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Große Metal-Show für 25.000 auf der Expo-Plaza in Hannover: Iron Maiden lieferten ein exzellentes Spektakel.

Die Allmächtigen des Metal

Iron Maiden vor 25.000 auf der Expo-Plaza in Hannover

11. Juni 2018, Von: Andreas Haug, Foto(s): Jeff Kahra

Nach fast 15 Jahren kehrte die britische Heavy-Metal Band Iron Maiden zurück nach Hannover. 2003 noch in der Eilenriedehalle, waren sie am gestrigen Sonntag open air auf der Expo-Plaza zu Gast und begeisterten auf einem ausverkauften Gelände 25.000 Fans. Es war eine herausragende Show mit hervorragend aufgelegten Musikern vor einer beeindruckenden Bühnenkulisse und exzellentem Sound. Man musste schon mit aller Kraft nach dem berühmten Haar in der Suppe suchen, etwaige Kritikpunkte aufzudecken, die es aber gestern nicht gab. Vielleicht das beste Metal-Event seit Jahren in Hannover, das die Bands The Raven Age und Killswitch Engage eingeläutet hatten.

Der Artikel wurde aktualisiert - 11.06.18, 21.38 Uhr

Jesse Leach, Sänger, Shouter und Frontmann der US-Metalcore-Band Killswitch Engage freut sich am späten Nachmittag außerordentlich, für die „allmächtigen Iron Maiden“ als special guest auftreten zu dürfen. Er freue sich ebenfalls auf Deutschland, das exzellente Bier und die hübschen Frauen, wie der Mann mit dem blonden Irokesen-Schopf dem erwartungsvollen Publikum auf der Expo-Plaza in Hannover erklärt. Später wird er selbst zur Iron Maiden Show im Front-Of-Stage-Bereich mitfeiern. Die Stimmung an diesem Sonntag ist schon früh gut. Killswitch Engage operieren zwischen melodischen Songs, hartem Metal, Double-Bass-Gewitter, Breakdowns und Hymnen. Die Band wird gleichermaßen gut von den Besuchern aufgenommen, wie zuvor The Raven Age, die Melodic-Metal-Band aus London, in der auch George Harrris, der Sohn von Iron Maiden-Bassist und Gründungsmitglied Steve Harris mitwirkt.
Vorschau Bild 1Vorschau Bild 2Vorschau Bild 3Fotostrecke (5 Bilder) -Foto(s): Jeff Kahra
Ideale Open-Air-Konzert-Bedingungen auf der Expo-Plaza. Es ist warm, aber nicht heiß, die Sonne ist da, brennt aber nicht und die zwei Tage zuvor befürchteten Regenschauer respektive Gewitter finden einfach nicht statt. Das Wetter liefert kein Spektakel, das liefern Iron Maiden ab viertel vor neun für knapp zwei Stunden.

Die heutige „Legacy Of The Beast“-Tour-Show ist eine Mischung aus Rock-Theater und Heavy-Metal-Feuerwerk der alten Schule. Das Bühnenbild ist imposant. Gleich zu Beginn schwebt ein Kriegsflugzeug ein, im Anschluss gibt es diverse Szenen und Bilder, darunter den Innenraum einer mächtigen Kathedrale. „Scream for me hanover“ fordert Sänger und Frontmann Bruce Dickinson das Publikum ein ums andere Mal auf, aber statt zu schreien, singen viele der 25.000 die oft hymnenhaften und eingängigen Refrains von Song wie „2 Minutes To Midnight“ voller Inbrunst mit. Dieser Song stammt aus dem 1984er-Album „Powerslave“ und deutet an, dass Iron Maiden heute Abend aus einem großen Fundus ihrer mittlerweile über 40-jährigen Karriere schöpfen werden.

