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Pure Euphorie: Leoniden-Sänger Jakob Amr bei der Show im MusikZentrum.

Euphorie und Gänsehaut

Leoniden feiern im ausverkauften MusikZentrum

08. Dezember 2018, Von: Lisa Eimermacher, Foto(s): Lisa Eimermacher

Wenn Leoniden eine Party schmeißen, bebt der Dancefloor und alle springen mit. Das führte die junge, fünf-köpfige Indie-Rock-Band aus Kiel am gestrigen Freitag im MusikZentrum in Hannover vor. Die Show war bereits im Vorfeld ausverkauft. Aktuell befinden sie sich auf "Kids Will Unite"-Tour zu ihrem neuen Album "Again".

Mit welcher Wucht sie das Publikum mitreißen können, demonstrierten Leoniden am gestrigen Freitag und läuteten mit links und dennoch kraftvoll das Wochenende ein. Ab der ersten Minute ist das junge Publikum dabei: feiert, singt, springt. Ebenso ausdauernd sind auch Leoniden.

Die Band aus Kiel, die nach einem Meteorstrom benannt ist, spielt in der aktuellen Konstellation seit 2014. Zusammen vereinen sie in ihrer Musik verschiedene musikalische Stilrichtungen und verbinden zum Beispiel Indie-Rock mit Funk, HipHop und einer gehörigen Portion 80s-Pop-Einflüssen. Ihre Ohren hält die Band offenbar in die verschiedensten Richtungen offen. Als musikalische Inspirationen geben Leoniden neben Michael Jackson unter anderem die US-amerikanische Post-Hardcore-Band At The Drive In und die englische Math-Rock-Band Foals an.
Vorschau Bild 1Vorschau Bild 2Vorschau Bild 3Fotostrecke (5 Bilder) -Foto(s): Lisa Eimermacher
Nicht nur, was die extravaganten Dance-Moves angeht, haben sich die Jungs etwas von Michael Jackson abgeguckt, sondern würdigen ihn mit einem kurzen Anstimmen von „Billie Jean“, dicht gefolgt vom Intro von The Offsprings „Pretty Fly For A White Guy“ als Überleitung in ihre eigene Nummer „Sisters“. Außerdem covern sie „Hotline Bling“ des erfolgreichen kanadischen Rappers und R&B-Sängers Drake.

Live wird der glitzernd-brodelnde Sound-Cocktail von einem farbenfrohen Lichterfeuerwerk begleitet. Das bunte Treiben des Kieler Quintetts gleicht einem intensiven Workout. Ausgelassen toben sich die Brüder Lennart (Gitarre) und Felix Eicke (Schlagzeug), sowie Bassist JP Neumann an ihren Instrumenten aus, während Djamin Izadi und Sänger Jakob Amr an ihren Synthesizern in die Tasten hauen oder ganz nebenbei mit Rasseln, Tambourines und Cowbells am Start sind.

"Als die Tour angekündigt wurde – das muss so im März oder April gewesen sein – hätten wir nie gedacht, dass es so viele von euch nicen crazy Peeps gibt, die denken: `Oh, die schau` ich mir doch mal an` und BOOM, ausverkauft!", staunt Frontmann Jakob. „Ihr seid daran schuld, dass es ausverkauft ist“, freut er sich. „Voll sympathisch, ne!?“, hört man eine Konzertbesucherin zu ihrer Freundin sagen.

„Dieses Ekstatische“

Allein im vergangenen Jahr ging es für Leoniden steil bergauf. Sie gründeten ihr eigenes Label „Two Peace Signs“, auf dem sie ihr Debütalbum veröffentlichten, spielten auf zahlreichen Festivals und als Support auf der kompletten Deutschland- Tournee der britischen Brit-Pop-Indie-Rocker Franz Ferdinand. Am 26. Oktober schickten sie gleich das zweite Album „Again“ hinterher. Die Singles „Kids“, „People“ und „Alone“ daraus springen in Hannover bereits wenige Monate nach ihrem Erscheinen wie Funken auf das Publikum über.

Letzten Monat veröffentlichte die Band ein Musikvideo zum Song „Colorless“, das aus Smartphone-Aufnahmen ihrer Live-Auftritte besteht. Ähnlich wild geht es auch an diesem Konzertabend im MusikZentrum zu.

