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Der Samstag auf dem Fährmannsfest 2018: Kräftig abgefeiert wurden die Punk-Pop-Rocker von Montreal.

Stabiles Stimmungshoch

So lief es am Samstag beim Fährmannsfest

05. August 2018, Von: Andreas Haug, Foto(s): Daniel Junker

Big Band Jazz aus Linden, Groove-Metal aus Sarstedt, Hardcore-Punk aus Hannover, Punk-Pop & Garage-Rock aus Berlin, Punk-Pop-Rock aus Hamburg und schließlich New Wave und Post Punk aus Düsseldorf. Das waren die Zutaten des musikalischen Menüs auf der großen Musikbühne des Fährmannsfestes am gestrigen Samstag. Deutlich mehr Besucher hatten den Weg an Ihme und Leine gefunden, als noch am Freitag. Auf der Faustwiese begann das Kinderfest und das Programm auf der Kulturbühne. Besonders Montreal und die Alex Mofa Gang drehten dabei heftig am Party-Rad und sogar einen Salto gab es zu bestaunen.

Erfahrungsgemäß stehen einige Stammgäste und an der Organisation und Durchführung des Fährmannsfestes beteiligte Personen am Samstag gegen 15 Uhr noch unter den Eindrücken einer langen Partynacht am Freitag und so war es in der Vergangenheit durchaus nicht jedermanns Sache, zu vergleichsweise früher Stunde am Fährmannsfest-Samstag gleich ein Rock-, Punk-oder Metal-Brett an den Kopf geknallt zu bekommen.

In diesem Jahr erfolgt der Einstieg in den zweiten Festival-Tag mit der HLS Big Band, dem Jazz-Orchester mit Schülerinnen und Schülern der Helene-Lange-Schule in Hannover-Linden, locker und beschwingt. Unter der Leitung von Musiklehrer und Bandleader Frank Katemann gibt es bei erneut strahlendem Sonnenschein Musikklassiker wie „Skyfall“, „Cry Me A River“, „Lady Madonna“ und „Can´t Buy Me Love“ in besonderen, gelungenen Big-Band-Arrangements, teils auch mit Gesang. Die ersten Anwesenden fühlen sich sichtlich wohl und applaudieren kräftig.

Im Anschluss wird dann aber erwartungsgemäß auf die Tube gedrückt, denn der Fährmannsfest-Samstag soll tendenziell eher härtere Musikfarben glänzen lassen, so in Richtung Punk-Rock und auch mal Metal. Source Of Rage aus Sarstedt liefern eine sehr engagierte, technisch ausgefeilte Melodic-Metal-Show ab, die nicht nur beim Publikum mit laufender Spieldauer immer mehr ankommt. Auch Festival-Moderator Stefan stellt begeistert fest, dass ihm die Band nicht nur sehr gut gefallen hat, sondern er nun auch wach sei.

Vorschau Bild 1Vorschau Bild 2Vorschau Bild 3Fotostrecke (5 Bilder) -Foto(s): Daniel Junker
Hardcore-Punk aus Hannover, dafür stehen seit gut zwölf Jahren One Strike Left. Die quirlige und spielfreudige Band hat hier in der Szene schon einige Spuren hinterlassen, nur auf dem Fährmannsfest, da hat man zuvor noch nie gespielt. Das wird nach so langer Szenezugehörigkeit heute mit Vehemenz nachgeholt. Mit Tempo, Energie, Spaß und Schweiß preschen One Strike Left durch ihre Songs, gefeiert von den nun immer zahlreicher eintreffenden Besuchern.

Am Bass ist heute nochmal Silke dabei, die eigentlich vor kurzem bei einer Show der Band in der Strangriede Stage verabschiedet wurde, aber beim Fährmannsfest für ihre Nachfolgerin einspringt, die heute aus terminlichen Gründen noch nicht dabei sein kann. Neben den eigenen Songs schicken One Strike Left auch mit ihrer Version von „Fading Like A Flower“ einen punk-pop-rockigen Gruß an Roxette und deren Fans hinaus.

Kinderfest und Programmstart auf der Kulturbühne

Einmal über die Justus-Garten-Brücke in Richtung Linden-Nord erreicht man die Faustwiese. Kinderfest, Aktions-, Verkaufs-und Essenstände und schließlich die Kulturbühne, auf der heute Die Eisbrecher ihren traditionellen Fährmannsfest-Gig spielen. Über Yunus, einen talentierten Rapper und Bratschisten, der gegen 22 Uhr hier auftreten soll, wird schon am frühen Abend viel gesprochen. Soll sich sehr lohnen, vorbeizuschauen und zuzuhören, heißt von verschiedenen Seiten. Eine weitere feste Größe, auch in Sachen Tradition, ist heute auch der Poetry-Slam „Macht Worte!“. Neu ist die Song-Gong-Show, die heute auf der Kulturbühne ihre Premiere hat. Die Atmosphäre hier: freundlich und familiär, wie eigentlich immer.

