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"Disko, Disko Partizani": Bei der Show von Shantel & Bucovina Club Orkestar herrscht am späten Abend Partystimmung auf dem Fährmannsfest.

Bis die Wespe sticht

Das Fährmannsfest startet gemütlich und fröhlich

04. August 2018, Von: Andreas Haug, Foto(s): Axel Herzig

Am gestrigen Freitag ist auf dem Gelände am Zusammenfluss von Leine und Ihme das dreitägige Fährmannsfest gestartet. Bei den sich in Hannover weiterhin hartnäckig haltenden hochsommerlichen Temperaturen dauerte es dieses Mal spürbar länger, bis sich die Besucher in größerer Anzahl einfanden. Escape, Matagalpa, Colour Haze, The Esprits und schließlich Shantel & Bukovina Club Orkestar lieferten mit ihren Shows die Musik zum wahlweise munteren Rocken, lässigem Entspannen und fröhlichem Tanzen. Sehr forsch und vital präsentierten sich auch zahlreiche Wespen gegenüber einzelnen Gästen. Diesbezüglich scheint in den kommenden Tagen besondere Obacht beim Open-Air-Festival geboten.

Entspannt, zufrieden bis glücklich wirkend hocken die vier Hannoveraner Musiker von Escape im hinteren Backstagebereich direkt am Wasser, dort, wo es sich sonst die Gäste des Strandlebens gemütlich machen. Wenige Minuten zuvor hatte die Indie/Elektro/Pop-Rock-Band mit einem mehr als ansprechenden Set das diesjährige Fährmannsfest eröffnet und dabei ihren ersten Auftritt überhaupt gespielt. Griffige Melodien über Synthesizer-Flächen, Elektro-Sounds, effektreich klingender Gitarre und knackigem Schlagzeug-Beat. Ein wenig Pop-Referenz an die Achtziger aber dennoch frisch im Hier und Jetzt. Escape, gerade erst eine Woche zuvor als Ersatz für Ember Sea verpflichtet, ernten verdienten Applaus.

Das erste Konzert überhaupt

„Das hat sich sehr geil angefühlt auf der Bühne“, antwortet Sänger Jan Goeritz auf die Frage, wie die Live-Premiere aus Sicht der Band verlaufen ist. „Wir gehen mit einem guten Gefühl von der Bühne und werden heute Nacht auch gut schlafen“, fügt Jan sichtlich zufrieden an. „Ein perfekter Start, ein besseres erstes Konzert kann man sich kaum vorstellen“, freut sich auch Schlagzeuger Jonas Kintscher. In den nächsten Wochen wollen Escape ihr Live-Programm ausbauen, Songideen und Demos gebe es viele und dann soll es verstärkt daran gehen, weitere Auftritte zu organisieren, ist sich die Band einig.
Vorschau Bild 1Vorschau Bild 2Vorschau Bild 3Fotostrecke (5 Bilder) -Foto(s): Axel Herzig
Noch verhältnismäßig neu ist auch die Grunge/Alternative-Rockband Matagalpa, die sich in der hannoverschen Musikszene in den vergangenen Monaten sehr umtriebig und präsent gezeigt hatte. Einige Session-Videos wurden fertiggestellt und mit „Eating Hooks“ hatte das Duo um Gitarrist und Sänger Niklas Wittig und Schlagzeuger Lennard Heidjann kürzlich die erste EP vorgestellt. Matagalpa spielen hier beim Fährmannsfest eine gut halbstündige Show. Leidenschaftlicher, inspirierter, oft groovender Rock mit zwingenden, kernigen Gitarrenriffs. Das macht den Rock-Interessierten hier sichtlich Spaß.

Eine Reise irgendwohin in 60 Minuten

Keine Neulinge mehr sind Colour Haze. Das Münchner Stoner/Psychedelic-Rock-Trio ist schon seit 1994 unterwegs, hat zahlreiche Alben veröffentlicht und tourt regelmäßig durch ganz Europa. Colour Haze nehmen die Fährmannsfest-Besucher auf eine 60-minütige, äußerst intensive und entspannte Reise: Der sich langsam untergehenden Sonne entgegen oder einfach dorthin, wo es die Fantasie der Zuhörer hier zulässt. Es herrscht chillige Festival-Atmosphäre, langsam aber sicher trudeln immer mehr Leute ein, nehmen im Gras Platz. Immer sachte, keine Hektik. Ausruhen, zuhören und genießen scheint das Motto der Besucher zu sein, die sich direkt vor der großen Bühne tummeln. Man hat hier bei der mindestens mediterranen Wärme in Hannover mal ein, zwei Gänge heruntergeschaltet und lässt den Dingen ihren Lauf.

Indie-Rock´n´Roll in Hemd, Weste und langer Hose

Mindestens einen Gang hochgeschaltet haben dagegen die stets präsenten Wespen, die oft bei nicht wenigen Anwesenden um den Kopf, die Beine, Hände und Arme herumschwirren. Das Verhalten der Insekten ist das Gegenteil von Gelassenheit. Aber angeblich tun einem die Tierchen ja nichts, solange man sie nicht reizt oder nach ihnen schlägt, heißt es oft. Nicht immer, wie sich später noch herausstellt.

Gegen kurz vor 20 Uhr ist erstmal Bühnenzeit für The Esprits, die nach dem angenehm entschleunigten Vortrag von Colour Haze ebenso angenehm die Party-Glocke läuten. Es gibt fetzigen Indie-Rock mit Rock´n´Roll-Einschlag.

