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Schlechte Nachrichten für Reggaehase Boooo und seinen Kumpel, den Ska-Vogel: Der König hat den Proberaum geschlossen.

Familienspaß mit Sitzpogo

Ein bunter Nachmittag auf dem Heimatzoo-Festival

08. September 2019, Von: Andreas Haug, Foto(s): Brigitte Haug

Turbostaat, Tequila And The Sunrise Gang, das sind die Namen der populären Headliner des diesjährigen Heimatzoo-Festivals in Grindau bei Schwarmstedt. Doch wer sich erst spätabends in der prall gefüllten Scheune in den Mosphpit wirft, hat oft den Nachmittag verpasst, der so manches Festival besonders und einzigartig macht, wo ebenfalls Acts auftreten und unterhalten, die mehr als lohnenswert sind. Beim Heimatzoo am gestrigen Samstag waren das etwa das Musiktheater Der Reggaehase Boooo oder der von Monsters Of Liedermaching bekannte Der Flotte Totte mit einer Solo-Show. Außerdem hatten wir die Gelegenheit, den Veranstaltern informatives Hintergrundwissen zu entlocken.

Bevor es am Abend in der Scheune des Heimatzoo-Festival-Geländes, dort, wo sich die Hauptbühne befindet, hoch her geht, unterschiedliche regionale, überregionale und auch sehr populäre Bands wie in diesem Jahr Turbostaat (am Freitag) oder Tequila And The Sunrise Gang (am Samstag) spielen, gibt es draußen auf dem Hof ein buntes und spaßiges Musik-und Theater-Programm für die ganze Familie. Vor allem Kindern wird hier jede Menge Spannendes und Lustiges geboten, ob im Spielbereich bei den Heimatzoo-Kitz oder mit dem Musik-Theater "Der Reggaehase Boooo."

Vorschau Bild 1Vorschau Bild 2Vorschau Bild 3Fotostrecke (5 Bilder) -Foto(s): Brigitte Haug

Die Umgebung vermittelt Gemütlichkeit und ein sympathisch-witziges Ambiente. Als Währung auf dem Heimatzoo-Festival gelten „Hirsche“, die man gegen den Tausch von Euros erhält. Mit den „Hirschen“ geht es dann zur „Tränke“, wo es Bier und Alkoholfreies gibt. Am Stand mit dem Schild „Futter“ gibt es Essbares.

Draußen wird überdacht gekrökelt oder man kann Nägel um die Wette ins Holz schlagen. Wer es beispielsweise vegetarisch und vegan mag, versorgt sich an der „Nix-Fleisch-Bude“. An der „Bambi-Bar“ werden unter anderem Cocktails angeboten und ein landwirtschaftlich nutzbarer Anhänger ist zur Hofbühne umfunktioniert. Hier haben am Samstag Liedermacher wie Bernd Barbe oder Der Flotte Totte ihre Auftritte. Zwischendrin hüpft ein Kunststoff-Einhorn durch die Gegend und die vielen Helfer beim Heimatzoo tragen gut sichtbare rote T-Shirts mit der Aufschrift „Tierpfleger“ auf dem Rücken.

Der Reggaehase Boooo,  der Ska-Vogel und ein müder König

Es wirkt alles sehr familiär und liebevoll-urig hergerichtet. Vor der Scheune verkauft heute ein Fleischer aus der Umgebung seine Wildwurst vom Grill und bietet dazu mehrere Sorten Senf aus der in der Nähe liegenden Gemeinde Bomlitz an. Dieses sehr regionale Angebot testen wir heute gleich dreimal, reichen insgesamt 21 „Hirsche“ über den Grill, sind gut gesättigt und schlichtweg begeistert.

