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Sehr intensiv und persönlich: Nathan Gray gab in Hannover ein Solo-Konzert in der Warenannahme des Kulturzentrums Faust.

Glück gegen Angst

Nathan Gray spielte Solo-Konzert in der Faust

05. Februar 2018, Von: C.Rimpel/aufgez.A.Haug, Foto(s): Constantin Rimpel

Nathan Gray, vor allem bekannt als Sänger, Shouter und Frontmann der Post-Hardcore Band Boysetsfire, kann auch leisere Töne anschlagen. Bei seinem Solo-Konzert am gestrigen Sonntagabend in der seit langem ausverkauften Warenannahme im Kulturzentrum Faust in Hannover, fesselte der Musiker das Publikum mit intensiven Songs. Persönliche Erlebnisse, Religionskritik und Politik waren einige der Themen. Die intime Atmosphäre war durch einen engen, zuweilen herzlichen Kontakt zwischen Künstler und Publikum geprägt. Gray teilte zwischen den Songs einige seiner Gedanken und das sorgte für so manchen Gänsehautmoment und auch Tränen in den Augen – nicht nur bei den Fans.

Ein größeres Publikum kennt Nathan Gray als harten, stimmgewaltigen Shouter der mit seinen Bands Boysetsfire im Post-Hardcore und mit The Casting Out bis zu deren Ende 2015 auch im Metalcore über die Bühnen tobt, respektive tobte.

Heute ist der Sänger und Gitarrist in der Warenannahme des Kulturzentrums Faust zu Gast, ein Ort für besondere Konzerte, für leisere Töne. Dieser Klub im Klub mit Sitztribüne im alternativen Theaterambiente bereitet nicht oft die Bühne für Musiker, die sonst in harten Gefilden unterwegs sind, aber wenn, dann gab es hier schon früher magische Momente. Einige mögen sich an ein Akustik-Konzert der Punk-Rock Ikonen Joey Cape und dem 2012 verstorbenen Tony Sly im Februar 2010 erinnern, als beide im Trio mit Jon Snodgrass hier eine Akustik-Punk- und Folk-Punk-Party entfachten. Mit Solo-Sets und zusammen. Auch damals war das Haus ausverkauft.

Unter den rund 100-120 Gästen in der vollbesetzten Warenannahme erblickt man heute viele Boysetsfire-T-Shirts, was kaum verwundert. Nathan Gray hat Songs aus seinen Solo-Alben „Until The Darkness Takes Us“ und seinen neuesten Werk „Ferral Hymns“ dabei, schöpft aber auch aus dem Repertoire seiner angestammten Band. Reduziert, mit E-Gitarre und Gesang.
Vorschau Bild 1Vorschau Bild 2Vorschau Bild 3Fotostrecke (5 Bilder) -Foto(s): Constantin Rimpel
Trotz seiner langjährigen Erfahrung ist dieses Solo-Konzert in Hannover für Nathan Gray augenscheinlich ein ganz spezielles. Er wirkt sichtlich nervös und merkt immer wieder an, wie aufgeregt er sei und was ihm die Unterstützung seiner Fans bedeuten würde. Aktive Musikerinnen und Musiker, die einmal oder häufiger allein auf einer Bühne gestanden haben, wo sie sich sonst mit einer kompletten Band bewegen, dürften den Unterschied kennen, der groß, manchmal riesengroß ist. „Mit Band zu spielen ist, als hättest du ´ne Armee im Rücken, alleine zu spielen, ist wie zum Psychiater zu gehen, man fühlt sich so verletzlich“, erklärt das Gray aus seiner Sicht.

Nun steht hier aber kein Musiker mit zitternden Knien vor seinem Publikum in Hannover, sondern einer, der zwar viele tiefgründige und ernste Songs mit kritischen Botschaften spielt und singt, zwischendurch aber auch zu kleinen Scherzen aufgelegt ist: „Zur Vorbereitung auf die Tour habe ich vor meinen Kindern geübt. Die verurteilen dich wenigstens nicht und verlieren irgendwann das Interesse“, scheint Gray seine anfängliche Angespanntheit zu überspielen und fügt an: „Das Schöne, alleine zu spielen ist, dass man auf niemanden Rücksicht nehmen muss – du verkackst für dich alleine!“

Damit schafft Nathan Gray auf lockere Weise weiter Nähe zu den Zuhörerinnen und Zuhörern, die zeitweise nahezu gebannt Songs wie „Echoes“ und „Damascus“ lauschen. In beiden setzt sich der Musiker kritisch mit den Themen Kirche und Religionen auseinander. Dem vor einigen Jahren an Krebs verstorbenen Sänger der Band Red Tape Parade gedenkt er mit seiner Version des Songs „Leap Year Of Faith“.

Glückliche machen niemanden unglücklich

Von Boysetsfire präsentiert Nathan Gray seine Solo-Version von „Walk Astray“ und spricht im Anschluss über eine seit einiger Zeit besorgniserregende politische und gesellschaftspolitische Entwicklung, dem Zulauf bei den politisch Rechten. Dem stellt sich Gray entgegen und erklärt beinahe schon Mut machend: „Sie benutzen Angst, um ihre Ziele zu erreichen. Wenn sie uns keine Angst machen können, haben sie schon verloren.“ Es folgt ein positiver Appell mit Strahlkraft: „Versucht, glücklich zu sein, denn Glückliche machen niemanden unglücklich!“

Anderthalb Stunden spielt Nathan Gray in der Warenannahme, obendrauf gibt er noch drei Zugaben und nicht nur seine Fans sind des Öfteren im Verlauf des Abends berührt und bewegt, von der Musik, den Texten, der Künstlerpersönlichkeit und den Worten zwischen den Songs.

Nach dem Konzert kommt Nathan Gray ins Publikum um sich für die von ihm so gewünschte Unterstützung zu bedanken. Er hat Tränen in den Augen, seine Stimme ist brüchig. Vor Glück gerührt nimmt er sich noch ausgiebig Zeit, mit Fans Fotos zu machen und Platten signieren.

Für eingefleischte Fans war es sichtlich ein sehr intensiver Abend oder –wie einer am Ausgang begeistert simpel ausdrückt- ein „Mega-Konzert“. Unter den bis vor diesem Auftritt eher interessierten, neugierigen Gästen, dürfte Gray heute einige neue Fans gewonnen haben.

INFO-BOX

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