Die vier Musiker zeigen den sich zunächst nur langsam aber fröhlich bewegenden Fans vor der Bühne, dass Lamenti über die Wärme fehl am Platze sind. Während die Besucher leicht bekleidet herumlaufen oder sitzen, sind The Esprits in Hemden, langen Hosen und sogar Weste zu Gange und demonstrieren eindrucksvoll, was in Sachen Tanz und Party geht. Immer wieder fordert Sänger und Gitarrist Roman Ritter die Anwesenden auf, näher zu kommen, Lücken im Zuschauerbereich zu füllen, sich zu erheben und deutlich sichtbar und eine Spur bewegungsfreudiger mitzufeiern. Mit unterschiedlichem Erfolg.

Eine runde und reife Show ist das hier zweifellos und The Esprits haben gekonnt die Party-Zone hergerichtet, über die sich der nachfolgende Headliner des ersten Fährmannsfest-Abends freuen kann.

Autsch!

Es ist kurz vor halb zehn am Abend, die Sonne ist verschwunden, ein wenig Restdämmerung breitet sich noch über das Gelände aus. Eigentlich ist es auch für die letzte forsche Wespe Zeit, sich zu verkriechen und schlafen zu gehen. Es ist inzwischen zu dunkel für Wespenflug. Glaubt man. Eine treibt sich dennoch herum, gibt sich weder durch Summen noch durch deutlich sichtbare, der Spezies oft typisch unkoordinierten Flugbewegungen zu erkennen. Plötzlich beim Kaffetrinken, völlig unvermittelt ein stechend-brennender Schmerz in der rechten Handfläche des Verfassers dieses Artikels. Sehr unangenehm und man weiß ja nie, wie sich das von Fall zu Fall auswirken kann (Schwellungen, Kreislauf usw.).

Erste Kühlung mit Wasser im Backstage und dann die Frage nach weiterer sofortiger Linderung und Vorbeugung. Eine Zwiebel, die oft Wunder wirkt, ist bei den zahlreichen Essensbuden auf die Schnelle nicht zu bekommen. Tipp einer freundlichen Dame: „Geh besser mal zu den Sanitätern“. Diese entspannten sich verhältnismäßig vom Tatort entfernt an ihren Autos am Haupteingang, also Beine in die Hand und dorthin. Das Team ist sogleich freundlich mit einer seiner letzten vorrätigen Kältekompressen zur Stelle. Weitere Mittel zur Desinfektion oder ähnlichem, zur Linderung bei Insektenstichen, sind leider nicht verfügbar. Suboptimal, aber nicht zu ändern.

Besucher des Fährmannsfestes am heutigen Samstag und morgigen Sonntag sind unter Umständen nicht schlecht beraten, entsprechende Mittel gegen Wespenstiche selbst auf Tasche zu haben oder gar mal von daheim eine Zwiebel einzustecken. In jedem Fall ist Umsicht und Vorsicht im Hinblick auf Wespen angebracht. Einige von ihnen scheinen sehr gestresst zu sein.

„Disko, Disko, Partizani!“

Bei Künstlern, Crew und Besuchern ist Stress dagegen nicht spüren. Es ist auch gegen zehn noch sehr warm und alle Beteiligten gelassen. Jetzt ist das Gelände sehr ansprechend gefüllt, fast so, wie man es in den letzten Jahren um diese Zeit gewohnt war. Shantel & Bucovina Club Orkestar starten leicht verspätet ihre Show, bringen das Fährmannsfest nun aber ziemlich ordentlich in Bewegung. Die Bandbreite reicht vom Mitwippen und Tanzen über munteres Hüpfen bis hin zum begeisterten Springen. „Disko, Disko Partizani“ schallt es schon früh im Set der fröhlichen Balkan-Pop-Band über das Gelände. Ein großer Hit für Shantel und seine musikalischen Mitstreiter, der sich auch hier beim Fährmannsfest und den Besuchern als echter Volltreffer erweist.

Jetzt ist hier die Party in vollem Gange und bei den Songs und Sounds dieser Band, verstärkt durch kräftiges Posaunengebläse und das Publikumsanimationsprogramm des Schlagzeugers, der sich ein ums andere Mal zum Bühnenrand begibt und kleine La –Ola- Wellen unter den Fans entfacht, kann man kaum anders, als sich in diesem Moment gelöst und locker zu fühlen. Vorausgesetzt, man ist dieser Art von Musik grundsätzlich zugeneigt. Aber das sind die meisten hier auf dem Fährmannsfest ganz offensichtlich.

Der fröhliche, tanzbare Sound geprägt durch osteuropäische, folkloristische Einflüsse, passt in diesem Moment ganz vorzüglich in die hochsommerliche Open-Air-Szenerie. Dass auch ein seit Jahrzehnten oft gecoverter Blues-Rock/Rock´n´Roll-Klassiker wie „Slow Down“, den einst Larry Williams geschrieben hatte, auch in der speziellen stilistischen Interpretation von Shantel & Bucovina Club Orkestar nichts von seinem Drive und seiner Energie einbüßt, spricht nicht nur für den Song, sondern vor allem für die Band.

Am heutigen Samstagnachmittag startet das Fährmannsfest um 15.00 Uhr mit dem Auftritt der HLS Big Band. Im Anschluss gibt es dann Metal, Hardcore-Punk, Indie-Punk, Punk-Pop-Rock und New Wave mit Post-Punk-Touch mit den Bands Source Of Rage, One Strike Left, Alex Mofa Gang, Montreal und schließlich Fehlfarben. Auf der Faustwiese auf der gegenüberliegenden Seite der Ihme beginnt dann heute auch das Kinderfest und das Programm auf der Kulturbühne.

Ein Bericht vom heutigen Fährmannsfest-Samstag finden unsere Leserinnen und Leser in der Nacht von Samstag auf Sonntag, spätestens Sonntag ganz früh morgens hier in diesem Magazin.

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