Ein absoluter Höhepunkt des Nachmittages ist die Geschichte vom Reggaehasen Booo (mit vier „O“), die im Verlauf eines musikalischen Figurentheaters erzählt und gespielt wird. Das geht aber dann schon über die "Mainstage" in der Scheune. Davor sind die Sitzbänke gefüllt mit vielen Kindern und ihren Eltern und am Rande drängen sich auch einige, die dem Augenschein nach später noch zu den Rockshows abgehen werden. Immer wieder tönen Reggae-Melodien und –Grooves durch die Scheune, der kleine Hase Boooo ist großer Reggae-Fan, kennt sogar Bob Marley.

Er lebt im Reggae-Wald und geht noch zur Hasenschule. Einen Proberaum gibt es auch. Der Reggae-Wald wird von einem König beherrscht, der des Tanzens und der Musik überdrüssig geworden ist, den ganzen Tag schläft und schließlich den Proberaum  für immer geschlossen hat. Was für ein Dilemma. Das stürzt den Reggae-Hasen Boooo in Traurigkeit. Gemeinsam mit seinem Kumpel, dem Ska-Vogel, macht er sich auf in die große, weite Welt, um einen Tanzlehrer zu finden, der den König wieder aufmuntern kann. Wenn Boooo das schaffen würde, so verspricht der König, würde dieser den Proberaum wieder öffnen.

Die zündende Idee von der hübschen Häsin Josi

Der kleine Reggae-Hase und der Ska-Vogel treffen verschiedenste Verbündete, die behaupten, gute Tanzlehrer zu sein: Das Kamel Mohammed, der Papagei Enrique und die Katze Schlomo schaffen es aber nicht, den König zum Tanzen zu bringen. Als dann die hübsche Häsin Josi auf den Plan tritt, Boooo einen Kuss gibt, hat sie die zündende Idee: Mit allen Kindern des Waldes zum König zu gehen. Die Kinder in der Heimatzoo-Scheune drängen zur Bühne und mit vereinter Kraft gelingt es schließlich, den König tatsächlich zum Tanzen zu bringen. Der hält sein Versprechen und legt noch was obendrauf. Zukünftig dürften auch Reggae-Freiluftkonzerte im Wald stattfinden. Was für ein Happy-End! Alle freuen sich, es gibt großen Applaus.

Draußen auf der Hofbühne ist Liedermacher Bernd Barbe engagiert am Start, spielt Songs auf Zuruf, die das Publikum zuvor aus einer umweltfreundlichen Einkaufstüte einer großen Supermarktkette ziehen durften. Der Himmel verdunkelt sich ein wenig, erste Tropfen fallen, als Der Flotte Totte auf der Hänger-Bühne einen kurzen Soundcheck macht. Kurzerhand verlegt er seinen Auftritt unten auf den Boden, steht den Zuhörerinnen und Zuhörern, für die eilig ein großer Schirm besorgt wird, direkt gegenüber.

„Wir hassen Regen, wir hassen Regen“

Der Flotte Totte entpuppt sich als wahrer Freestyle-König und beginnt mit einem Lied über Hass: „Wir hassen Regen, wir hassen Regen“ skandiert er und zieht das Publikum sofort auf seine Seite. Es folgt  ein Song über Mücken und wer hier vor der Bühne verweilt, muss oder darf damit rechnen, schnell Teil der Show zu werden und in einem spontan zusammengereimten Text von Totte vorzukommen. Auch Fotografinnnen und Fotografen. Die Menschen hier haben einen Riesenspaß und praktizieren tatsächlich Sitzpogo und strecken auf Kommando die Mittelfinger empor. Schlachtrufe aus Akustik-Punk-Refrains singen die Anwesenden nach Aufforderung ohne Vokale, was zu einem undefinierbaren Gegröle führt. Hier ist was los!

Ulf Schlote und Sebastian Winter, führende Köpfe vom veranstaltenden Heimatzoo e.V. wirken zufrieden und entspannt. „Bis jetzt läuft alles super und entspannt, toi, toi, toi“, sagt Ulf und klopft dreimal auf Holz. Sebastian, beim Heimatzoo unter anderem für Booking und Finanzen zuständig, hat Zeit für ein etwas längeres Gespräch. Heute sei es für ihn von der Arbeit bislang vergleichsweise entspannt, am Freitagabend sei es dagegen zeitweise auch mal etwas stressig gewesen. Am heutigen Samstagabend werde er noch mit seiner Band Kloode auf der Bühne stehen und daher in Kürze in den Musikermodus wechseln, verrät er lächelnd.

