Bildrechte: Lisa Eimermacher

Bei den Nitrogods auf der Bühne fast immer in Bewegung: Oimel (links) und Henny (rechts), hier beim Nitrofest 2017, versprühten auch in diesem Jahren viel Spaß und Spielfreude.

Bis der Hase kommt

Runder Rock´n´Roll beim Nitrofest im MusikZentrum

01. April 2018, Von: Andreas Haug, Foto(s): Lisa Eimermacher

Beim 6.Nitrofest am gestrigen Samstag ging es mit rundem Rock´n´Roll gut gelaunt in die Osternacht. Volter, The Dirty Denims, Nitrogods, Dead Lord und einige Hundert Besucher im sehr ansprechend gefüllten MusikZentrum feierten auch in diesem Jahr eine friedlich-fröhliche Konzertparty. Sowohl musikalisch als auch organisatorisch präsentierte sich das Nitrofest als inzwischen absolut verlässliche Größe in der Konzertlandschaft Hannovers. Am Abend vor dem Osterfest wirkte die Rock´n´Roll Party dieses Mal eine Spur gemütlicher und entspannter als in früheren Jahren.

Für Fans von handgemachtem Rock, Rock´n´Roll und Hardrock ist das einmal im Jahr in Hannover stattfindende Nitrofest eine feste Adresse. Der Rahmen ist klar abgesteckt, überschaubar, längst vertraut und bewährt und auch die eingespielten Abläufe scheinen die Besucher zu mögen. Das Nitrofest findet im MusikZentrum statt, man kann sich darauf verlassen, dass vor der Halle ein Imbisswagen in Betrieb ist, es in der Halle noch ein zusätzliches Getränkeangebot gibt, jeweils immer vier Bands spielen, darunter auf jeden Fall die Nitrogods und als Opener meist eine Band aus Hannover, der Region oder dem näheren Umkreis. Rock und Rock´n´Roll, Gitarren, Bass, Schlagzeug, rau-kehlige Gesänge und Röhrenverstärker. Keine Experimente.

Als Volter, das stilistisch so stark an Motörhead erinnernde Trio aus Hannover pünktlich um 20 Uhr startet, ist die Halle bereits bis fast an die Bühnenkante vorn angenehm gefüllt. Es ist was los, die Kulisse ist sehr ansprechend, aber es herrscht kein Geschiebe und Gedränge. An der Theke wird man freundlich und zügig mit Getränken versorgt, der Sound ist ausgewogen und anfangs sogar fast ein wenig defensiv. Volter hat man in Hannover sonst immer wesentlich lauter und unglaublich druckvoll erlebt, hier beim Nitrofest kommt man ohne Gehörschutz aus und das dürfte für die meisten ebenfalls einen entspannten Einstieg in den Abend bedeuten.

„Happy Hardrock“

The Dirty Denims aus dem niederländischen Eindhoven waren hier im MusikZentrum bereits beim Nitrofest 2014 zu Gast und sorgten bereits vor vier Jahren für einen nachhaltigen Eindruck. Die Band um Sängerin und Gitarristin Mirjam, Gitarrist Jereon, Bassist Marc und Schlagzeugerin Jordi freut sich sichtlich, wieder beim Nitrofest dabei zu sein und versprüht mit ihrem frischen –wie es die Band selbst nennt- „Happy Hardrock“ gute Laune. Inspiriert von den allseits bekannten Riff-Rock-Bands, sicher auch von AC/DC, läuft die Band wie eine gut geölte Maschine. Frontfrau Mirjam erinnert durchaus an Joan Jett und hält im Verlauf der Show stets einen guten Kontakt zum sichtlich gut gestimmten Publikum.

Inzwischen hat auch die Lautstärke in der Halle angezogen, aber es ist alles in einem Bereich, der ein klein wenig drückt und schiebt, aber niemals piekst oder gar weh tut. Warm und kompakt klingender Rock, wie aus der analogen Zeit. Das MusikZentrum wird in diesem Moment zum größten Live-Pub der Stadt.

