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Federboa muss sein: Fortuna Ehrenfeld-Sänger Martin Bechler beim Open-Air-Konzert im acht & siebzig-Biergarten.

Benjamin Blümchen im Biergarten

Fortuna Ehrenfeld spielt Open-Air-Show in Hannover

17. August 2020, Von: Lisa Eimermacher, Foto(s): Lisa Eimermacher

Die Reisegruppe „Seltsam“ ist am gestrigen Sonntagabend in Hannover eingekehrt. Auf diesen Namen hat sich die Indie-Pop-Band Fortuna Ehrenfeld selbst getauft. 250 Zuschauer haben sich im ausverkauften Biergarten acht & siebzig eingefunden, genießen eine Currywurst und lassen sich vom Kölner Trio zwei Stunden lang unter freiem Himmel unterhalten.

Die Bänke stehen mit Sicherheitsabstand auf der grünen Wiese – ein kleines, feines ausverkauftes Sitz-Open-Air. Die Leute wollen wieder Live-Musik sehen, auch wenn das momentan nur unter neuen Bedingungen möglich ist. Sänger und Musikproduzent Martin Bechler betritt die Bühne wie gewohnt im kleinkarierten Schlafanzug, mit gelber Federboa und Gitarre. Vor ihm stehen die riesigen braunen Bären-Puschen, vielleicht zur moralischen Unterstützung. Denn an den Füßen trägt er Turnschuhe.

Dem Publikum gefällt diese Eigenwilligkeit, der humorvolle Irrsinn und die Ehrlichkeit - nicht nur, was die Optik angeht. Denn auch textlich spiegelt sich all das wider; in Zeilen wie „Mit einem Kopfsprung in dein Hundeherz“ („Hundeherz“) und „Ich zeig dir wie der Arsch der Welt dein Innerstes zusammenhält“ („Glitzerschwein“) zum Beispiel. Keyboarderin Jenny Thieles hoher Gesang harmonisiert mit Martin Bechlers heisernem, kratzigen Sprechgesang. Sie singen über Profanitäten und Kuriositäten, mal melancholisch und nachdenklich, mal mit Witz und werden von Jannis Knüpfer am Schlagzeug begleitet. Hier und da streuen sie bekannte Schnipsel aus „Verdamp lang her“, "Mah Na Mah Na", „ Benjamin Blümchen“ und „Lambada“ wie bunte Streusel in ihre eigenen Songs, die Spuren von New Wave und Electro enthalten.

Vorschau Bild 1Vorschau Bild 2Vorschau Bild 3Fotostrecke (5 Bilder) -Foto(s): Lisa Eimermacher

Der Drummer ist zu Beginn des Jahres zur Gruppe dazugestoßen. „Wir sind noch 'ne junge Band, auch wenn man's mir nicht ansieht“, sagt Martin Bechler, der genauso gerne ausgedehnte Ansagen macht wie sein Label-Chef Thees Uhlmann. Immer wenn er zu lange zwischen den Songs redet, bekommt die Band von den Technikern ein "Benjamin-Blümchen"-Hörspiel auf die Ohren. In den drei Jahren Bandbestehen haben sich bereits viele Insidergags entwickelt.

Nach 6000 Jahren Patriarchat habe man in der Band beschlossen, dass es nun höchste Zeit für 6000 Jahre Matriarchat sei. Wenn einem alten Hasen wie ihm mal aus Versehen „einer rausrutscht“, also wenn er etwas Sexistisches sagt, muss er die Regenbogenflagge schwingen, was das Publikum zum Lachen bringt. Einsicht ist der erste Schritt. Seit einem Konzert, bei dem die Band die Curfew überschritten hatte, spielt sie den Anfang ihres lautesten Songs „Das ist Punk das raffst du nie“ so leise es geht. In Hannover ist zwar noch lange nicht Sperrstunde, aber das ist jetzt Tradition.

Im vergangenen Jahr spielte die Band beim Fährmannsfest als Support von Kettcar. „Und ich mache so lange weiter bis bei mir so viele angesabberte Bierbecher aufm Verstärker stehen wie bei Freddie Mercury beim Live Aid. Ist noch 'n weiter Weg“, sagt Bechler. Nun freuen sie sich erstmal, wieder auftreten zu dürfen. Die Kopfhörer-Konzerte seien erfolgreich gewesen. Hier in Hannover gibt es „Ein analoges Mädchen“, „Der Puff von Barcelona“, „Das letzte Kommando“, „Heiliges Fernweh“ und „Helm ab zum Gebet“ wie gewohnt über die Anlage.

Bei der dritten, vierten, fünften (?) Zugabe bittet Martin Bechler mit ernster Miene um die volle Aufmerksamkeit des Publikums. Denn es koste ihn Überwindung, den Song zu spielen. „Wir spielen das Lied selten, weil wir es nicht verbrauchen wollen“, sagt er. Mit „Zwei Himmel“ bindet Fortuna Ehrenfeld den Sack zu. Eigentlich wollten die drei Musiker nach der Show noch mit den Zuschauern Elfmeter schießen, aber vor der Show hat sich der Frontmann leider beim Bolzen einen Muskelfaserriss zugezogen.


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