„Habe noch nie ein Konzert gesehen, auf dem so viele lieber den Moment genießen, als alles stundenlang mit dem Handy mitzufilmen”, schreibt Fan Jonathan zum Musikvideo auf YouTube. „Bei so `ner Show muss man einfach den Moment genießen!“, antwortet Userin Lena.

Genau diese Reaktion wollen Leoniden auch erzeugen. "Statt Meinungen und Positionen zu transportieren, wollen Leoniden lieber ein Gefühl vermitteln: Man soll feiern können zu ihren Songs“, wird Sänger Jakob Amr auf laut.de zitiert. „Wir laden eher dazu ein, dass man ausgelassen tanzt - und nicht auf seine Schuhe glotzt, sein Leben reflektiert und so ein bisschen traurig wird. Uns ist dieses Ekstatische wichtiger, weil das auch ein Umgang mit vielen Sachen sein kann."

„How to get Gänsehaut in one easy step”

„Seit sechs Wochen waren wir nicht zu Hause“, erzählt Sänger Jakob. „Das soll keine Mitleidsnummer sein. Wir haben auf uns Acht gegeben, hatten genug Schlaf, aber jetzt ist die Tour fast zu Ende. Wir haben noch nie zwei Bier vorm Konzert getrunken - außer heute“, verkündet er stolz und wünscht sich, dass alle den nächsten Song "Why" aus dem aktuellen Album „Again“ mitsingen. Er ist sichtlich gerührt, als der Chorus mit der Zeile “I wonder why, why you waste your time” von vorwiegend weiblichen Stimmen getragen wird.

„Das gehört zu den schönsten Gefühlen überhaupt. How to get Gänsehaut in one easy step: Let some people sing your songs to you!”, meint Jakob euphorisiert.

Die Euphorie ebbt nicht ab, wenn Leoniden ihre beliebten und bekanntesten Hymnen wie “Nevermind”, “1990” und „Sisters“ darbieten. Was einst als Schülerband begann, ist zu einer beachtlichen deutschen Indie-Rock-Größe herangewachsen.

Nicht bloß einmal geht Frontmann Jakob Amr auf Tuchfühlung mit den Fans, surft über ihre Köpfe hinweg und nimmt sogar einmal seine Perkussioninstrumente mit. Als Reaktion auf die „Ausziehen!“-Rufe aus dem Publikum entledigt er sich seiner silber-weißen Turnschuhe, denn shirtlos auf der Bühne zu sein, findet man in der Band „ein bisschen mackermäßig“.

Als „kleinen Gefallen“ wünscht man sich vom MusikZentrum lieber ein Lichtermeer aus Feuerzeugen und Handytaschenlampen, auch wenn das zugegebenermaßen eine „abgenudelte Nummer“ ist, die seit 20 Jahren bei Leuten wie Robbie Williams gemacht wird. Aber es sieht assitittengeil“, so Jakob, der an seinem Keyboard ein ruhigeres Lied anstimmt. „Frohe Weihnachten“, ruft eine tiefe Stimme aus dem Zuschauerraum. Nur passend ist es da, dass es später noch goldenes Lametta regnet.

Leoniden mögen zwar von Natur aus wild, ausgelassen und bei ausgiebigen Trommelsolos in ihrem Element sein, doch sie zeigen sich auch von ihrer sanfteren Seite. Gegen Ende der Show bedanken sie sich noch bei ihrem Supportact I Love You Honey Bunny und vor allem bei dem Team vom MusikZentrum, das sich hinter den Kulissen hervorragend um sie gekümmert habe. Weiterhin macht Sänger Jakob auf eine Spendenaktion vor Ort aufmerksam, die Flüchtlingshilfsprojekte unterstützt.

Einem Paar, das sich an diesem Abend vermählt hat, wünscht er alles Gute auf dem Weg. „Habt Respekt. Seid liebevoll“, was sich vielleicht sogar an alle richtet. Die „Kids Will Unite“-Tour steuert wie auch das Jahr dem Ende zu. Vereint waren die „Kids“ am gestrigen Abend wirklich, wenn die meisten von ihnen auch nur für diesen Abend zusammengekommen sind. „Genau deshalb tun wir, was wir tun: Für solche Abende“.

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