Bildrechte: Torsten Gadegast

Punkrock ist auch Druck: Peter Bywaters von Peter And The Test Tube Babies beim Strangriede Open-Air in Hannovers Nordstadt.

Reduziert bis zum Maximum

Internationaler Punkrock beim Strangriede-Open-Air

01. September 2019, Von: Andreas Haug, Foto(s): Torsten Gadegast

Das „An der Strangriede Fest“ in seiner Ausgabe 2019 präsentierte sich am gestrigen Samstag, am Tag zwei des Open-Airs, äußerst geradlinig. Musikalisch geradeaus mit internationalen Punkrock-Bands wie Misconduct aus Schweden und Peter And The Test Tube Babies aus Großbritannien und sehr einfach und bodenständig, was das gesamte Drumherum anging. Ein Stadtteilfest, inhaltlich reduziert bis zum Maximum, auf dem nicht nur Nordstädter bei erneut hochsommerlichen Temperaturen wieder sehr zahlreich erschienen. Hätte man zum Konzertprogramm Eintritt erhoben, hätte man um kurz nach 21 Uhr „ausverkauft“ melden können, so voll war es.

Beim „An der Strangriede Fest“ konzentriert man sich augenscheinlich auf das absolut Wesentliche, sofern man es mit Live-Musik der Richtungen Rock, Metal und Punk sowie geselligem Abhängen und Trinken hält. Hier unterscheidet sich die Nordstädter Sommer-Sause deutlich von einigen anderen Festen oder Festivals, vor allem aus dem alternativen Bereich. Wo anderswo ein umfangreiches, buntes Familien-Rahmen-Programm, unterschiedlichste Kulinarik, Kinderbespaßung und diverse Stände an-und aufgeboten sind, musikalisch Multikulturelles von unterschiedlichsten Musikgruppen dargeboten wird, Poetry-Slammer, Zauberer und Aktionskünstler das Programm divers gestalten, heißt es rund um die Strangriede: Weniger ist mehr – alles einfach mal nur geradeaus.

Vorschau Bild 1Vorschau Bild 2Vorschau Bild 3Fotostrecke (5 Bilder) -Foto(s): Torsten Gadegast

Was gibt es außer lokalen, überregionalen und internationalen Bands mit lauten Gitarren und druckvollem Sound? Bratwurst-Pommes-Imbiss, gut frequentierte Dönerläden und Kioske sowie Bierstände auf dem Platz vor der Strangriede Stage. Das war es auch schon. Fast. Eine Hüpfburg für Kinder, ein wenig versteckt an der Subkultur aufgebaut, gibt es auch noch. Vor diesem Club geht es -ebenfalls gut besucht- gesellig bei Gerstensaft zu.

Bodenständige Veranstaltungshausmannskost

Diese Geradlinigkeit und Einfachheit scheinen die Menschen hier am heutigen Samstag sehr zu begrüßen: Ein bisschen was essen, trinken, Leute treffen, Rock, Punk und Metal hören. Punkt. Bodenständige Veranstaltungshausmannskost, die richtig schmecken kann  und für den Rahmen hier genau das richtige zu sein scheint. Es geht um das Wesentliche und irgendwie ist das „An der Strangriede Fest“ eine seltene, profil-geschärfte Rock-Metal-Punk-Rock-Insel auf der hannoverschen Freiluft-Veranstaltungslandkarte.

Cella `Door aus Hannover und die aus Sarstedt und Hildesheim stammende junge Metalband Source Of Rage hatten den Anfang gemacht. Im Publikum hätte einige die Eltern der Musiker sein können, so auch beim Auftritt der Indie-Pop-Rock-Band Minuspol aus Osterode, den local-heroes-Niedersachsen-Gewinnern aus dem Jahr 2018. Minuspol versuchen mit ihrem erfrischenden, dynamischen Auftritt das Publikum aus der Reserve zu locken, was ihnen teilweise ganz gut gelingt. Der Empfang hier in Hannovers Nordstadt ist freundlich, einige tanzen, der teils kräftige Applaus ist redlich verdient.

14 Stunden Fahrt aus Schweden

Als sich die Sonne so langsam verzieht und sich Abendstimmung einstellt, spielen Misconduct aus Schweden ein sympathisches, geradliniges wie druckvolles Melodic-Punk-Rock-Set. 14 Stunden habe man mit einem Miettransporter nach Hannover gebraucht, erzählt die Band, die mit zunehmender Spieldauer in vorderen Reihen des sich nun immer stärker füllenden Platzes ordentlich abgefeiert wird. Ein Auftritt, der weit mehr als eine gute Einstimmung auf den folgenden Headliner des Strangriede-Open-Airs ist. Das Publikum, darunter auch einige, die man sonst in einschlägigen Kneipen, Live-Lokationen, Straßen und Plätzen Lindens sichtet, scheint heiß, mindestens aber neugierig zu sein auf die legendäre britische Punkrock-Band Peter And The Test Tube Babies.

Zeitweise rau und rüde

Sänger und Shouter Peter Bywaters und seine Mannen preschen mit viel Tempo und knüppelhart vor und zeigen wie old-school-Punkrock von der Insel klingt und welche Energie sich dahinter verbirgt. Es ist nun brechend voll auf dem Gelände und vor der Bühne gehen die Fans in puncto Feierei und Pogo ziemlich ab. Zeitweise geht es auch mal rau und rüde zur Sache.

Einige haben dem Alkohol offensichtlich schon sehr, sehr reichlich zugesprochen, verlieren die Koordination, stürzen auf den Boden. Drei Leute konnten offensichtlich ihre Fremdgetränke erfolgreich an den Kontrollen vorbeischleusen und setzen erst mal ein paar Bierflaschen von einer örtlichen Brauerei an ihre Hälse, einer kommt noch auf die Idee, eine Rauchbombe zu zünden. Die Stimmung scheint bei einigen gereizt. Der Sicherheitsdienst muss einschreiten, Frauen beruhigen vereinzelt aggressiv aufgebrachte Männer.

Glücklicherweise beruhigt sich die kurzzeitig durchaus unangenehm angespannte Situation relativ schnell und es kann in der Folge nicht minder dynamisch und lautstark, aber friedlich weitergefeiert werden. Peter And The Test Tube Babies treffen mit ihren Punkrock-Klassikern und ihrer teils leicht rüpelhaften bis prollig wirkenden Attitüde irgendwie voll den Nerv der hiesigen Szenerie.

Deckel auf Topf

Eine bessere Band aus der klassischen Punkrock-Ecke kann man sich hier und heute im Stadtteil kaum vorstellen. Das passt wie der berühmte Deckel auf den Topf, schließlich kommt der ursprüngliche Punk Hannovers hier aus der Nordstadt und der gestaltete sich bekanntlich nicht als  Ringelpietz mit Anfassen auf einem Kindergeburtstag.

Während sich die Band Ghostmaker, ein Rocktrio aus Berlin für ihre After-Headliner-Show in der Strangriede Stage vorbereitet, wippt draußen vor der Tür auch der Hochbahnsteig an den stetig haltenden und vorbeifahrenden Stadtbahnlinien. Auch hier haben sich viele Neugierige zum Schauen, Hören und Feiern versammelt. Für viele ist das hier alles ziemlich großes Kino bei freiem Eintritt und aufgrund der Bands, den stets eifrig arbeitenden Menschen an den Zapfanlagen und denen davor und schließlich des Besucherzuspruchs in Zahlen, kann diese Sommerparty sicher als großer Erfolg verbucht werden.


INFO-BOX

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