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"Die Menschen sollen Spaß an meinen Veranstaltungen haben" - Jennifer Kern organisiert Konzerte im Béi Chéz Heinz.

Klein anfangen und strukturiert arbeiten

Wie organisiert man eigentlich ein Konzert?

29.09.2015, Von: Hanna Rühaak, Foto(s): Promo-/Pressefreigabe

Das Angebot an Pop-und Rockkonzerten in Hannover wächst und wächst. Kaum eine Woche vergeht, dass nicht in Clubs, Hallen und Arenen populäre Acts und Stars auf der Bühne stehen, die ein breites Publikum ansprechen. Doch auch in Genre-Nischen und kleineren Spielstätten wird einiges geboten, mittlerweile die Sommerpause ignoriert und Konzerte organisiert. Doch wie stellt man überhaupt ein Konzert auf die Beine und was gilt es zu beachten? Wir sprachen mit zwei jungen und engagierten Machern aus der hiesigen Szene.

Donnerstagabend, Mitten im Juli, die Temperaturen bei tropischen 31 °C: Anstatt mit einem kühlen Bier auf der Limmerstraße zu sitzen oder im Conti-Kanal schwimmen zu gehen tummeln sich im Keller des Béi Chéz Heinz zahlreiche Besucher. Denn keine geringere Band als die New York Hardcore-Legende Agnostic Front bittet zum Pogo.

Damit trotzt Veranstalterin Jennifer Kern der eigentlichen Sommerpause, in der es in der Clubszene wegen der Festivalsaison eigentlich eher gesittet zugeht. Seit Ende 2013 arbeitet sie im Béi Chéz Heinz und absolviert dort nun eine Ausbildung zur Veranstaltungskauffrau. Das Konzert von Agnostic Front war ihre erste Produktion, vom Band-Booking bis hin zur Nachbereitung.

“Klein anfangen“

Aber was gilt es überhaupt zu beachten, wenn man selbst eine Show organisieren will? „Man sollte klein anfangen und nicht versuchen gleich fette Shows zu organisieren“, rät Timur Saitbekov, der in diesem Jahr bereits zum dritten Mal das Break Your Face XXL Festival im MusikZentrum in Hannover organisiert hat. Dieses Festival entwickelte sich aus regelmäßigen Konzerten, die Timur seit geraumer Zeit mehrmals jährlich mit lokalen Bands der jüngeren Rock-und Metalszene im Béi Chéz Heinz veranstaltet. 2015 mit einer überregional bekannteren Band als Headliner.

Grund für seine Shows war wohl das, was viele junge Bands kennen: „Ich hatte damals selbst eine Band, leider fehlten uns aber die Auftrittsmöglichkeiten und so musste ich selbst anfangen zu veranstalten, wenn wir spielen wollten.“ Gesagt, getan: Die Band habe sich zwar mittlerweile aufgelöst, aber die reservierten Abende im Heinz blieben bestehen – so entstand die Konzertreihe Break Your Face und das daraus resultierende Break Your Face XXL.

Dementsprechend heißt es: Realistisch bleiben! Eine Band, die groß im Geschäft ist, wird kaum bezahlbar sein. Generell sollte aber immer auch im Sinne der Band gehandelt werden: Wenn eine Band extra für die Show anreist, sollten zumindest die Anfahrtskosten drin sein.

Gute Organisation ist die halbe Miete

Natürlich spielen bei Shows die Besucherzahlen eine große Rolle, um anstehende Kosten zu decken, wie etwa die Gage und das Catering für die Bands, aber auch für die Mitarbeiter im Club und die Miete der Location: „Die Ausgaben, die entstehen, müssen zum größten Teil durch die Ticketverkäufe finanziert werden. Daher ist es immer ein schmaler Grat. Was kann fürs Line-Up ausgeben werden und mit wie vielen Zuschauern kann ich rechnen? Wenn man sich da komplett verschätzt kann es unter Umständen teuer werden“, erklärt Jennifer.

Außerdem muss mit dem Club geklärt werden, ob eine PA mit Mischpult und dazugehörigem Haustechniker vorhanden ist. Mit der Band muss man im Vorfeld besprechen, ob sie ihr Equipment selbst mitbringt oder etwas gestellt werden muss.„Organisation und Struktur sind so ziemlich das Wichtigste, gerade im kommerziellen Bereich. Die Vorbereitungsphase, der Show-Tag, die Nachbereitung - das alles funktioniert nur mit Planung und Struktur“, so Jennifer.

Ein weiterer sehr wichtiger Aspekt ist die richtige Werbung für die gewünschte Zielgruppe. „Denn ohne Gäste spielt die Band in einem leeren Saal“, weiß Jennifer. Mit der Werbung sollte man im besten Fall bereits etwa drei Monate beginnen, Flyer können auf anderen Veranstaltungen verteilt und Poster in der Stadt und in Locations aufgehängt werden. Auch Social Media-Kanäle spielen eine wichtige Rolle, um potentielle Besucher zu erreichen. So sollte jedes Konzert als Facebook-Event angegeben sein, in dem alle Infos zu finden sind, Interessenten Fragen loswerden können und mit Hilfe von Videos ein Vorgeschmack auf die Bands gegeben wird.

“Ein gelungener Abend ist die beste Motivationsspritze!“

Auch ist es natürlich sinnvoll, hiesige Medien einzubeziehen: Hier sollte ein Pressetext zum Konzert verfasst werden, mit allen wichtigen Infos zum Abend und der jeweiligen Band samt Pressefoto (Angabe der Photocredits nicht vergessen!). Nett nachgefragt kündigen die Medien die Show sicherlich an und man kann einen Teil seines Budgets dafür nutzen, eine Anzeige zu schalten. Hier ist es natürlich wichtig darauf zu achten, die passenden Medien herauszufiltern: Eine Anzeige in einem Jazz-Magazin wird wohl kaum die richtigen Leute für ein Metal-Konzert erreichen.

Eins sollte allerdings im Vorfeld klar sein: Wirklich Geld wird man mit den kleinen Shows tendenziell nicht machen. „Nur wegen dem Geld tut man hier selten etwas. Das Wichtigste ist also meiner Meinung nach eine Leidenschaft für die Musik zu haben“, so Timur. „Wir machen unsere Shows, weil wir von unserer Musik überzeugt sind und da unsere Konzerte auch noch gut besucht werden, gibt es für uns immer wieder einen Grund weiter zu machen.“ Und auch Jennifer fasst zusammen: „Die Menschen sollen Spaß an meinen Veranstaltungen haben und das Lächeln der Gäste über einen gelungenen Abend ist die beste Motivationsspritze!“

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