Anzeige:
Anzeige 768
Bildrechte: Torsten Gadegast Photography

Wie schon bei dieser Show im September letzten Jahres in Hannover, überzeugten The Pineapple Thief um Sänger und Gitarrist Bruce Soord auch am vergangenen Samstag in Hamburg mit großer Musikalität, brillantem Spiel und Sound.

Brillantes Upgrade

The Pineapple Thief mit O.R.k. in Hamburg

04. März 2019, Von: Andreas Haug, Foto(s): Torsten Gadegast Photography

Nach einem über weite Strecken beeindruckenden Konzert im September letzten Jahres im MusikZentrum Hannover, machte die britische Alternative/Progressive-Rockband The Pineapple Thief am Samstag nochmal einen kurzen Abstecher nach Norddeutschland und gönnte sich dabei in puncto Clubgröße verbunden mit der dortigen Ausstattung ein Upgrade in einer ansprechend besuchten Grossen Freiheit in Hamburg. Als support war dieses Mal die Progressive-Rockband O.R.k. mit dabei.

Es ist schon interessant, zwei Konzerte einer Band in einem Abstand von knapp einem halben Jahr zu sehen und zu hören. Dabei wirkte die Show von The Pineapple Thief am Samstag in der Grossen Freiheit in Hamburg sogar noch eine Spur runder und kraftvoller als im September 2018 im MusikZentrum in Hannover. Offensichtlich sind die Musiker inzwischen noch besser aufeinander eingespielt und hatten dieses Mal ein besonders glückliches Händchen für die Setlist. Der dramaturgische Ablauf war ebenso perfekt wie der glasklare, immer brillante wie druckvolle Sound in Verbindung mit dem geschmackvoll abgestimmten Licht.

Nun bietet der Traditionsclub an der Grossen Freiheit 36 in Hamburg für Konzerte wie diese optimale Rahmenbedingungen. Der Zuschnitt und die Aufteilung des Raumes, Bühnenhöhe, Ausstattung, Hör-und Sichtverhältnisse bieten eine sehr ansprechende Aufenthaltsqualität für bodenständige wie auch anspruchsvollere Konzertbesucher. Einige Hundert sind heute gekommen. Es zeigt sich ein Bild eines im unteren Innenraum gut gefüllten Clubs (die Empore blieb geschlossen – d.Verf.), der aber noch genug Platz bietet, zu den Bars und anderen Örtlichkeiten zu gelangen, ohne, dass man sich durch Massen von Fans drängen muss. Darüber hinaus wirkt das Publikum am heutigen Abend sehr entspannt.

Früher Beginn mit O.R.k.

Verhältnismäßig zeitig geht es los am heutigen Samstagabend. Bereits um 19.25 Uhr stehen O.R.k. auf der Bühne, eine Progressive-Rockband mit durchaus prominenter Rhythmusgruppe. Pat Mastelotto von King Crimson wirbelt am Schlagzeug, den Bass spielt Colin Edwin, Genre-Spezialisten sicher auch von Porcupine Tree noch in Erinnerung. O.R.k. hatten jüngst ihr neues Album „Ramagehead“ veröffentlicht und freuen sich nach eigener Aussage sehr, hier in diesem Rahmen einige Songs daraus live vorzustellen.

Es ist keine leichte, respektive leicht zugängliche Kost, die die Band hier auftischt. Ihr Progressive-Rock ist hart, zeitweise leicht hippiesk, theatralisch bis ausschweifend, wie man es von Genre-Vertretern kennt, deren musikalische Basis in den frühen Siebzigern des vorherigen Jahrhunderts gelegt wurde. Sound und Kompositionen sind eher traditionell als modern. Darauf muss man heute bei O.R.k. eingestellt sein. Für einige sind es lange 40 Minuten mit dieser Band, viele im Saal applaudieren aber lautstark und voller Begeisterung. Geschmackssache.

Moderne Arrangements und Klangbilder

The Pineapple Thief demonstrieren im Anschluss, wie man eine Mixtur aus Alternative-und Progressive-Rock mit zeitweiligen Brit-Pop-Rock-Einflüssen zu einem schlüssigen Gesamtkonzept mit hohem Wiedererkennungswert zusammenfügt. Auch die Songs von The Pineapple Thief haben einige langjährig vertraute Alternative-und vor allem Progressive-Rock-Strukturen, sind aber in ihrer Gesamtheit in sehr moderne Arrangements und Klangbilder gehüllt.