Familiärer Charme und Wertschätzung

Wie das ginge, gleichzeitig sehr stark in die Festivalorganisation und Durchführung eingebunden zu sein und dann noch selbst mit der eigenen Band auf der Bühne zu stehen, wollen wir wissen: „Naja, das geht alles gut, wenn ich mich eine gewisse Zeit vor der Show aus der Arbeit ausklinke, mich mit der Band in den Backstage setze und wir uns stressfrei vorbereiten können“, sagt Sebastian, erinnert sich dabei aber auch an einen Auftritt vor einigen Jahren hier: „Da habe ich bis kurz vor dem Auftritt im Büro gearbeitet, bin dann noch fast im Helfer-Shirt auf die Bühne gehetzt und habe gespielt und den Gig prompt ein wenig verkackt“, erzählt er schmunzelnd.

Das Heimatzoo-Festival würde sich besonders durch den familiären Charme, die Wertschätzung der Besucher und das schöne Miteinander aller Beteiligten auszeichnen, fasst er zusammen. „Darauf freue ich mich jedes Jahr. Wir haben 100 freiwillige Helfer und das so aufzuziehen, immer mal was anders zu machen, das Festival gesund wachsen zu lassen und auch mal was auszuprobieren, ist toll. Das macht richtig Spaß“, sagt Sebastian. „Wir haben hier auch tolle Unterstützer,  wie etwa von der Technikfirma und einem Getränkepartner aus Hannover, darüber hinaus ziehen der ganz Ort und die Umgebung mit, alle packen mit an und die vielen Sponsoren, die mit finanzieller Zuwendung oder mit wertvoller Arbeitsleistung und Ausrüstung helfen, tragen natürlich auch ganz wesentlich zum Gelingen des Heimatzoo-Festivals bei“, führt  Sebastian aus.

Rund 200 Bandbewerbungen

Beim Heimatzoo-Festival hatte er schon vor vielen, vielen Jahren einige Male mit der Band Maskapone gespielt, weit vor dem offiziellen Start des Festivals in der jetzt bekannten Form im Jahr 2008. „Damals hatten wir auch immer unsere Anlage mitgebracht und so kam der Kontakt zu Ulf zustande. Als das Festival mal pausierte, traf ich Ulf auf dem 1.Mai-Fest auf der Faustwiese in Hannover und fragte, ob wir nicht mal wieder was zusammen machen wollten und der Rest ist dann quasi Geschichte“, klärt Sebastian über die Hintergründe auf.

Man würde sich übrigens alle Bandbewerbungen für das Heimatzoo-Festival anhören, erklärt der auch für das Booking zuständige Mitorganisator. Dieses Jahr seien es rund 200 Bewerbungen gewesen. „Die höre ich mir tatsächlich alle an und auch andere bei uns im Verein beteiligen sich an der Planungsarbeit für das Programm.

Der Nightliner steht beim Nachbarn

Außerdem bekommen wir zusätzlich noch Angebote von Agenturen oder anderen Seiten, mit denen wir uns intensiv beschäftigen“, gibt Sebastian einen Einblick in die Booking-Arbeit und ergänzt: „Leider schaffen wir es organisatorisch noch nicht, allen Bands, die sich beworben haben und nicht dabei sind, auch abzusagen.“

Mit größeren, deutschlandweit populären Bands aus der Profiliga wie etwa Turbostaat zusammenzuarbeiten, stellt die Heimatzoo-Crew offensichtlich vor keine Probleme. Dazu Sebastian: „Das lief gestern alles reibungslos und sehr entspannt und der Nightliner, ja, der stand gut versorgt mit Strom beim Nachbarn.“


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Links
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