Bildrechte: Torsten Gadegast

Dany Lademacher und David Hollestelle setzen viele feurige Akzente auf die Show von Herman Brood´s Wild Romance im Béi Chéz Heinz.

Nostalgie und Neues

Herman Brood´s Wild Romance im Béi Chéz Heinz

24. Dezember 2018, Von: Andreas Haug, Foto(s): Torsten Gadegast

Direkt vor dem diesjährigen Weihnachtsfest zauberten die Programmmacher des Béi Chéz Heinz aus Hannover noch eine Überraschung auf ihre Bühne. Eine schöne Überraschung für Rock´n´Roll Fans der alten Schule im Allgemeinen und für Anhänger der Musik von Herman Brood und seiner Band The Wild Romance im Speziellen. Die Band, die in unterschiedlichen Besetzungen die niederländische Rock-Ikone seit den Siebzigern bis zu deren Tod im Jahr 2001 begleitete, spielte am gestrigen Abend das Abschlusskonzert ihrer diesjährigen Tour im Kult-Keller in der Liepmannstraße. Dabei gab es nicht nur Klassiker aus der Ära Hermann Brood, sondern auch neue Songs aus dem Album „No Time“.

Es ist eine Art nostalgischer Festtag für Teile der reiferen Rock´n´Roll Anhängerschaft in Hannover. Im gemütlich wie ansprechend besuchten Béi Chéz Heinz spielen heute Herman Brood´s Wild Romance. Mit den langjährigen und maßbeglich einflussreichen Gitarristen Dany Lademacher und David Hollestelle ist das aktuelle Line-Up von The Wild Romance sehr namhaft und attraktiv besetzt. Langjährige Fans und Kenner der Band wissen das und allein das Mitwirken beider Gitarristen schien schon für einige ein schlagkräftiges Argument für einen Besuch dieser Show zu sein.

Auch Edgar Koelemeijer macht als Sänger und Performer eine starke Figur. Bei einigen Songs ähnelt das Timbre seiner Stimme durchaus dem von Herman Brood. Den Versuch, den berühmten Rock´n´Roll Entertainer zu kopieren, unternimmt er indes nicht.
Vorschau Bild 1Vorschau Bild 2Vorschau Bild 3Fotostrecke (3 Bilder) -Foto(s): Torsten Gadegast
Koelemeijer hat ein eigenes Format. Sorgen machen sich einige im Publikum nur, dass der hochgewachsene Sänger im vorderen Bereich der Bühne seinen Kopf an der Decke des Clubs empfindlich stoßen könnte. Der Abstand zwischen Haar und Betonträger ist beängstigend gering. Weniger als 10 Zentimeter mögen es sein. Bei der Show zu springen oder den Körper steil aufzurichten, verbietet sich daher.

Die Rhythmusgruppe um Bassist Gee Garlsberg und Jan´t Hoen begleitet eher zurückhaltend routiniert. Dort wo man sich etwas mehr Antrieb, Schlagkraft, Groove und Würze hätte vorstellen können, lassen beide viel Raum für die Show und die teils kontrolliert feurigen Riffs und Soli der Gitarristen und für die Melodien des Sängers.

Klassiker zünden

Im Mittelpunkt stehen heute Songklassiker aus der Ära Herman Brood, dazu gibt es neues Material aus dem im November erschienenen Album „No Time“. „Angels Falling“ ist einer der neuen Songs, zu dem Sänger Edgar Koelemeijer dann auch mal zur Akustikgitarre greift. Die neuen Songs fügen sich ansprechend ins Programm ein, es zünden jedoch eindeutig Klassiker wie „Home Boy“, „Skid Row“, „Rock´n´Roll Junkie“, oder „Still Be Clever“ mit dem The Wild Romance nach gut 35 Minuten das erste Set des Abends überraschend beenden.

Zu diesem Zeitpunkt sind viele im Publikum erst warm geworden. Aber auch dieser Umstand hat etwas Nostalgisches: Ein Rockkonzert in zwei Sets zu spielen, unterbrochen von einer Pause. So, wie man das früher aus Kneipen kannte.

Der Applaus, vermischt mit Jubel, ist heute im Béi Chéz Heinz so laut, als würden mindestens doppelt so viele Fans vor der Bühne stehen. Man freut sich offensichtlich über schöne Erinnerungen, über die Art einer Live-Rock´n´Roll-Show, wie man sie in der heutigen Zeit in Hannovers Clubs nur noch selten bis gar nicht mehr erleben kann und das mit gestandenen, gut aufgelegten Musikern.

Richtungsweisend für Dezember 2019?

Im zweiten Teil des Konzerts drehen The Wild Romance kräftig auf. Das deutet schon der erste Song nach der Pause an, eine gekonnte Interpretation von Lou Reeds „I´m Waiting For My Man“.„Doin´It“ ist genauso ein Highlight des zweiten Sets wie der Alltime-Klassiker „Saturday Night“ mit dem die Band gegen kurz nach 22 Uhr den offiziellen Teil ihrer Show schließt. Ohne Zugaben werden The Wild Romance jedoch nicht in die Weihnachtsfeiertage entlassen. Obendrauf gibt es unter anderem noch eine Version von Tom Pettys „Refugee“ und ein stürmisches „Checkin´Out“.

Es wird noch lange nach weiteren Zugaben gerufen, aber für heute ist die kleine, feine Party vorüber. Herman Brood & His Wild Romance waren noch in den 1980er Jahren regelmäßig rund um die Weihnachtszeit in Hannover zu Gast, spielten zu Spitzenzeiten zwei, drei ausverkaufte Konzerte im früheren Leine Domizil.

Ob das heutige Konzert am Vortag vor Heiligabend im Béi Chéz Heinz richtungsweisend für einen möglichen nächsten Besuch von Dany Lademacher, David Hollestelle & Co hier rund um Weihnachten 2019 war, kann derzeit nur spekuliert werden.

Die Fans, die heute hier waren, würden sich über eine Wiederholung und Fortsetzung wohl kaum beschweren. Eher im Gegenteil.

INFO-BOX

Links
externer Link www.wildromance.eu
externer Link www.facebook.com/WildRomanceNetherlands
externer Link www.beichezheinz.de

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