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Aus der Szene für die Szene: Stryker´s-Booking-Macher und One-Strike-Left-Sänger Andy Caspar.

Nicht weniger als die Weltherrschaft

Musiker, Booker und Promoter Andy Caspar im Interview

22.10.2014, Von: Hanna Rühaak, Foto: Maria Graul

Booker, Frontmann einer Band, Veranstalter – und das alles neben dem Job. Über Langeweile kann sich Andy Casper, der in Hannover Stryker´s Booking betreibt und der hiesigen Punkrock/Hardcore-Band One Strike Left seine Stimme leiht, wohl nicht beklagen. Am kommenden Freitag veranstaltet er bereits zum 19. Mal ein Konzert im Rahmen der „We Stryke“-Reihe mit Halfway Decent, The Lamplighters und Failed At Scoring im Béi Chéz Heinz. Doch was genau steckt eigentlich hinter der hannoverschen Bookingagentur und wie steht es um One Strike Left, die in diesem Jahr ihr Album „After Prime Time Revolution“ veröffentlicht haben aus? Rockszene.de traf sich mit Andy zum Interview, um einen Einblick zu bekommen.

Rockszene.de: Erzähl doch zu Beginn bitte ein bisschen über STRYKER´Sbooking – Wie fing alles an und was steckt genau dahinter?

Andy: Puh, wie fing alles an? Eigentlich war das mal nur so als Vereinfachung hinsichtlich Booking für die Lindener Bandszene im Freundeskreis gedacht. Da hab ich - damals noch mit Specki - quasi für unsere eigene Band One Strike Left und ein paar anderen Bands im Freundeskreis ein bisschen das Booking übernommen. Damals wie heute schon immer unkommerziell, will sagen, wir haben da keinen Cent für genommen, aber auch nie etwas versprochen oder Exklusivrechte beansprucht. Später haben wir dann angefangen, auch Shows - das „We Stryke“ - zu veranstalten. Das war nie geplant, hat sich aber so ergeben. Zuerst im Café Monopol in Langenhagen, dann auch in der Kufa Löseke in Hildesheim und jetzt im Heinz. Und auch da gilt immer die Devise: STRYKER´Sbooking ist unkommerziell. Alle Kohle, die am Ende – wenn überhaupt – rausspringt, geht an die Bands. Wir haben nur ein paar kleine Rücklagen, die wir dann jedes Mal, wenn wir nicht im Salon sondern im Saal was machen, komplett wegballern... Aus Specki wurden mit der Zeit Stefan und Aline. Und das ist jetzt das Team!

Wie du schon erwähnt hast, veranstaltet ihr auch die „We Stryke“-Konzerte. Also bist du nicht nur als Booker tätig, sondern auch regelmäßig als Veranstalter. Hauptberuflich betreibst du STRYKER´Sbooking aber ja nicht und bist auch noch Kopf deiner Band One Strike Left. Wie schwierig ist es, das alles unter einen Hut zu kriegen?

Ja, das ist manchmal alles nicht so einfach, und da rettet mich dann eben auch die Sache mit dem "Kein Kommerz - keine Versprechungen". Wir sind also in dem Sinne keine vollwertige Bookingagentur, sondern nur ein zusätzliche Option. Und wir sind immer eine gute Anlaufadresse, wenn irgendwelche anderen Booker einen guten Support für „Hannover-und-Umgebung“-Shows suchen. Generell machen wir nur das, was wir auch hinkriegen ohne, dass es in Stress ausartet. Es gibt Zeiten, da liegt das Bookinggeschäft völlig brach, weil ich gerade anderes zu tun habe oder ich mit One Strike Left unterwegs bin. Und es gibt Zeiten, da passiert auch wieder mehr. Wenn wir etwas machen haben wir aber schon den Anspruch, dass das, was wir tun, gut wird. Deswegen - und wegen der bereits erwähnten Angelegenheit mit der Kohle - machen wir auch eigentlich nur noch die Basement-Shows im Salon [im Béi Chéz Heinz Anm. d. Red.]. Die sind recht unkompliziert und eigentlich sind die vom Flair und allem Drumherum viel besser. Lieber einen kleinen Raum immer wieder schön voll machen, als einen Großen, wo man noch sein Echo hören kann...

