Anzeige:
Anzeige 768
Bildrechte: Daniel Junker

Zweieinhalb Stunden "Motorpsycholia": Die norwegische Band Motorpsycho spielte in einer sehr gut gefüllten Faust in Hannover.

Eine wilde Fahrt

Motorpsycho spielten in der Faust in Hannover

24. Mai 2019, Von: Andreas Haug, Foto(s): Daniel Junker

Wenn Motorpsycho zu Konzerten laden, weiß man vorher nie so ganz genau, was einen erwarten kann, was sich die norwegische Psychedelic-Rock-Band für den jeweiligen Abend ausgedacht hat. Am gestrigen Donnerstag spielte das Trio vor mehreren Hundert begeisterten Zuhörern in einer sehr ansehnlich gefüllten 60er-Jahre-Halle des Kulturzentrums Faust in Hannover. Das Konzert geriet über weite Strecken zu einer wilden Fahrt durch 30 Jahre Motorpsycho. Das Trio hatte sich für die Live-Show mit einem Gitarristen verstärkt, der zeitweise auch Keyboards, darunter sogar ein Mellotron bediente. Man bewegte sich in der rockig-rauen Klangwelt der späten Sechziger und frühen Siebziger.

Ihr 30-jähriges Jubiläum feiern Motorpsycho mit dem hannoverschen Publikum über fast zweieinhalb Stunden und das mit großer Leidenschaft und Spielfreude. Bereits für 19.30 Uhr ist der Beginn des heutigen Konzerts in der Faust angesetzt. Aus Gründen der Lautstärke, die eine Rockband vom Schlage Motorpsycho so fährt und auch fahren muss und der damit verbundenen  Rücksicht auf die an das Faustgelände angrenzenden Anwohner soll um 22.00 Uhr Feierabend sein. Als die letzten Töne des vor 45 Jahren aufgenommenen Status-Quo-Songs „I Saw The Light“ gegen kurz nach halb acht aus der Konserve verklungen sind, entern Motorpsycho die Bühne und werfen sich sogleich voller Inbrunst in ein gut 15-minütiges, dynamisch abwechslungsreiches und in den Spitzen sehr kraftvolles Psychedelic-Rock-Stück mit leicht bluesigem Unterton.

Vorschau Bild 1Vorschau Bild 2Vorschau Bild 3Fotostrecke (3 Bilder) -Foto(s): Daniel Junker

Viele Besucher müssen erst reinkommen in den Abend und das im doppelten Sinn. Einige strömen erst später vom sonnigen Biergarten des Geländes in die Halle, andere pflegen zu ihren Getränken erstmal einen regen verbalen Austausch der im mittleren und hinteren Teil der Halle gerade dann besonders engagiert ist, wenn die Band leise Parts spielt, in denen die Soli der Gitarre und die Stimme auf träumerischen Pfaden wandeln. Das anfangs teils störende Kneipen-Ambiente legt sich aber verhältnismäßig rasch. Gleich im zweiten Song geben Motorpsycho temporeich Gas, demonstrieren eindrucksvoll, was in der Rockmusik emotionale Härte und ausgelassene Spielfreude an den Instrumenten bedeuten und wie das aussehen kann. Im Publikum brandet in den wenigen Spielpausen ein mit Jubel vermischter Applaus los, wie man ihn in dieser Lautstärke und Vehemenz sonst in Clubs eher selten erlebt. Bei diesem Konzert herrscht nahezu ungebrochene Begeisterung und das von Beginn an.

