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Bildrechte: Daniel Junker

Kreative, virtuose Härte: Mastodon um Bassist und Sänger Troy Sanders begeisterten in Hannover im Capitol.

Kopfkino und andere harte Reize

Mastodon und Gäste spielten im Capitol

07. Februar 2019, Von: Andreas Haug, Foto(s): Daniel Junker

Für eingeschworene Fans und Kenner dürfte der gestrige Konzertabend im Capitol mindestens den Erwartungen entsprochen haben, wenn nicht sogar mehr. Für neugierige interessierte Rock– und Metal-Anhänger war die Show mit Mastodon, Kvelertak und Mutoid Man sicher eher eine positive und höchst erfrischende Überraschung. Energie, Schweiß, Härte, teils grandiose Spieltechnik, Inspiration, Originalität und Vielfalt waren die Trumpfkarten, die die drei Bands und der als „featuring artist“ im Mastodon-Set auftretende Neurosis-Sänger Scott Kelly mit Wucht und Nachdruck an diesem Mittwochabend in Hannover auf den Tisch legten.

Das Capitol ist locker, aber ansehnlich gefüllt. Für Besucher nahezu entspannend: Kein Gedränge, kein Geschiebe. Man kann sich im Verlauf des Abends mehrere Plätze im Club aussuchen und hat das Gefühl, dass dennoch ordentlich was los ist. Die erste halbe Stunde gehört Mutoid Man. Das Alternative-/ Metal- und Punk-Rock-Trio aus New York gibt dem Publikum in Hannover einen lauten und druckvollen Empfang und das bereits um 19.30 Uhr.

Bereits im Vorfeld mit positivem Erstaunen wahrgenommen wurde von nicht wenigen Rockfans, dass die seit einiger Zeit sehr angesagte Band Kvelertak ebenfalls zu den supports der Mastodon-Show gehört. In sozialen Netzwerken war von einem bärenstarken Paket die Rede, vor allem, weil Kvelertak schon als Edel-support in diesem Kontext zu sehen sind. Qualitativ und von der Fan-Base könnte man die Norweger hier im Capitol besser als Co-Headliner zu Mastodon einordnen, der schon allein mittelgroße Clubs in Deutschland füllen und zum Kochen bringen kann.

Eine brachial-runde Hardrock-und Rock´n´Roll-Show

Neu in der Band ist Ivar Nikolaisen, der als Sänger und Frontmann im letzten Jahr Erlend Hjelvik ablöste. Nikolaisen gibt sofort Vollgas. In bester 70er-Jahre-Hardrock-Manier wirbelt der Schlacks mit Lederjacke und langer Haarpracht über die Bühne, schleudert den Mikrofonständer durch die Gegend, reckt Arme und Fäuste in die Höhe und wartet nicht lange damit, sich ins Publikum zu werfen und auf Händen tragen zu lassen. Aber das ist nicht alles, was Kvellertak hier an Energie und Performance-Freude zu bieten haben. Die Norweger sind mit drei Gitarristen angetreten, lassen ihren von Punk-und Hardcore infiltrierten Hardrock-und Rock´n´Roll von der Leine und reißen ihre Fans mit. Da gibt es nicht nur eine mächtige Gitarrenwand, sondern auch mehrstimmige Soli.

Es ist eine angenehme, brachial-runde Hardrock-und Rock´n´Roll-Show, die musikalisch tief im traditionellen Rock verwurzelt ist, diesen aber ins Hier und Jetzt trägt. Ivar Nikolaisen presst seine Texte krächzig-schreiend aus der Kehle, peitscht das Publikum mehr und mehr an. Die Texte und auch der Gesang sind oft schwer bis kaum verständlich und auch insgesamt ist der Sound bei Kvelertak indifferent.

