Bildrechte: Jeff Kahra

Punk und Politik mit Biss: Joshi von der Skate-Punk-Band ZSK.

Punk, Rock und eine inklusive Modenschau

Der „auf-die-Fresse-Tag" auf dem Fährmannsfest

11. August 2019, Von: Andreas Haug, Foto(s): Jeff Kahra

„Herzlich Willkommen zum auf-die-Fresse-Tag“, begrüßte Moderator Stefan Henningsen am gestrigen Samstagnachmittag das schon früh zahlreich erschienene Publikum auf dem Fährmannfest in Hannover. Moderationspartner Jean Coppong fügte trocken hinzu: „Wir haben heute drei Themen: Punk, Punk und Punk.“ Die „wilde Hose Fährmannsfest“, von der am Vorabend Kettcar-Sänger Marcus Wiebusch gesprochen hatte, wurde am zweiten Fährmannsfest-Tag von vielen tausend Besuchern und Musikern tatsächlich übergezogen. Premiere hatte eine inklusive Modenschau und auf der Bühne standen Bands wie Dritte Wahl, ZSK, V8 Wankers, Volter und Rotz auf der Wiese.

Ganz so hart, eindimensional und drastisch wie die Moderatoren den musikalischen Speiseplan umreißen, ist es dann doch nicht am heutigen Samstag auf dem Fährmannsfest. Die Richtung ist dennoch klar: Geradeaus, und das mit Tempo! Rock, Rock´n´Roll und Punk, mal schneller, mal härter und die Bands aus der hannoverschen Musikszene starten heute ebenfalls in das bunte Open-Air an Leine und Ihme.

Die Kulturbühne auf der Faustwiese ist eröffnet und präsentiert neben dem Poetry-Slam „Macht Worte!“ ihre Stammband, Die Eisbrecher, das hannoversche Duo TLR und feiert 10 Jahre Inklusion auf dem Fährmannfest: Mit einer von Jan-Egge Sedelies moderierten Gesprächsrunde mit Vertretern von am Inklusionsprojekt beteiligten Einrichtungen und Institutionen. Die kleinen Besucher feiern das Fährmanns-Kinderfest.

Vorschau Bild 1Vorschau Bild 2Vorschau Bild 3Fotostrecke (5 Bilder) -Foto(s): Jeff Kahra

Premiere hat am Nachmittag auf der prächtig gefüllten Faustwiese eine inklusive Modenschau. Menschen mit Behinderung führen Mode vor, teils auch im Rollstuhl. Das sorgt für großes Besucherinteresse. Inklusion, die Integration von Menschen mit körperlicher oder geistiger Beeinträchtigung in der Durchführung der dreitägigen Veranstaltung, wie etwa im Catering-Bereich, ist ein ähnlich wesentlicher Bestandteil des Fährmannsfestes wie das Kinderfest und das Musikprogramm mit all den vielen Bands.

Seit zehn Jahren lebt das Fährmannsfest Inklusion und wurde für das Engagement vor einiger Zeit auch offiziell ausgezeichnet. Alljährlich spielt mit der Band Die Eisbrecher auch eine inklusive Band und ist fester Bestandteil des Programms am Samstagnachmittag auf der Kulturbühne. „Vor vielen Jahren hatte mich Christof Stein-Schneider, bekannter Musiker von der Band Fury in the Slaughterhouse auf Die Eisbrecher aufmerksam gemacht und angeregt, die Band beim Fährmannsfest auftreten zu lassen. Damit kam alles in Gang“, erinnert sich Fährmannsfest-Geschäftsführer Peter Holik an die Anfänge des Projekts. Einen wichtigen Beitrag, dass auch Besucher mit Handicap das Fest erleben können, leistet der Lotsendienst mit Pflegeschülern der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH).

Den Applaus der Besucher hier an der Kulturbühne haben sich alle am Inklusions-Projekt Beteiligten sicher mehr als verdient.

Bands aus Hannover legen ohne Warmlaufphase vor

Auf und vor der großen Musikbühne geht es schon früh in puncto Stimmung, Spaß und Unterhaltung ziemlich hoch her. Damit das ohne große Warmlaufphase gut gelingt, dafür sorgen die hannoverschen Bands Die Postpunk, Rotz auf der Wiese und Volter. An dieser Stelle sei auf ein separates Feature über die lokalen Bands verwiesen, dessen Veröffentlichung wir für unsere Ausgabe am kommenden Dienstag planen. Aus Offenbach sind V8 Wankers angereist und ähnlich wie kürzlich beim Nitrofest im MusikZentrum, tritt die Band um den spektakulär tätowierten Shouter Lutz Vegas eine harte, fröhliche und temporeiche Rock´n´Roll Show los.

