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Die Adolescents spielen ihre Tour für ihren Freund und Bassisten Steve Soto zu Ende. Hier bei ihrem Auftritt am gestrigen Abend im Café Glocksee.

"Let’s carry on!"

Adolescents und Tank Shot spielen im Café Glocksee

19. Juli 2018, Von: Lisa Eimermacher, Foto(s): Lisa Eimermacher

Einfach weiterzumachen ist gar nicht so leicht, wie es oft klingen mag. Die Adolescents erleben das gerade am eigenen Leib. Vor Kurzem mussten sie von ihrem langjährigen Bandkollegen und Gründungsmitglied Steve Soto Abschied nehmen. Ihm zuliebe ziehen sie ihre aktuelle Europatour durch, denn er hätte es laut Band so gewollt. Am gestrigen Mittwoch trat die Melodic-Hardcore- /Punk-Rock-Legende mit der hannoverschen Punkrock-Band Tank Shot im Café Glocksee auf und stellte auch einige neue Songs ihres Albums „Cropduster“ vor, welches am morgigen Freitag, den 20. Juli erscheint.

Den Abend läutet die hannoversche Punkband Tank Shot ein. Die fünf Bandmitglieder spielen Punkrock der alten Schule und sind bereits seit den frühen 80er Jahren in diversen lokalen Bands aktiv.

In der Umbaupause unterhält man sich auf dem Hof des Café Glocksee an diesem milden Sommerabend. „Die Frau hat Karma“, sagt jemand aus dem Publikum zu seinen Leuten über die Frontfrau und Sängerin Kirsten von Tank Shot und meint dabei vermutlich „Charisma“.

Mehr als nur Musik

Dass es beim Punkrock mehr als nur um die Musik geht, ist allseits bekannt. Egal, ob es um politisches Engagement geht oder das Ausleben der eigenen Identität. Vor allem der Zusammenhalt und die Gemeinschaft stehen oft im Fokus. Genau diese innere Stärke scheint zurzeit die Adolescents anzutreiben, trotz der Trauer um ihren langjährigen Freund und Bandmitglied Steve Soto nach vorne zu Blicken und einen Fuß vor den nächsten zu setzen.
Vorschau Bild 1Vorschau Bild 2Vorschau Bild 3Fotostrecke (4 Bilder) -Foto(s): Lisa Eimermacher
Steve Soto starb am 27. Juni im Alter von 54 Jahren. Nach Bekanntgabe seines Todes gedenken ihm viele bekannte Gesichter der Punkrock-Szene, darunter Matt Skiba von Alkaline Trio und blink-182 und Billie Joe Armstrong von Green Day. Letzterer schrieb in seinem Post auf instagram, dass er eine Punkrock-Playlist erstellte, um seiner Wut über die aktuelle politische Situation in Amerika Luft zu machen. Dabei durften natürlich auch der Song „Amoeba“ von den Adolescents nicht fehlen. „Das Leben ist nicht fair. Manchmal ist es einfach beschissen. Aber Musik kann einem dabei helfen, sich nicht alleine zu fühlen. Amoeba hat das für mich letzte Nacht bewirkt. RIP Steve Soto“, schreibt der Green Day-Sänger.

Weitermachen für Steve Soto

„Let’s carry on“, ruft Sänger Tony Cadena, auch Tony Reflex genannt, am gestrigen Abend bei der Show im Café Glocksee, nachdem er seinem Freund Steve Soto einige dankende Worte widmet. In seiner Stimme gleichwohl Trauer und Bestimmtheit. Steve Soto hätte nichts davon gehalten, Touren abzusagen, so die Band in ihrem offiziellen Statement auf Facebook. Und so spielen sie ihre Tour für ihn. Daher gibt keine Aufforderung, unbedingt ganz schnell das neue Album käuflich erwerben zu müssen, das die Band auf dieser Tour vorstellt. Es ist das Album, an dem Steve Soto mitgewirkt hat.

