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Totale Energie und Emotionen: Mister Me bei seiner Show in Hannover im MusikZentrum.

Nackte Emotionen

Mister Me und Band spielten im MusikZentrum

05. Dezember 2019, Von: Andreas Haug, Foto(s): Torsten Gadegast

Nicht ganz so viele Künstler kehren so ihr Innerstes nach außen und geben dabei auf der Bühne über mehr als 100 Minuten mehr als 100 Prozent Energie. Der Pop-Sänger und Rapper Mister Me ging bei seinem Konzert am gestrigen Mittwochabend im MusikZentrum Hannover mit so viel Energie und Leidenschaft zu Werke, das man hätte glauben können, er steuere auf eine spezielle Form einer persönlichen Explosion hin. Es war eine vielseitige Show eines außergewöhnlichen Künstlers mit einer gut eingespielten Band. Knapp 200 Fans lauschten, wippten oder tanzten mit fortschreitender Begeisterung. Da war die Kälte draußen vor der Tür für fast zwei Stunden nahezu vergessen.

Halbe Sachen macht er nicht, der Mister Me, der bürgerlich Micha Meißner heißt und ursprünglich aus dem niedersächsischen Einbeck stammt. Mister Me wirft sich mit augenscheinlich fast überkochender Energie in die heutige Show in Hannover. Dabei beginnt das Konzert im MusikZentrum zunächst eher gezügelt und versprüht erst mit fortschreitender Dauer zeitweise Party-Flair.

Vorschau Bild 1Vorschau Bild 2Vorschau Bild 3Fotostrecke (5 Bilder) -Foto(s): Torsten Gadegast

Dies ist aber auch kaum der Ansatz, hier von vorne bis hinten die große Entertainment-Abrissbirne zu schwingen, es geht vielmehr um moderne, urbane Pop-Rap-Kunst mit Persönlichkeit und tiefen Emotionen. In den Songs von Mister Me findet sehr viel persönliche Auseinandersetzung statt, in manchen Texten macht sich der Sänger nahezu nackt, passend zum Titel eines seiner Songs.

Es geht um persönliche Beziehungen, die Rolle des Einzelnen in der Gesellschaft, Beziehungen und die Gesellschaft im Allgemeinen, um Liebe. Erlebnisse, Erfahrungen, Gedanken, Wünsche, Freude, Leid, Spaß und Tränen. So facettenreich, wie das Leben spielt, ist auch die Musik von Mister Me. Alltagspoesie in Balladen trifft auf Singer-Songwriter Pop, trifft auch schiebenden, massiv groovenden Pop-Rap mit Dancehall-Flair.  

 Viele Songs vom im Oktober erschienenen Album „Das Ende vom Hass“ , darunter „Pink und Blau“, „Mensch“, das dunkle „Null“ oder das alles umarmende „Monte Piana“ ganz zum Schluss bilden ein starkes Gerüst. Natürlich sind bei diesem fast zweistündigen Konzert auch viele Songs der ersten beiden Alben „Zeit bleibt Zeit“ und „Stumme Poeten“ im Programm.

„Ein cooler, absolut authentischer Typ“

Bei all der offenen, ehrlichen und auch mal schmerzhaften Auseinandersetzung mit sich, seinen Lebenserfahrungen und der Gesellschaft möchte Mister Me erreichen, dass es Versöhnung gebe, dass alles irgendwann gut werde, wie er sinngemäß auch heute beim Konzert herausstellt. Das Miteinander bei einem Konzert erleben, Gemeinschaft spüren, aber dabei auch man selbst sein können, das sei für ihn ein schönes Gefühl, so, wie heute Abend im MusikZentrum in Hannover.

Das Publikum folgt und applaudiert den offenen Ausführungen des Musikers. „Ein cooler, absolut authentischer Typ“, sagt einer spontan im hinteren Teil der Halle. Das trifft es hier tatsächlich auf den Punkt, auch wenn Mister Me bei seiner Allzeit-Vollgas-Performance beinahe in den roten Bereich zu kommen scheint. Er rennt wie ein Derwisch über die Bühne, hüpft zuweilen wie ein außer Kontrolle geratener Flummi, den man kaum einfangen kann.

Keine Sauerstoffflasche, kein Netz, kein doppelter Boden

Er ist immer präsent, nah am Publikum. Starke Gesten, große Körpersprache. Da fließt schon früh der Schweiß, der Atem rast so schnell, dass das Singen und Rappen zeitweise zur Herausforderung wird. Da ist jemand auf der Bühne, der alles reinhaut, was nur geht, einer, der im Tempo für einen 400 Meter-Lauf eine 5000 Meter Distanz anzugehen scheint. Das wirkt in Einzelfällen wie ein Kampf mit sich selbst, der letztlich aber gut ausgeht. Keine Sauerstoffflasche in der Nähe, kein Netz, kein doppelter Boden. Dass dabei nicht immer jeder Gesangs-oder Rap-Ton ausreichend Luft und Kraft hat, stört in diesem Show-Kontext nicht wirklich. Mister Me trifft dafür den Nerv der wohl meisten hier Anwesenden.

Im weiten Kosmos moderner deutschsprachiger Popmusik zwischen Singer-/Songwriter Ansatz und Rap hat  Mister Me einen ganz eigenen Platz gefunden und längst ein eignes, starkes Profil entwickelt. Irgendwo zwischen tendenzieller Subkultur, Indie und Mainstream. Mister-Me-Songs und Texte dürften zukünftig noch viel mehr Menschen treffen, egal ob sie bislang eher Künstler wie etwa Thees Uhlmann, Bosse, Marteria, Casper oder auch Andreas Bourani auf dem Schirm hatten.


INFO-BOX

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