „High Gain“ ist überregional erfolgreich und der Singer/ Songwriter Nick March hat immer größere Schritte gemacht. Ich finde, Hameln kann damit gerne mehr angeben (lacht). Uns freut das immer sehr und wir unterstützen das gerne.

Was wünscht du dir für die Zukunft der Hamelner Musikszene im Allgemeinen und der Sumpfblume im Speziellen?

Ich könnte mir gut vorstellen, ein Festival zu organisieren. Im Sommer, draußen, umsonst und mit vielen Bands, Kabarett und szenischen Lesungen. Das würde ich wirklich toll finden. Ansonsten wünsche ich mir für die Sumpfblume weiterhin diese gute Mischung aus Leuchttürmen, also Publikumsmagnete und kleinen Bands. Diese Balance wollen wir erhalten und zeigen, dass alle Abende hier toll sind.

Stehen für die kommenden Wochen und Monate spezielle Events an? Wer wird demnächst auftreten und welche Shows darf man aus deiner Sicht nicht verpassen?

Bald werden wir mit der Band Terrorgruppe mal etwas mehr Punk ausprobieren. Zudem werden Joachim Witt und Luxuslärm zu Gast sein. Olli Schulz war schon nach ein paar Stunden ausverkauft. Der April ist also wirklich vollgepackt.

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