Spaßfunke bis auf die Empore

Wie immer gekonnt, dieses Mal aber ohne längere Moderationen zwischen den Songs, spielen die Nitrogods ihre Show, die von den treuen Fans in gewohnter Manier gefeiert wird. Gitarrist und Sänger Henny Wolter, Bassist und Sänger Oimel Larcher und Schlagzeuger Klaus Sperling gehören zu den sehr routinierten Rockbands, die es aber nicht raushängen lassen, dass sie schon häufiger als ein paar Hundert Mal in ihrem Leben den Rock´n´Roll auf einer Bühne praktizierten. Vor allem wenn man Gitarrist Henny und Bassist Oimel beobachtet, wie sie mit einem Lächeln und mancherlei Grinsen über die Bühne toben und letzterer kaum dazu kommt, sein im Getränkehalter am Mikrofonständer sorgfältig vorbereitetes dunkles Weizenbier zu trinken, dann springt der Spaßfunke sogar bis nach oben auf die Empore des Clubs.

Mitternacht rückt näher und damit der Ostersonntag. Kalt ist es vor dem MusikZentrum, vor allem, wenn ein eisiger Wind um die Häuser weht. Wer sich noch eine Stärkung in Form etwa einer Bratcurry mit Brot am Imbiss gönnt, erledigt den Verzehr in der Regel äußerst zügig, um schnellstmöglich wieder in die warme Halle zu kommen.

Dort haben inzwischen Dead Lord aus der schwedischen Metropole Stockholm ihre imposante Vintage-Backline aufgebaut. Gegen kurz nach 23.30 Uhr zeigt sich, dass beim heutigen Nitrofest auch zu vorgerückter Stunde noch sehr viele Menschen in der Halle sind. Hatten sich im vergangenen Jahr vor dem Auftritt der letzten Band die Reihen im MusikZentrum spürbar gelichtet, bleiben heute fast alle da. Vor allem von Dead Lord scheinen einige Fans hier zu sein, die restlichen Besucher sind mindestens sehr interessiert, was die quirlige Band aus Schweden hier zu bieten hat.

So geraten die folgenden 90 Minuten mit der Rock-und Hardrockband nochmal zu einem echten Konzert, das ähnlich rund über die Bühne geht, wie die Sets der anderen Bands davor. Dead Lord haben auch einige eingängige, fast in den Pop spielende Melodien in ihren Songs, der das Quartett andererseits auch nicht so wirklich greifbar macht.

„Eingefroren 1972“

Rein optisch könnte man meinen, Dead Lord seien hier direkt aus einer speziellen Kältekammer mit der Aufschrift „Eingefroren 1972“ befreit, aufgetaut und losgelassen worden. Mit ihren Frisuren, Jeanswesten, Stirnband oder Uniformjacke mit Fransen-Schulter-Aufsätzen, sowie mancher Rocker-Gruppen-Pose am Bühnenrand, strapaziert die Band nicht wenige Show-Klischees, die man eigentlich in der ewigen Mottenkiste des 70er-Glam-irgendwas-Rock vergraben geglaubt hatte oder ansonsten eher von vorhersehbaren Oldie-Coverbands gewohnt ist.

Solide geht es bei Dead Lord zur Sache, hier und da hätten die Musik und der Vortrag durchaus noch etwas mehr Würze vertragen können. Während einige Anwesende eher semi-überzeugt wirken, wird ganz vorn getanzt und gefeiert. Ein würdiger Abschluss für das mittlerweile bereits sechste Nitrofest ist diese Show allemal.

Die Uhr geht auf 1.00 Uhr am frühen Ostersonntag zu. Draußen vor der Halle, unter den Kastanien hinter dem Imbisswagen und in der Nähe des Backstage-Bereichs, wollen vereinzelte Besucher und Musiker um diese Zeit flink hoppelnde Tiere mit langen Ohren gesichtet haben, die sich –sobald entdeckt- umgehend in Gebüschen versteckt haben sollen. Dies ist aber nicht mehr als eine Randnotiz, denn Drinnen erlebt das Nitrofest just den Abschluss des offiziellen Teils der diesjährigen Rock´n´Roll-Party.

Einige Fans, Musiker, Veranstalter und Mitarbeiter der Produktion verweilen noch eine ganze Weile im oder am MusikZentrum und lassen den Abend so entspannt, freundlich und gemütlich ausklingen, wie er gestartet war. Ob man sehr viel später noch kollektiv auf die Suche nach potenziellen Ei-Ablage-Plätzen auf dem Gelände gegangen ist, konnte der Verfasser dieser Zeilen abschließend nicht mehr in Erfahrung bringen.

INFO-BOX

Links
externer Link www.nitrofest.de
externer Link www.nitrogods.de
externer Link www.volterzone.de
externer Link www.thedirtydenims.nl
externer Link www.deadlord.com

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