Bildrechte: Lisa Eimermacher

Nahbar: Madsen-Sänger Sebastian Madsen beim gestrigen Auftritt im Capitol.

Das Familiengefühl

Madsen spielen im ausverkauften Capitol

17. November 2018, Von: Lisa Eimermacher, Foto(s): Lisa Eimermacher

Den Auftakt ihrer „Lichtjahre“-Tournee feierte die Indie-Rock-Band Madsen am gestrigen Freitagabend, den 16. November, im ausverkauften Capitol in Hannover. Drei Jahre nach ihrem Studioalbum „Kompass“ lieferten sie im Sommer mit ihrem aktuellen Album „Lichtjahre“ neue Musik. Im Zuge dieser Veröffentlichung eröffneten sie in der Leinestadt ihre gleichnamige Tour.

„Wir sind unendlich dankbar!“ - Mit diesen Worten läutet Sänger und Gitarrist Sebastian Madsen nicht nur den Beginn des Konzerts, sondern auch den Start der „Lichtjahre“-Tour in Hannover ein. Er erinnert an den Beginn von Madsen vor 14 Jahren, als ein ausverkauftes Capitol noch eher ein Traum war. Doch der Mainstream-Erfolg ließ schon wenige Zeit nach der Gründung nicht lange auf sich warten.

Madsen haben sich 2004 im Wendland gegründet, quasi in der Provinz gleich um die Ecke. Da ist es also nicht verwunderlich, dass am gestrigen Abend viele Bekannte, Unterstützer und auch die Eltern der Mitglieder da sind. Auch bei der Vorband Grillmaster Flash & The Jungs aus Bremen bedanken sich Madsen.

Neben den drei Madsen-Brüdern Sebastian, Johannes und Sascha komplettieren Niko Maurer am Bass, sowie die Live-Verstärkung durch Keyboarderin und Backgroundsängerin Lisa Nicklisch und Gitarrist Martin „Mücke“ Krüssel die Gruppe.

Unter den musikalischen Trank aus Indie-Rock mischt sich hier und da auch eine verdauliche Portion härterer Rock und Power Pop. Gesungen wird selbstverständlich in der Muttersprache. Zwischen oder in die Songs werden hin und wieder bekannte Cover wie „Blitzkrieg Bop“ und „Should I Stay Or Should I Go“ eingebaut und somit Ausflüge in Richtung Punk gemacht. „Kirmes-Rock“ nennen sie selbst ihren Stil auf ihrer Facebookseite.

Vorschau Bild 1Vorschau Bild 2Vorschau Bild 3Fotostrecke (5 Bilder) -Foto(s): Lisa Eimermacher
Und auch sonst hat die Band einiges im Gepäck, um die Show auch visuell besonders stimmungs- und eindrucksvoll zu gestalten. Hinter ihnen ragt eine riesige Projektorleinwand auf. Das farbenfrohe Spektakel untermalt den jeweiligen Inhalt des Songs. So wird zum Beispiel das Musikvideo zum Lied „Kapitän“ vom aktuellen Album „Lichtjahre“ abgespielt oder ein Lichtermeer aus Sternen gezaubert.

Es dauert nicht lange, da demonstriert die Band, wie nah sie ihren Fans ist. Bereits nach den ersten Songs lässt es sich Frontmann Sebastian nicht nehmen und klettert über die Barrikade ins Publikum, um mit den Fans einzuklatschen und von dort aus weiter zu singen. Auch optisch unterscheiden sich die Jungs nicht von ihren Verehrern; Jeans und schlichte T-Shirts, wie die Kumpels von nebenan eben. Im Laufe der Show zeigt sich immer wieder, wie sehr sich Band und Fans gegenseitig schätzen.

„Ich bin hier wegen des Pogo“, erzählt Besucher Jan an der Theke, sichtlich außer Atem und verschwitzt. „Die Leute sind sehr toll hier. Ich war letztens auf einem Konzert einer anderen Band, das war nicht so harmonisch“, sagt Jan, bevor er wieder in Richtung Tanzfläche verschwindet.