Wenn es voll ist macht es ja auch gleich mehr Spaß! Ihr habt vor einiger Zeit bereits zwei Sampler unter dem Namen „The Art Of Stryking“ herausgebracht. Ist in die Richtung noch etwas geplant?

Es war dann ja nur ein Sampler. Für den Zweiten haben wir den Anlauf gestartet, aber mussten dann feststellen, dass in Zeiten von Streaming und Download ein physischer - und damit für alle Beteiligten recht teurer - Sampler wenig Interesse erweckt. Die Resonanz seitens der Bands war sehr gering. Deswegen wäre maximal ein Download-Sampler oder etwas ähnliches denkbar, sobald wieder ein bisschen Luft im Zeitkonto ist.

Neben Strykers Booking bist du, wie bereits erwähnt, auch noch Frontmann bei One Strike Left. Mit eurem neuen Album „After Prime Time Revolution“ spielt ihr gerade sehr viele Shows, ihr habt eine neue Website, den Merchshop ordentlich aufgerüstet und eben euer Album veröffentlicht. Klingt nach Weltherrschaftsplänen, oder was habt ihr euch als Band für Ziele gesteckt?

Auf jeden Fall nicht weniger! One Strike Left gibt es ja nun auch schon eine Weile mit allen Höhen und Tiefen, die sich in den Jahren so auftun. Ich denke wir sind derzeit so an der Stelle angekommen, wo wir das Limit des Machbaren erreicht haben. Wir haben ja alle noch Jobs beziehungsweise ein Studium und zum Teil Familie. Da bleibt dann auch nicht mehr unbegrenzt Zeit für das Punkrocker-Dasein und die Nummer mit der Weltherrschaft bleibt dann manchmal auch liegen. Aber das Ganze macht uns noch mächtig Spaß und wir spielen eben einfach verdammt gerne live. Und solange das so bleibt, werden wir auch weitermachen, Songs schreiben, Platten aufnehmen und ein bisschen durch die Gegend fahren. Wir wären ja schön blöd, wenn wir das sein lassen würden...

Da hast du recht. Gibt´s da eine Show, die besonders gut in Erinnerung geblieben ist?

Unser Highlight war ganz klar unser Gig auf dem Riez Open Air, wo wir mit einigen unserer Helden wie zum Beispiel Ignite, Against Me! und noch ein paar mehr gemeinsam auf derselben Bühne stehen durften. Wir haben zwar viel, viel früher gespielt, aber immerhin konnten wir gemeinsam im Backstage abhängen. Sonst spielen wir immer wieder sehr gerne in Holzminden. Da scheint immer so wenig los zu sein, dass die Kids bei Konzerten immer regelrecht ausflippen. Die pogen und hüpfen, als gäbe es kein morgen. Einmal hat sich einer der Zuschauer bei unserer Show den Fuß verstaucht, ist ins Krankenhaus gefahren und stand gegen Ende des Sets von Distance In Embrace, die nach uns gespielt hatten, wieder mit Krücken vor der Bühne.

Das ist aber eine harte Nuss! Wie geht ihr sowohl mit guter als auch mit schlechter Kritik um? Nehmt ihr euch negative Kritik zu Herzen und seht ihr positives Feedback als Ansporn an? Mir hat mal ein Musiker erzählt, dass es ihn überhaupt nicht interessiert, was andere über seine Musik denken, auch nicht die positiven Äußerungen.