Reise durch eine verrückte Welt

Es sei heute Abend eine Reise durch eine verrückte Welt - bis zum Ende! Die Show sei eine Story, sagt Bruce Dickinson. Mehr gebe es nicht zu erklären, der Rest erkläre sich von selbst, so der Sänger, der den ganzen Abend über die Fans mit einer ungeheuer vitalen, ausdrucksstarken Performance und seiner kraftvollen Stimme in den Bann zieht und dabei die höchsten Töne so sicher trifft, dass man nur den virtuellen Hut vor dieser Leistung ziehen kann. Die Gitarristen Janick Gers, Adrian Smith und Dave Murray stehen Dickinson in Sachen Spielfreude und Können in nichts nach. Vor allem die zahlreichen, gefühlvoll perlenden Gitarrensolo-Läufe von Murray gehören zu den weiteren Höhepunkten. Schlagzeuger Nicko McBrain trommelt wie ein Uhrwerk, streut viele geschmackvolle Fills ein, während man über Bassist Steve Harris, seine Show und das temporeiche, sehr exakte Fingerspiel auf dem Bass zeitweise nur staunen kann.

„The Clansman“ kündigt Bruce Dickinson als einen Song über Freiheit an. „Wir müssen für das kämpfen, woran wir glauben“, so Dickinson, der heute Abend in zahlreiche Rollen und Kostüme schlüpft. Für „The Clansman“ zückt er ein riesiges Schwert und wirbelt damit über die Bühne, versohlt der vorn am Bühnenrand in Stellung gegangenen Saitenfraktion den Hintern und nimmt es wenige Sekunden später mit einer blutverschmierten Kämpfer-Version des Bandmaskottchens Eddie auf. Man könnte meinen, man befinde sich in einer Live-Fassung des „Legacy Of The Beast“-Mobile Games. Großes Theater, große Unterhaltung.

„Fear Of The Dark“, „Number Oft The Beast“, „Iron Maiden“…

Es wird zusehends dunkler, das prächtige Bühnenbild in seinen vielen Facetten kommt immer besser zur Geltung und Iron Maiden verlieren auch mit fortschreitender Spielzeit nichts von ihrer Energie. Nach rund 75 Minuten steuert die Show auf ihren Höhepunkt zu. „Fear Of The Dark“ eröffnet den Reigen der populärsten Maiden Songs. Die Fans singen den Refrain euphorisch und lautstark mit. An einem beleuchteten Grabkreuz windet sich Bruce Dickinson ganz in schwarz verhüllt mit einer grün leuchtenden Laterne herum. Silberne Maske mit Hakennase dazu, das hat schon was von den Vorstellungen eines Peter Gabriel Anfang der 1970er-Jahre bei Genesis.

Wenige Minuten später heißt es Feuer frei: Die Bühne ist in rotes Licht getaucht, im Hintergrund schnellen Feuer-Fontänen empor, es ist Zeit für den Maiden-Klassiker „Number Of The Beast“ und im Anschluss für den Song „Iron Maiden“.

Gelassene Freude und Spaß ohne Moshpits

Die 25.000 sind restlos begeistert, viele strahlen, recken die Arme und Fäuste empor oder genießen das Konzert mit leichtem Wippen und Kopfnicken. Die meisten Besucher sind vom Lebensalter reifer, jahrzehntelang konzerterfahren und auch in der Freude eher gelassen. Hier gibt es, von wenigen Ausnahmen abgesehen, keine größeren Mosphits oder Crowdsurfer, keine wilden Sauf-und Feierorgien. Man freut sich oder staunt darüber, wie kraft-und druckvoll und auf welch technisch hohem Niveau Iron Maiden hier spielen. Wann hat man zudem bei einem Open-Air-Konzert, zumal im Metal einen solch brillanten, druckvollen und transparenten Konzert-Sound erlebt?

Das ist schon ziemlich außergewöhnlich, was hier auf der Expo-Plaza geboten wird. Im Zugabenblock gibt es unter anderem „The Wicker Man“, zum Abschluss dann nochmal eine Hymne auf die alle einsteigen können: „Run To The Hills“ beendet das knapp zweistündige Rock-und Metal-Spektakel einer der zweifellos immer noch absolut führenden, stärksten und populärsten Metalbands überhaupt.

Geht es noch besser? Wohl kaum!

INFO-BOX

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externer Link www.wizpro.com
externer Link www.hannover-concerts.de

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