Madsen nehmen das Publikum mit auf eine Reise durch ihr Repertoire: Sie singen vom Klang der „Sirenen“, dann geht es „Mit dem Moped nach Madrid“, das örtliche Schwimmbad wird nachts gestürmt, Sebastian spielt „Mein erstes Lied“, tanzt mit sich allein und verlangt in der Songankündigung von allen, zur Weihnachtszeit den „Titanic“-Film anzuschauen. Weiterhin werden „Leuchttürme“ erklommen, „Die Perfektion“ besungen und Geschichte geschrieben. Und natürlich wird die Musik angelassen. Bis zum Schluss.

Seinen großen Auftritt am Mikrofon hat Drummer Sascha, der am Schlagzeug ausschließlich barfuß oder in Socken sitzt, mit “Nachtbaden“ und bringt seine Energie nach vorne, bevor sein Bruder Sebastian wieder übernimmt. „Nicht vom Beckenrand springen“ wird an die Wand geworfen.

Und auch das Publikum hat an diesem Abend immer wieder seine eigenen großen Momente, sodass Sänger Sebastian zurücktritt und der Menge allein so manchen Refrain überlässt. Auch nachdem sich die Band verabschiedet und die Bühne verlassen hat, singt der Saal noch immer.

Nicht alleine

Ruhiger wird es bei einer Ballade, für die Hintergrundsängerin Lisa nach vorne tritt, um mit Sebastian zusammen zu singen. In ihrer Ansprache betont sie, wie sehr sie sich freut, dass „so viele Leute zusammengekommen sind, um eine gute Zeit miteinander zu haben“.

„Es gibt nichts Wichtigeres auf dieser Welt als die Familie. Das nächste Stück geht raus an unsere Mutti. Es heißt `Kompass`“, sagt Gitarrist Johannes. An der Wand hinter ihnen prangt ein gigantischer Vollmond.

Zwischen ausgedehnten „Ooooh“- und wechselweise auch „Woah“-Chören, ordentlichem Klatschen im Takt und Kollektiv-Hüpfen, Winken mit beiden Armen und Umarmungen bleibt noch Zeit, um ernstere Themen anzusprechen. Auch, wenn man teilweise unterstellen darf, dass es zur Entschlüsselung der Songtexte nicht sonderlich viel Anstrengung braucht, kommt die Direktheit an dieser Stelle der Sache zu Gute. So spricht die Zeile „Alle reden durcheinander, nur nicht miteinander“ für sich.

Für sich spricht auch Sebastian Madsen, als er seine eigenen Panikattacken und Ängste anspricht, die er auf dem aktuellen Album behandelt. „Wenn euch so ein Scheiß passiert, redet mit den Menschen. Bleibt nicht alleine damit. Werdet den Scheiß los“.

Empathie zeigen

Wer die Band lediglich durch ihre erfolgreichen Songs aus dem Radio kennt, könnte vermuten, dass es sich wieder um eine dieser typischen, substanzlosen Wohlfühl-Deutsch-Pop-Rock-Bands handelt, die sich von Politik bewusst fernhalten, um möglichst jeden abzuholen. Doch Madsen nutzen ihre Plattform mit Bedacht und nehmen deutlich Stellung zum aktuellen politischen Klima. „Fight racists, fuck facists" wird an die große Leinwand hinter den Musikern projiziert.

Bei Statements in Leuchtschrift bleibt es nicht. „Lasst uns diesen Song allen Menschen widmen, die in dieses Land flüchten und hier Schutz suchen“, fordert Frontmann Sebastian. „Lasst uns Empathie zeigen und den Menschen helfen. Und wir müssen sie vor allem vor diesen ganzen rechten Idioten beschützen“.

Das brüderliche Verhältnis aller Bandmitglieder kommt in kleinen Gesten zum Vorschein. Lächelnd teilen sie den Moment, auch wenn er „gleich vorbei“ ist, und reichen sich gegenseitig Getränke. Etwas überwältigt von dem Empfang in Hannover lacht der Sänger: „Wow, und das ist erst der Anfang der Tour. Ich würde euch am liebsten alle mit nach Hause nehmen. Im Kühlschrank ist noch Bier. Wir lieben euch und kommen bald wieder. Versprochen.“ Ihr Familiengefühl geht über den Bühnenrand hinaus.


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