Vorschau Bild 1Vorschau Bild 2Vorschau Bild 3Fotostrecke (5 Bilder) -Foto(s): Daniel Junker
Eine seit vielen Jahren für viele support-Bands typische, klanglich stark reduzierte Vorprogramm-Situation, die sich hier leider wieder offenbart, die aber für viele Anwesende bei diesem Konzert kaum einen gravierenden Mangel zu bedeuten scheint. Im Saal wird gefeiert, Kvelertak legen sich voll ins Zeug. Den Fans in den vorderen Reihen ist nach Party zumute, Frontman Nikolaisen sowieso. „Lasst uns so tun, als wenn das hier heute ein Samstagabend wäre“, ruft er seinen Fans zu. Zustimmender Jubel.

Nach 40 Minuten ist eine sehr schweißtreibende Kvelertak-Show beendet. Ivar Nikolaisen wringt sein pitschnasses T-Shirt effektvoll über seinem Kopf aus. Ein starker Auftritt.

Komplex und abwechslungsreich

Zum leicht beschwingten Intro von „Singing In The Rain“ entern Mastodon schließlich um 21.20 Uhr die Bühne. Das Quartett aus Atlanta/Georgia lässt sich und die mitunter staunenden und schwelgenden Konzertbesucher durch verschiedene Spielarten des Rock und Metal treiben. Geboten wird bei jetzt glasklarem, brillantem Sound eine beeindruckende Lichtshow mit fesselnden, beinahe hypnotisch wirkenden Visual-Effects im Bühnenhintergrund.

Mit Mastodon ist man jetzt vollends in progressiven Rock-und Metalgefilden angekommen. Die Band um Sänger und Bassist Troy Sanders liefert in Sachen Rhythmik und Melodik immer wieder positiv überraschende Wendungen in teils von der Spielzeit langen Songs. Vor allem Schlagzeuger Brann Dailor leistet mit seinen vielen Fills, Breaks und ausgefeilten Drum-Arrangements virtuose Schwerstarbeit, die gar nicht als solche herüberkommt. Die Musik von Mastodon ist komplex und abwechslungsreich zugleich. Ob Metal, Progressive-Metal und Rock und auch -auf den ersten Eindruck- melodischer, geradeaus gehender Alternative-Rock – die Band glänzt immer wieder mit effektvollen Überraschungen. Was hier geboten wird, ist im Metal-Genre im weitesten Sinne an Kreativität, instrumenteller Spielqualität und Originalität kaum zu toppen.

Neurosis-Sänger Scott Kelly als spezieller Gast

Als Besucher der sich besonders intensiv auf die Show einlassen mag, kann man streckenweise sein eigenes Kopfkino laufen lassen. Dazu nehmen Mastodon das Hannoveraner Publikum auf eine musikalisch erlebnisreiche Reise durch ihre 19-jährige Bandgeschichte.

Im Capitol haben sich Musikfans verschiedener Altersstufen eingefunden. Das Programm heute Abend ist genauso was für Punk-und Hardcore-Fans, wie für Anhänger von Metal, Hardrock, Prog-Rock und Rock´n´Roll. Vieles was Spaß macht und stark berühren kann. Ob man nun die Show in verhältnismäßiger Ruhe genießt oder vorne in den ersten Reihen feiert, abgeht und sich dem einen oder anderen Moshpit anschließt.

Mastodon sind rund eine Stunde in Fahrt, da betritt der zuvor angekündigte Neurosis-Sänger Scott Kelly als spezieller Gast die Bühne und fügt sich nahtlos in die Show ein. Sein Auftritt ist noch ein bisschen so wie ein weiteres i-Tüpfelchen auf einem ohnehin schon sehr starken und beeindruckenden Rock-und Metalabend, an dem man auch viele aktive Musiker und andere Akteure aus der hannoverschen Musikszene trifft.    


INFO-BOX

Links
externer Link www.mutoidman.com
externer Link www.kvelertak.com
externer Link www.mastodonrocks.com
externer Link www.hannover-concerts.de
externer Link www.capitol-hannover.de

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