Als Ersatz am Bass für die Europatournee ist Brad Logan als alter Freund der Adolescents für Steve Soto eingesprungen. Der Punkrock-Gitarrist aus Los Angeles wird auch Brad Minus genannt. Er war Frontmann und Gitarrist der Hardcore-Punk-Band F-Minus und ist vor allem bekannt für seine Arbeit mit Leftöver Crack, Rancid haben einen Song nach ihm benannt. Außerdem war er als Ersatzgitarrist für die Band The Unseen und Roadie vieler namhafter Punkrockbands wie unter anderem Social Distortion, Alkaline Trio, Flogging Molly, NOFX, Dance Hall Crashers und Rancid tätig. Bei den Adolescents auf der Bühne hält er sich scheinbar bewusst im Hintergrund.

Neben Stücken aus ihrem kommenden Album “Cropduster“, welches am morgigen Freitag erscheint, und der aktuellen Single „Flat Earth Stomp“, präsentieren die Adolescents natürlich Klassiker wie „Kids of the Black Hole“, “L.A. Girl”, „Wrecking Crew“, „Creatures“ und „Rip It Up“ von ihrem selbstbetitelten Album aus dem Jahr 1981.

Sänger Tony Reflex wirbelt umher, erhebt hin und wieder den Zeigefinger, schüttelt wild seine grau-schwarze Lockenmähne umher und schmettert die Lyrics mit rotziger Stimme wie aus einem Maschinengewehr. Dabei hat er die meiste Zeit die Augen geschlossen. Gelegentlich reißt er die Augen auf, sieht die tobenden Punks vor der Bühne und ein Lächeln huscht über sein Gesicht. Im Laufe der Show erkennt er einen alten Freund wieder, der am Bühnenrand steht, und umarmt ihn fest.

Druckvoll und mit Message

Die Zeit zwischen den Songs nutzt Tony, um einige Statements zu abzugeben: „In dem Land, wo ich herkomme, reicht es für Leute mancher Hautfarbe schon, Marihuana zu rauchen, um im Gefängnis zu landen“. Das Publikum reagiert mit protestierendem Ächzen. „Ich persönlich bin für die Legalisierung aller Drogen“, tönt Tony. Davon kann man halten, was man will. Doch er hat eine wichtige Message. Im Folgenden warnt er vor der Privatisierung der Gefängnisse.

Außerdem spricht er ein weiteres aktuelles politisches Problem an: Wie man mit Flüchtlingen an der amerikanischen Grenze umgeht. Berichten zufolge werden Kinder und Neugeborene von ihren Eltern getrennt und in sogenannten „Juvenile Detention Centers“ in Käfigen untergebracht. „Donald Trump sollte in einen Käfig gesteckt werden“, meint der Adolescents-Frontmann.

Bereits seit ihren Anfängen in den 80er Jahren zählen die Adolescents neben Bands wie Minor Threat, Black Flag und den Bad Brains zu einer der einflussreichsten Hardcore-Punk-Bands der 1980er. Sie kommen aus derselben Szene wie TSOL, Bad Religion und Circle Jerks. Nicht zuletzt haben sie Einfluss auf Bands wie NOFX, Face To Face, Good Riddance, The Offspring, Pennywise, Rise Against und Fu Manchu. Pat Smear von Nirvana und den Germs war kurzzeitig für die Band an der Gitarre im Einsatz.

“Ja, genial wie immer”, bringt es Olaf auf den Punkt, der seit Anfang an dabei ist. „Klar, haben sie sich weiterentwickelt. Es ist eben der alte Style weiterhin. Die alten Bandmitglieder sind natürlich jetzt auch weg. Es ist mit Tony ja jetzt nur noch ein Mitglied der Urbesetzung da. Aber trotzdem ist es immer wieder geil, sie zu sehen und sie haben ja auch alte Stücke gebracht. Allein deshalb hat es sich schon gelohnt“. Seine Freundin Susanne hat die Band an diesem Abend zum ersten Mal gesehen: „Ich fand sie einfach total klasse. Sie waren unglaublich druckvoll und haben Spaß gemacht“.

Für den heutigen Donnerstag hat die Band aus dem kalifornischen Fullerton einen Nachholtermin in Berlin angekündigt, da die geplante Show dort Anfang des Monats abgesagt werden musste. Weitermachen – das haben sich die Adolescents fest vorgenommen.

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