Das eine oder andere Gastronomie-Angebot fehlt heute gegenüber den Vorjahren. Nicht jeder Standanbieter ist dieses Mal dabei. So wird etwa eine bestimmte Linsensuppe indischen oder afrikanischen Rezepts vermisst, die in den letzten Jahren am Weg auf der Faustwiese in Richtung Biergarten Gretchen angeboten wurde. Das Standardangebot hier à la Falafel, Kaffee und Kuchen, Bratwurst und Pommes ist natürlich vorhanden.

Die Turbopolonäse und ein Salto vom Hartschalenkoffer

Um 18.30 wird auf der Fährmannsinsel zur Party geladen. Die Alex Mofa Gang bringt die inzwischen sehr zahlreichen Besucher zum Tanzen und Mitsingen. Das variable Progamm von Pop-Rock-Songs über Garage-Rock bis hin zu Punk-Pop-Rock mit packenden und teils eingängigen Melodien ist scheinbar zu diesem Zeitpunkt genau das, was die Fans vor der Bühne wollen und brauchen. Eine „Turbopolonäse“, wie es Sänger und Gitarrist Sascha bezeichnet, zieht sich durch die Zuschauerreihen, es gibt Circle-Pits und einen Salto von einem vom Publikum gehaltenen und gesicherten Hartschalenkoffer unmittelbar an der Bühnenabsperrung, als Alternative zum Stagediving. Hier ist richtig was los bei der Alex Mofa Gang. Ein Stimmungshoch liegt über der Fährmannsinsel.

Und dieses Stimmungshoch bleibt sehr stabil, denn direkt nach der Alex Mofa Gang legen Montreal sehr kräftig nach. Punk-Pop-Rock mit Tempo und Mitsingrefrains. Die Party hier läuft und läuft, auch beim NDW-Ohrwurm „Katharine, Katharine“, Anfang der 1980er Jahre ein Hit der hannoverschen Band Steinwolke, den Montreal auf ihre Art und Weise mit ordentlich Pfeffer und Salz nachwürzen.

Abseits des Massengeschmacks: Fehlfarben spielen „Monarchie und Alltag“

Zum Abschluss des zweiten Festival-Tages wird sehr ursprüngliche, kantige New-Wave-und Post-Punk-Kultur respektive Subkultur von der mittlerweile legendären Düsseldorfer Band Fehlfarben auf die Bühne gebracht. Die noch junge Nacht hat sich über der Fährmannsinsel niedergelassen und zahlreiche Fans, die Fehlfarben noch aus den frühen Achtzigern und dabei insbesondere deren beinahe geadeltes, wegweisendes Album „Monarchie und Alltag“ kennen, wiegen sich zufrieden dreinblickend bis entrückt zu den Riffs und Rhythmen, die mit Schmackes aus den Boxen kommen.

Sänger und Frontmann Peter Hein legt eine leicht kauzige, kaum vorhersehbare und auf seine Art durchaus fesselnde Performance hin. Die Bewegungen die hier beinahe zum Stolpern in das Schlagzeug führen, sind dabei ebenso eckig und kantig wie viele Songs. Hein ist ein Original des deutschen New Wave und einer der wohl profiliertesten Künstler seines Fachs. Songs wie „Paul ist tot“ oder „Ein Jahr (es geht voran)“ fehlen natürlich nicht.

Fehlfarben breiten den Tausenden von Fährmannsfest-Besuchern vor der Musikbühne das komplette „Monarchie und Alltag“ Album aus, ähnlich wie es die Band aktuell auf ihren Tourneen macht. „Wir machen das jetzt so seit anderthalb Jahren und ich weiß immer noch nicht wie es geht“, erklärt Peter Hein launig. „Keine Selbstkritik jetzt“, ist es leise über ein Bühnenmikrofon von Mitmusikers zu hören. Aber auch das eher mit scherzhaftem Unterton.

Ähnlich kontrastreich wie dieser Samstag mit Melodic Metal auf Big Band Jazz begonnen hatte, endet er mit teils experimentellem New Wave auf straighten Uptempo Party-Punk-Pop-Rock dann auch.Als Fehlfarben unter lautem Jubel in den ersten Reihen vor der Bühne die Präsentation von „Monarchie und Alltag“ abgeschlossen haben, gibt es noch eine gute halbe Stunde ein gemischtes Programm aus dem reichhaltigen Repertoire der Band. Da wird der „Sommer der Liebe“ besungen und mit „Platz da“ dazu aufgefordert, den Weg frei zu machen, unterfüttert mit einem harten Groove. Fehlfarben, allen voran Peter Hein strahlen auf der Bühne teils enorme Spielfreude aus und scheinen großen Spaß an ihrem Fährmannsfest-Gig zu haben. Ein starker Auftritt abseits des Massengeschmacks und des –auch im Alternativ-Bereich- inzwischen oft gewohnten Party- Mitklatsch-und Hymnen-Mitsing-Spektakels.

Am heutigen Sonntag, dem dritten und letzten Tag des Fährmannsfestes ist der Eintritt auf dem gesamten Gelände kostenlos. Beginn ist erneut um 15.00 Uhr. Erwartet werden Bands wie Ego Super und Modell Bianka (Kulturbühne) sowie Zugezogen Maskulin, Tequila And The Sunrise Gang und Antiheld auf der Musikbühne.


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