Ich weiß nicht, ob man das so sagen - und meinen - kann. Denn wenn mich die Meinungen anderer nicht interessieren, könnte ich ja auch für mich alleine Musik im Kellerloch machen oder im Proberaum verrotten. Das ist für uns aber keine Option. Manchmal kann negative Kritik schon ein ganz schöner Schlag in die Fresse sein, aber damit musst du rechnen, wenn du dich öffentlich präsentierst. Aber im Grunde ist das viel mehr Ansporn als positives Feedback. Es könnte ja sein, dass an der Kritik was dran ist und dann kann man sich da noch mal dransetzen und es beim nächsten Mal besser machen. Trotzdem würden wir uns nicht völlig verbiegen. Natürlich sind wir, wie im Grunde alle öffentlich agierenden Künstler, darauf angewiesen, dass jemand den Kram gut findet, den wir machen. Trotzdem machen wir aber auch nur das, was wir selbst gut finden und vertreten können. Wenn das dann irgendwann keiner mehr hören will, haben wir ja immer noch die Option mit dem Keller und dem Alleinsein.

Was haben One Strike Left für die Zukunft geplant? Ich habe gehört, dass ihr ein neues Video drehen wollt?

Ja! Aus oben beschriebenen Gründen dauert bei uns ja alles immer ein bisschen länger, aber eigentlich sind wir jetzt mit den gröbsten Vorbereitungen zum Video fertig. Wir produzieren das ja wieder in guter, alter DIY-Manier und sind selbst ganz gespannt, was am Ende dabei rauskommt. Wenn alles glatt läuft, sollte es noch dieses Jahr fertig werden... Mehr verraten wir aber noch nicht.

Auch nicht, zu welchem Song das Video gedreht wird?

Nö! (lacht) Viel interessanter ist ja auch erstmal unser erster Vinyl-Release. Da gibt es nämlich demnächst über Klabautermann Records eine schicke 7´´ mit zwei Songs vom aktuellen Album in schickem roten Vinyl.

Wann kommt die raus? Und wieso habt ihr euch dazu entschieden, das Album nochmal auf Vinyl zu veröffentlichen?

Der genaue Termin steht noch nicht fest, aber man kann das gute Stück schon vorbestellen. Es ist ja auch nicht das ganze Album sondern nur zwei Tracks. Klabautermann Records haben uns das zu guten Konditionen angeboten und wir haben zugegriffen. Generell sind wir sehr froh, mit Klabautermann Records seit kurzem einen sehr engagierten und netten Partner an der Seite zu haben.

Wie kam die Zusammenarbeit mit Klabautermann Records zustande?

Ha! Das ist eigentlich eine ganz lustige Geschichte und wenn ich jetzt Esoteriker wäre, würde ich das auf die ausgleichende Kraft von Karma oder sowas schieben. Wir haben vor Jahren mal ein Konzert in Wiesmoor gespielt, wo uns der Booker vor Ort schließlich um die Kohle geprellt hat. Als wir für die aktuelle Tour nach Shows gesucht haben, sind wir dann wieder an eben diesen Booker geraten. Der hat uns dann an den Karsten von Klabautermann Records weiter verwiesen und der war sofort Feuer und Flamme. Und am Ende blieb es nicht nur bei der einen Show, sondern es kam auch noch der Vertrieb unseres neuen Albums, weitere Shows und eben die 7´´ dazu. Jetzt sind wir quasi wieder quitt mit besagtem Wiesmoorer Booker... Karma eben! (lacht) Außerdem haben wir in Wiesmoor dann eh eine Kiste Bier mitgehen lassen...

Sehr gut! Besser wäre nur noch eine Flasche Lakritz-Schnaps gewesen. Dann kommen wir mal zum Abschluss: Was mit One Strike Left in nächster Zeit so passieren wird, wissen wir ja jetzt. Wie sieht es mit STRYKER´Sbooking aus?

Shows machen, nette Bands kennen lernen - oder auch wieder treffen - und immer wieder gerne Schweiß und Bier an den Wänden des Salons des Béi Chéz Heinz runtertropfen sehen. Wir wollen da wenig ändern. Am Ende geht es auch bei STRYKER´Sbooking nur darum, Spaß zu haben und im Idealfall andere daran teilhaben zu lassen. Und solange das funktioniert, machen wir das. Kann man sich ja am Freitag von überzeugen. Dieses Mal haben wir ja sogar eine Aftershowparty mit im Angebot. Da kann man hinterher gleich noch ein Bier ordern und weiterfeiern.

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externer Link www.strykersbooking.de
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