Bildrechte: Torsten Gadegast Photography

Leidenschaftlich, schwelgerisch, kraftvoll und intensiv: The Pineapple Thief um Sänger, Gitarist und Songschreiber Bruce Soord spielten vor fast 400 Besuchern im MusikZentrum Hannover

Innerlich fliegen

The Pineapple Thief spielten in Hannover

19. September 2018, Von: Andreas Haug, Foto(s): Torsten Gadegast

Eher selten finden in Hannover Konzerte im Genre Progressive-Rock internationaler Spitzenklasse statt. Der gestrige Dienstag war so ein seltener Abend: The Pinapple Thief feat. Gavin Harrison spielten vor fast 400 Besuchern eine intensive und fesselnde Show im MusikZentrum und brachten mit LizZard einen durchaus spannenden und mindestens engagierten Act als special guest mit. Bemerkenswert war –neben der über weite Strecken herausragenden Qualität- die fast durchgängig ungeteilte Aufmerksamkeit der Anwesenden. Kein Schnack in der Halle, keine ständigen Rein-und Raus- Spaziergänge und auch die Smartphone-Nutzung jedweder Art unterblieb fast ausschließlich.

Dieser Dienstagabend Mitte September beschert Hannover noch einmal massiv sommerliche Temperaturen, wie es schon der Tag getan hatte. Zur heutigen Show der britischen Alternative/Progressive-Rock-Band The Pineapple Thief finden sich vom Lebensalter und dem äußeren Erscheinungsbild die unterschiedlichsten Besucher ein.

Dem Augenschein nach sehr reife Rock-und Progressive-Rock-Fans mittleren bis höheren Alters neben zahlreichen Besuchern, die man als jüngere bis eindeutig junge Leute kategorisieren kann. Alle eint heute Abend scheinbar der Wunsch nach einem intensiven Konzerterlebnis. Sich einlassen auf Songs und Sounds, von der Außenwelt und vom Alltag abschalten, genießen, innerlich abgehen oder sogar zu fliegen, scheint die Losung zu sein.

Die Musik dazu bewegt sich zwischen schwärmerischen, epischen Balladen, beinharten Grooves und teils beinahe heftigen Soundexplosionen. The Pineapple Thief nehmen die Besucher mit auf ihre Reise von rund 100 Minuten. Doch bevor die britische Band, die jüngst mit ihrem Album „Dissolution“ zur Veröffentlichung beachtliche Charterfolge zu verzeichnen hatte, die Bühne betritt, ist der special guest an der Reihe: Das aus der französischen Stadt Limoges stammende Trio LizZard bereitet auf gekonnt rustikale Art und Weise den Boden für den Headliner des Abends. LizZard spielen kernig-groovigen Progressive-Rock, der zeitweise packt und beißt. Die Betonung liegt hier mehr auf Rock und während das hannoversche Publikum von Song zu Song kräftiger applaudiert, bedankt sich Sänger und Gitarrist Mathieu Ricou dafür, dass schon so viele Besucher zu so früher Stunde dem Gig beiwohnen. Ein mehr als nur solider Einstieg in den Abend.
Vorschau Bild 1Vorschau Bild 2Vorschau Bild 3Fotostrecke (4 Bilder) -Foto(s): Torsten Gadegast
War schon der Sound bei der Vorgruppe nach einer gewissen Aufwärmphase ansprechend bis gut, entfacht sich bei The Pineapple Thief ein nahezu kristallklares, glanzvolles Klangbild. Im Mittelpunkt steht einerseits Gitarrist, Sänger und Songschreiber Bruce Soord, doch die Aufmerksamkeit der vielen Progressive-Rock-Genre-Kenner, -Liebhaber und vielleicht auch Schlagzeug-Fans wird immer wieder auf Weltklasse-Drummer Gavin Harrison gelenkt, der voller Ästhetik, Spielwitz und Leichtigkeit auf der einen Seite und Dynamik und Kraft auf der anderen Seite der ohnehin schon gelungenen Darbietung zahlreiche Glanzlichter aufsetzt.

Mit der Single „Try As I Might“ vom aktuellen Album „Dissolution“ legen The Pineapple Thief los, lassen „In Exile“ und das mitreißende „Alone At Sea“ folgen. Ersteres vom Vorgänger –Album „In Your Wilderness“, das andere kennt man vor allem in der Live-Version von „Where We Stood“. Ein fulminanter Start in das Konzert, in deren Verlauf die Band auch aus ihrem breiten Repertoire schöpft und neben Progressive-Rock auch –meist bei älteren Kompositionen- Alternative-Rock- und Brit-Pop-Rock-Einflüsse offenlegt. Das Konzert der Band variiert von Spannung zu Entspannung und umgekehrt. Im Mittelpunkt stehen in sich schlüssige, kompakte, auf klassischem Songwriting basierende Kompositionen. Zarte, schwelgerische Melodien mit viel Hall-und Echoeffekten auf dem Gesang münden in reißende Flüsse voller Drive und Härte. Die Musiker zeigen ihr Können, degenerieren aber zu keinem Zeitpunkt zu einer hochtechnisierten Frickeltruppe, wie man sie im Progressive-Genre hier und da auch mal trifft.

Symbiose aus Technik, Eleganz und Gefühl

Gitarrensoli beißen sich durch dichte Keyboard-Wände, die Rhythmusgruppe um Bassist Jon Sykes und Schlagzeuger Gavin Harrison sorgt mal für einen lockeren, mal harten und kraftvollen Groove inklusive vieler geschmackvoll eingestreuter Details. Besonders wenn man Schlagzeuger Harrison beobachtet, dann kann man sich an seinem großartig ausgearbeiteten, herzerfrischendem Spiel regelrecht erfreuen. Das hier ist schon etwas größeres Kino. Technik, Eleganz und Gefühl gehen eine Symbiose ein.

Das hannoversche Publikum wirkt hier im MusikZentrum wie in einen Bann gezogen. Wo man hinschaut, erblickt man aufmerksam zur Bühne schauende Besucher, die von rhythmischem Kopfnicken bis hin zum flippigen Tanz oder respektvollem Zuhören in vielerlei Hinsicht die Songs und das Konzert von The Pineapple Thief in sich aufsaugen, sich hingeben und zu genießen scheinen.

Möglicherweise sind einige hier im MusikZentrum im Verlauf der mehr als anderthalb Stunden innerlich weggeflogen, an einen Platz, wo Musik und Hingabe oberstes Gebot sind, Alltags-und Kneipengespräche und irgendwelche Kommunikationen mittels Smartphone oder das simple Mitfilmen und Handy-Fotografieren für mindestens die Dauer der Show kaum bis eigentlich gar nichts zu suchen haben.

Zeitweise ist es, als hinge etwas Magisches in der Luft, wahrscheinlich ist es dieses für Hannover außergewöhnliche Konzerterlebnis und das ganze Drumherum, das nicht wenige regelrecht glücklich zu machen scheint, und sei es nur für den Moment.

INFO-BOX

Links
externer Link www.thepineapplethief.com
externer Link www.facebook.com/thepineapplethief
externer Link www.facebook.com/lizzardmusic
externer Link www.livingconcerts.de

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