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Mit unheimlich viel Hingabe: Jimmy Eat World-Frontmann Jim Adkins bei der Show im Capitol in Hannover.

Echt

Jimmy Eat World nach fast 20 Jahren zurück in Hannover

31. Mai 2018, Von: Lisa Eimermacher, Foto(s): Jeff Kahra

Die US-amerikanische Rock-Band Jimmy Eat World aus Arizona weiß, wie man bei einer Show einheizt. Doch von der leidenschaftlichen Begrüßung des hannoverschen Publikums scheint sie selbst beinahe überrascht. Nach fast 20 Jahren sind sie nun zurück. Und trotz ihrer Abwesenheit wurde die Verbindung durch die Musik aufrechterhalten. So zog es am gestrigen Mittwoch etwa 1.600 Besucher in das ausverkaufte Capitol.

„It’s good to be back!“, begrüßt Sänger und Gitarrist Jim Adkins Hannover mit offenen Armen und großen Gesten. Der Jubel des Capitols spricht für sich. Gemeinsam mit den Freunden Jim Adkins, Rick Burch (Bass), Tom Linton (Gitarre), Zach Lind (Schlagzeug) und Robin Vining (als Tourunterstützung am Keyboard und der Gitarre) wird an diesem Abend den Problemen des manchmal so grauen Alltags entflohen, um zwanglos und ausgelassen zu feiern. Für die passende Atmosphäre sorgen die vier gigantischen Straßenlaternen an jeder Bühnenecke, die gedimmtes Licht spenden.

Zuvor hatte die US-amerikanische Band Turnover den Abend mit einer Mischung aus Indie-Rock-/Pop-Punk-/Dream-Pop und dabei Tiefenentspannung versprüht. Sänger Austin Getz bedankt sich für das herzliche Willkommen und dankt Jimmy Eat World, sie hierher mit auf Tour genommen zu haben.
Vorschau Bild 1Vorschau Bild 2Vorschau Bild 3Fotostrecke (5 Bilder) -Foto(s): Jeff Kahra

Damals und heute

Im Rockszene-Interview (demnächst hier zu sehen) am Abend kurz vor Einlass erzählen Jim und Tom, warum sie nach 19 Jahren nun endlich wieder zurück in der Leinestadt sind. „Wir wollten wirklich gerne einen Gig hier in Hannover spielen“, sagt Sänger Jim. „Es hat nur leider aus irgendeinem Grund nicht geklappt. Und dieses Mal ist es an der Zeit“, lächelt er. „Das letzte Mal, als wir hier gespielt haben, haben wir zwei Shows gespielt! Zwei Shows, erinnerst du dich?“, fügt Gitarrist Tom hinzu. „Ja, das war im Korn (UJZ Kornstraße - Anm. d. Red.)“, antwortet Jim.

Von damals erinnern sie sich noch daran, dass die Konzertstätte ihnen einen Schlafplatz vor Ort zur Verfügung stellte, was zu der Zeit eher selten vorkam und wofür sie sehr dankbar sind. „Und die Shows waren großartig, wie eine große Party“, berichtet Jim weiter von damals. „Alle waren sehr nah und es hat sehr viel Spaß gemacht. Ein bisschen eigenartig, aber das ist Rock `n` Roll“. Auf die Frage, was die Fans von der gestrigen Show erwarten könnten, antwortet er: „Sehr heiß, alle gehen ab, Rock `n` Roll, laut.“ Und genauso sollte es kommen.

Wie prophezeit verwandelt sich das Capitol in kürzester Zeit in eine Sauna. Doch das hält niemanden davon ab, sich ausgiebig zu bewegen und wie verrückt auf und ab zu springen. Stillzustehen wird bei Hymnen wie „The Middle“, „Sweetness“ und „Bleed American“, die einfach nicht fehlen dürfen, zur Herkulesaufgabe.

Alle Facetten

Im Vergleich zum Konzert im Huxleys in Berlin im vergangenen Juni liegt die norddeutsche Crowd deutlich vorne, was das Abgehen angeht. Es wird hemmungslos umhergesprungen, gecrowdsurft und aus ganzer Seele mitgegrölt. Keine Spur von Reserviertheit.

Allerdings war der Sound im Huxleys klarer und satter. Im Capitol sind die Vocals anfangs eher undeutlich zu hören, was der musikalischen und gesanglichen Leistung nicht gerecht wird. Im Verlauf der Show bessert es sich glücklicherweise noch.

