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Nach sechs Jahren zurück: Kettcar um Sänger, Gitarrist und Songschreiber Marcus Wiebusch spielten im ausverkauften Capitol in Hannover.

Für Träumer und Hoffende

Kettcar spielten im ausverkauften Capitol

09. Februar 2018, Von: Tobias Lehmann, Foto(s): Constantin Rimpel

Melancholie in der Liebe, klare Ansagen in der Politik: Kettcar haben am gestrigen Donnerstag ihr neues Album „Ich vs. Wir“ im ausverkauften Capitol vorgestellt. Dabei kamen aber auch die Lieder ihrer anderen Alben nicht zu kurz. Die Band freute sich sichtlich, nach sechs Jahren erstmals wieder in Hannover zu spielen und dabei immer noch so begeistert angenommen zu werden. Die Besucher lauschten verzückt den ruhigeren Liedern und jubelten ausgelassen bei den rockigeren Songs.

Das wohlige Gefühl einer Gänsehaut, die vor Rührung entsteht. Es werden wohl nicht wenige gewesen sein, die genau das beim Kettcar-Konzert im Capitol erlebt haben. Ob im Emo-Block mit drei Liebesliedern, in dem Song „Ankunftshalle“ dessen Schönheit einem Tränen in die Augen treibt, oder in „Der Tag wird kommen“, den Marcus Wiebusch auf seinem Soloalbum veröffentlicht hat und den er augenzwinkernd als Coverversion ankündigt. Wiebusch kriegt sie alle.
Vorschau Bild 1Vorschau Bild 2Vorschau Bild 3Fotostrecke (5 Bilder) -Foto(s): Constantin Rimpel
Es ist dieses einzigartige Talent des Storytellings, das Wiebusch so besonders auszeichnet. Wenn er in „Balkon gegenüber“ von der Traurigkeit desjenigen berichtet, der von seiner Freundin verlassen wurde. Oder wenn er im Opener „Trostbrücke Süd“ von der Einsamkeit der Menschen auf dem Weg zur Arbeit berichtet. Dazu wird ein Video von einer Busfahrt eingespielt, das Hörer der ersten Stunde möglicherweise auch an die Zeile „irgendwie schon besser im Taxi zu weinen als im hvv-bus oder nicht“ denken lässt. Doch das Lied kommt später. Ein Besucher ist aufgrund des Videos zunächst irritiert. „Wird das jetzt hier ein Hörspielkonzert?“, fragt er.

Ganz falsch liegt er damit gar nicht. Denn Kettcar-Songs lassen sich durchaus als Hörspielerzählungen hören. Wiebusch setzt die Worte so geschickt, dass Bilder vor den Augen des Hörers erscheinen, die in vielen Fällen die Möglichkeit der Identifikation bieten. Meist haben Kettcars Lieder eine eher melancholische Note. Doch es gibt Ausnahmen. Dazu zählt „Rettung“, das einzige Lied vom vierten Album der Band an diesem Abend.

Liebeslieder als Politbrett

Aus allen anderen Alben werden die großen und kleinen Hits gespielt, mal leise mit akustischer Gitarre, mal als ordentliche Rocknummern. Wiebusch sagt, dass er die Vision hat, dass die Fans irgendwann gar keinen Unterschied mehr zwischen den Liebesliedern und den eher politischen hören. „Jetzt kommt das Politbrett Balu“, sagt er schmunzelnd und berichtet musikalisch davon, dass seine Angebetete New York sei und er selbst Wanne-Eickel.

Doch es wird auch noch konkret politisch, zum Beispiel mit dem Song „Sommer '89“. „Es ist menschlich, Notleidenden durch Zäune zu helfen. Humanismus ist nicht verhandelbar“, sagt Wiebusch und die Band spielt „Wagenburg“ direkt im Anschluss. Berührend wird es dann auch nochmal im Zugabenblock, wenn Wiebusch „Der Tag wird kommen" spielt, das Lied gegen Homophobie im Fußball. Und fast alle der 1600 Besucher winken zustimmend mit dem Arm.

Am Ende verabschiedet sich Wiebusch begeistert. „Wir waren sechs Jahre weg und ihr seid alle wieder gekommen. Danke, das ist nicht selbstverständlich“, sagt er. Kettcar kennen sich auch noch in Hannover aus. Bassist Reimer Bustorff lässt die alte Punkattitüde aufblitzen und sagt, dass er sich mittags am Kröpcke das erste Dosenbier geöffnet hat und wusste: „Jetzt bin ich wieder in Hannover.“

Entlassen werden die Besucher schließlich mit dem Lied „Revolver entsichern“, das all den „großherzigen Träumern und Hoffenden der Zeit“ gewidmet ist. Und da ist es wieder: Das melancholisch träumende und so große Herz dieser Band.

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Links
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externer Link www.livingconcerts.de
externer Link www.capitol-hannover.de

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