Im Mittelpunkt steht Sänger und Gitarrist Bruce Soord mit seiner klaren Stimme, die über einen großen Tonumfang verfügt. Verfeinert ist der Gesang mit einigen Hall- und Delay-Effekten. Das trägt zur Größe und Weite des Band-Sounds genauso bei wie die Keyboards, einer soundtechnisch ebenfalls mit viel Effekt angereicherten Akustikgitarre und dem extrem musikalischen, wie rhythmisch ausgefeilten Spiel von Schlagzeuger Gavin Harrison. Dieser zählt im Progressive-Rock ohnehin zur absoluten Weltspitze, führte gerade wieder diverse Drummer-Rankings von Fachmagazinen an.

Leichte Melancholie entfernt von Dunkelheit

Im Vergleich zur Hannover-Show im September 2018 (wir berichteten), haben The Pineapple Thief ihre Setlist umgestellt. Den Anfang macht heute in Hamburg „Far Below“ vom aktuellen Album „Dissolution“, von dem es hier so gut wie alle Songs gibt. Die direkt folgenden Titel „In Exile“ und „Alone At Sea“ stammen dann aber von Vorgänger-Alben. Versprühen die Songs der Band bei dieser Live-Darbietung leicht spätsommerliche bis herbstliche Melancholie, sind sie dennoch entfernt von Dunkelheit oder Traurigkeit.

Gerade noch ist man seinen Träumen nachgehangen, geht es mit kraftvoll rockenden, melodiösen Mid-Tempo-Song-Parts weiter. Da nicken einige im Publikum rhythmisch mit den Köpfen, andere tanzen behutsam, in weiteren, wenn auch eher wenigen Situationen klatscht die Menge vor der Bühne mit. Das Programm ist erneut ein gut abgestimmtes Wechselspiel aus Spannung und Entspannung. Das über achtminütige „White Mist“ gehört zu den Höhepunkten des Konzerts, unter anderem auch durch das sehr facettenreiche Schlagzeugspiel von Gavin Harrison. Zu diesem Stück hatte ein Drum-Stick-Hersteller eine Studie von Harrison und dessen Drumming auf YouTube veröffentlicht.

An Live-Arrangements und Programmdramaturgie gefeilt

Zu den hochbrillanten Sounds im glasklaren Höhenbereich bilden die Soli von Tour-Gitarrist George einen klanglich geschickten Kontrapunkt. Die im Vergleich zu den Studioaufnahmen etwas melodischeren, weniger bissigen Licks erklingen warm und fast schon bluesig. Überhaupt hat die Band bei einigen Songs im Vergleich zu den Studioarrangements an ganz kleinen Stellschrauben für diese Live-Performance gedreht.

Einige Songs wie „Try As I Might“, mit dem The Pineapple Thief in kompletter Besetzung auf dem Album „Dissolution“ beginnen und auch in Hannover starteten, wirken heute in Hamburg an späterer Position im Set geschickter und effektvoller platziert.

Nach rund 100 Minuten verabschieden sich The Pineapple Thief begleitet von langem und lautem Jubel von ihrem Publikum. Zu diesem Zeitpunkt ist es erst kurz nach 22 Uhr. Eine „Early Show“ hatte die Band zuvor noch über ihre Social-Media-Kanäle angekündigt und so bleibt jetzt noch genügend Zeit, über die Reeperbahn zu ziehen oder einfach zeitig schlafen zu gehen, dieses -unter dem Strich- Spitzenkonzert nochmal länger auf sich wirken zu lassen und in den Sonntag hinein zu träumen.


INFO-BOX

Links
externer Link www.thepineapplethief.com
externer Link www.orkband.com
externer Link www.grossefreiheit36.de
externer Link www.mfpconcerts.com

Tools
Drucken Artikel drucken (PDF) An Redaktion E-Mail an Redaktion


Ähnliche Artikel

Eine legendäre Straße in London
„Abbey Road“ von The Beatles wird neu aufgelegt

09.08.2019, Von: Redaktion

 


, Foto(s): Rod MauriceOhne Eintritt zu Lysistrata-Gig in Hannover?
Wir verlosen Freikarten für die Show am Freitag im LUX

03.06.2019, Von: Redaktion, Foto(s): Rod Maurice

 


, Foto(s): Max ChillÜberraschungen inbegriffen
Lysistrata auf aktueller Europareise bald im LUX

16.05.2019, Von: Redaktion, Foto(s): Max Chill

 


, Foto(s): Pressefreigabe/LTFVon Künstlern, Songs und deren Geschichten
Das Duo Learning To Fly mit „Storytellers“-Programm

02.05.2019, Von: Redaktion, Foto(s): Pressefreigabe/LTF

 


„Schatzkiste von einem Album“
Bruce Springsteen kündigt „Western Stars“ an

26.04.2019, Von: Redaktion

 




Zur Startseite