„What’s up, kids and drunks?!?“, ruft der Frontmann an passender Stelle während des Songs “Big Casino” und erntet bestätigenden Enthusiasmus. Jimmy Eat World präsentieren sich in all ihren Farben und Facetten: mal glückstrahlend, laut und kraftvoll, mal leise, nachdenklich und melancholisch, schillernd, stilvoll, immer leidenschaftlich, hochemotional und trotzdem echt und nahbar.

Die fünf Jungs aus der Wüste haben das Geschick, mittels ihrer Musik eine starke Bindung zu jedem Fan aufzubauen und alle mitzureißen. Viel unaufgefordertes Klatschen seitens des Publikums. Da kommt schon Festivalfeeling auf. Die Freude zeichnet sich auch auf den strahlenden Gesichtern der Band ab.

In Jim Adkins Songtexten können sich viele Menschen wiederfinden und die Stücke so zu einem Teil ihrer ganz persönlichen Geschichte machen. Das wird vor allem deutlich, als sich der komplette Saal in einen Chor verwandelt und wirklich jeder Einzelne jedes Wort von „Hear You Me“ und „23“ mitsingt. Das Schöne dabei ist, dass aus 1.600 verschiedenen Gründen mitgesungen wird.

Auch, was die Setlist betrifft, hat Gitarrist Tom Linton Recht behalten, als er im Interview mit Rockszene sagte, dass sie etwas von all ihren Alben spielen würden. Die bunte Mischung aus Songs reicht von „Futures“ über „Always Be“, „A Praise Chorus“, „Dizzy“, „I Will Steal You Back“, „Work“, „Kill“, bis zu älteren Titeln wie „Lucky Denver Mint“, „Blister“, „For Me This Is Heaven“, „Goodbye Sky Harbor“, „Crush“ bis hin zu Deep Cuts von ihrem Major-Label-Debüt „Static Prevails“, aber auch neueres Material vom aktuellen Album „Integrity Blues“ wie „Pass The Baby“, „Get Right“, "Sure And Certain" und „It Matters“, sowie das brandneue „Love Never“ und hält für jeden Geschmack etwas bereit.

Trotz all der Shows, die die Band um Jim Adkins, Rick Burch, Tom Linton und Zach Lind in ihrer musikalischen Laufbahn auf dem Buckel hat, gelingt es ihnen mit Leichtigkeit, dass sich jede Show wie etwas ganz Besonderes anfühlt.

“Es ist eine Ehre, für euch Musik zu spielen“

Zwischen den Songs nimmt sich Frontmann Jim die Zeit, eine kleine, witzige Anekdote mit dem Publikum zu teilen: „`The Middle` war zu der Zeit als Single noch nicht so wirklich durch die Decke gegangen. Aber „Bleed American“ war gerade rausgekommen und mehr Leute, als wir es bislang gewohnt waren, kannten uns. Wir spielten etwas größere Shows und ich erinnere mich an eine. Es war ein Radio-Festival in den Vereinigten Staaten. Ich erinnere mich, dass ich da rumsaß und ein paar andere Jungs gehört habe, wie sie über uns sprachen. Die haben nicht einmal mitbekommen, dass ich da auch in der Nähe saß. Und einer von ihnen sagte: `Das ist so abgefuckt. Den Typen von Jimmy Eat World sprüht immer einer mit Nebel ein!`, in dem Glauben, dass ich nicht wirklich schwitze und einfach bloß ein Poser wäre. Das ist immer schön, wenn ich nach Deutschland komme, da kann ich erstmal alle Mythen ausräumen“, scherzt er.

Als sich das unvergessliche Konzert dem Ende naht, wird Jim Adkins noch einmal ernst: „Es ist eine Ehre, für euch Musik zu spielen. Danke, dass ihr eure Zeit in das investiert, was wir tun“.

„Wow. Hannover. Ihr ward eine unglaubliche Crowd! Danke, dass ihr so großartig zu uns seid. Und danke auch an Turnover für’s Großartig-Sein“, schreibt die Band aus Arizona auf ihren Social-Media-Kanälen nach ihrem Auftritt im Capitol.

Jimmy Eat World konnten scheinbar spüren, dass man sie hier vermisst hat. Bleibt zu hoffen, dass das nächste Mal nicht wieder zwei Jahrzehnte auf sich warten lassen wird.

INFO-BOX

Links
externer Link www.jimmyeatworld.com
externer Link www.fourartists.com
externer Link www.hannover-concerts.de
externer Link www.capitol-hannover.de
externer Link www.turnovermusic.net

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