Das im Februar erschienene „The Crucible“ ist das 22. Motorpsycho-Album seit dem Debüt „Lobotomizer“ aus dem Jahr 1991. Die Band hat somit die Möglichkeit, ihre wilde Fahrt mit den Fans um viele Ecken herum und über weite Wege zu bestreiten. Die Band ergreift die Gelegenheit beim Schopf. Es gibt viele Songs vom neuen Album, die Motorpsycho in ihren ausführlichen, mitunter völlig losgelöst und auch improvisiert wirkenden Darbietungen geschickt mit zahlreichen Klassikern aus den Neunzigern vermischen. „Manchmal weiß man gar nicht, wo sich die Band gerade befindet,  dann fängt sie einen aber irgendwann wieder ein“, kommentiert ein Fan, der die 1989 im norwegischen Trondheim gegründete Band schon einige Male zuvor gesehen und gehört hatte, und betont, dass er immer wieder Überraschungen erlebt habe.

Musikalische Gefühlsausbrüche ohne spürbare Grenzen

Die Stilrichtung Psychedelic-Rock ist sicherlich die Basis von Motorpsycho, darüber hinaus bewegt sich die Band grundsätzlich auch mal in Gefilden wie Progressive-Rock, Alternative, Post-Rock, Jazz oder auch Country. „Nenn es Motorpsychodelia“, empfiehlt eine offizielle Medieninformation. Heute in der Faust wird trotz einiger Nuancen in erster Linie ein hartes Rock-Brett gebohrt, fantasievoll bemalt, wild durch die Gegend geschleudert und schließlich akkurat und mit Liebe zersägt. Musikalische Gefühlsausbrüche ohne spürbare Grenzen.

Rausch und „Motorpsychodelia“

Wie in einem nicht enden wollendem Rausch bearbeiten die Norweger ihre Instrumente, unterstützt von Stroboskop-und Blinder-Licht-Effekten. Auf einer Leinwand im Hintergrund jagen visuelle Effekte durch die Gegend. Es scheint oft, als spielten sich Motorpsycho in Ekstase und zögen die Fans vor der Bühne in einen Sog unendlicher Hingabe und Freiheit.

Motorpsycho leben ihre Musik und das Publikum verfolgt das Ganze in einer Stimmung zwischen gebannter Aufmerksamkeit und entfesselter Begeisterung, so, als habe man hier eine physisch-psychisch ganz besondere Erfahrung zu machen, was man gern zulässt. In einigen Momenten rumpelt und poltert der schön-schmutzige Hardrock-bluesige Sound so unbarmherzig durch die Faust, als würde eine tonnenschwere Rakete nur mühsam vom Start wegkommen, um sich dann in letzter Konsequenz auf brutale Weise in Slow-Motion durch die Hallendecke zu bohren.

 Auf und davon in die Ferne, in noch unentdeckte Galaxien, in eine vielleicht grenzenlos freie Welt. Dorthin, wo der Rausch und die „Motorpsychodelia“  auch noch lange nach 22 Uhr anhalten.


INFO-BOX

Links
externer Link www.motorpsycho.no
externer Link www.kulturzentrum-faust.de
externer Link www.livingconcerts.de

Tools
Drucken Artikel drucken (PDF) An Redaktion E-Mail an Redaktion


Ähnliche Artikel

, Foto(s): Geir MogenDonnerstag ohne Eintritt zu Motorpsycho?
Wir verlosen Freikarten für die Show in der Faust

20.05.2019, Von: Redaktion, Foto(s): Geir Mogen

 


, Foto(s): Daniel JunkerEin Gefühl grenzenloser Freiheit
Colour Haze und Monkey3 spielten in Hannover

09.05.2019, Von: Andreas Haug, Foto(s): Daniel Junker

 


, Foto(s): Geir MorganRücksicht auf die Anwohner
Motorpsycho-Konzert in Hannover startet früher

12.03.2019, Von: Redaktion, Foto(s): Geir Morgan

 


, Foto(s): Geir MogenStatt Fortsetzung einen Schritt weiter
Motorpsycho mit neuer, sehr individueller Musik

24.12.2018, Von: Redaktion, Foto(s): Geir Mogen

 


, Foto(s): Rachael WrightFestival im Europa-Park Rust vor Premiere
Rolling Stone Park Mitte November

15.05.2018, Von: Redaktion, Foto(s): Rachael Wright

 




Zur Startseite