ZSK und Dritte Wahl als Doppelheadliner

Absoluter Höhepunkt des frühen und späteren Abends sind die Shows der Skate-Punk-Band ZSK und den Punk-Rockern von Dritte Wahl. Beide Bands darf man –wenn man auf Rankings steht – als Headliner bezeichnen. Ein Doppel-Headliner-Konzert also gen Ende des Samstagabends.

Bands und Besucher gehen ab, einige gehen steil. Themen sind Spaß, Gemeinschaftsgefühl, die große Party. Ob im oder am Rande der Mosh-und Circle-Pits die vor der Bühne mit Vehemenz befeuert werden. Allen voran von ZSK-Sänger und –Gitarrist Joshi, der nicht nur auf der Bühne hohe Sprünge wagt, sondern sich gern mit kräftigem Schwung in den Graben davor springt und mit den vor den Absperrungen tobenden Fans feiert oder sich gleich crowdsurfend in die Menge stürzt. Der eine oder andere liefert zusätzlich Shouts ins vorgestreckte Mikrofon. Die „wilde Hose Fährmannsfest“ fliegt.

„Make Racists Afraid Again“

Es gibt Punkrock-Hymnen für das große Gemeinschaftsgefühl, Achtsamkeit und Solidarität vor allem vor und gegen Rassisten und Nazis. ZSK sind sozial und linkspolitisch engagiert und in der zweiten Hälfte der Show gibt es in den Songs und Ansagen entsprechende Botschaften. Ein riesiges Banner wird auf die Bühne getragen: „Make Racists Afraid Again“ steht dort in großen Lettern. Den gleichnamigen Song pfeffern ZSK den Hannoveranern mit voller Wucht um die Ohren, in die Köpfe und in die Herzen. Riesengroßer Jubel auf dem Fährmannsfest.

Joshi macht ein kleines Mädchen im Publikum aus, das angibt, 10 Jahre jung zu sein. „Wie geil ist das denn, ein Punkrock Konzert mit zehn!“ stellt Joshi fest und verspricht dem jungen Fan und den Eltern Geschenke wie T-Shirts und Caps vom Bandmerchandise. Auch sonst zeigt sich die Band spendabel und sehr gastfreundlich. Zahlreiche Freibiere werden ebenfalls ins Publikum gereicht. Dazu gibt’s Ballons und Konfetti.

Dritte Wahl aus Rostock nehmen den Steilpass von ZSK hochmotiviert auf und halten die Stimmung bei den gut 4000 vor der Musikbühne am Kochen, unterstreichen politische Botschaften der musikalischen Vorgänger. Die Sonne ist untergegangen, der am Nachmittag teils kräftige Wind hat sich gelegt. Für den sorgen nun Dritte Wahl, sonst regelmäßig auf Tour im MusikZentrum zu Gast, auf musikalische Weise. Heute ist die Band nach einigen Jahren zum zweiten Mal auf dem Fährmannsfest dabei.

Eine Spur mehr Rock´n´Roll im Punk

Hunderte Hände schnellen gen Abendhimmel an dem es sich auch der Mond hell scheinend bequem gemacht hat und schmunzelnd auf die feiernde Meute unten auf der Erde neben dem Fluss zu schauen scheint. Hymnen zum Pogen und Mitsingen mit einer Spur mehr Rock´n´Roll im Punk. Heute stimmen auch Druck und Lautstärke aus der PA. Wer es mit Rock und Punk im weitesten Sinn hält, ist hier am zweiten Tag des Fährmannsfestes wohl konsequent auf seine Kosten gekommen.

Weiter geht’s am heutigen Sonntag, dann bei kostenlosem Eintritt. Ab dem Nachmittag hält auch die Kulturbühne ein vielversprechendes Band-Line-Up bereit, ebenfalls mit zahlreichen Bands aus der Hannover-Szene. Wer wann für welche Bühne für seinen Auftritt geplant ist, erfährt man hier.


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