Bildrechte: Constantin Rimpel

Expressiv und wuchtig: Fjørt bei ihrer Hannover-Show im ausverkauften MusikZentrum

Der bunte Hardcore-Zirkus

Fjørt spielten im ausverkauften MusikZentrum

21. Januar 2018, Von: Sabrina Kleinertz, Foto(s): Constantin Rimpel

Erst 2012 gründeten Chris Hell, David Frings und Frank Schophaus die Band Fjørt, die sich stilistisch besonders dem Post-Hardcore verschrieben hat. Drei Alben mit überwiegend deutschsprachigen Texten und mehr als ein Dutzend Videos entstanden so bereits und auch live sind die drei Aachener gern gesehene Gäste. Die Hälfte der aktuellen Couleur-Tour-Termine waren zum Jahresbeginn ausverkauft und so fieberten die Fans in Hannover der Show im MusikZentrum entgegen.

Luft zum Atmen ist noch genug vorhanden, Platz zum Tanzen weniger. Denn wenn 500 Besucher im MusikZentrum sind, dann heißt das zum einen „Ausverkauft!“ und zum anderen, dass man mit seinen Nachbarn schnell per Du wird. Um kurz nach acht macht die Support-Band Être den Anfang, während einige Fans an ihrem Bier nippen, im Handy stöbern oder sich mit ihren Nachbarn unterhalten. Zwischen den Songs gibt es Applaus, aber dass hier auf den Hauptact gewartet wird, spürt man auch. Hannover wärmt sich auf und Être gibt Hilfestellung.
Vorschau Bild 1Vorschau Bild 2Vorschau Bild 3Fotostrecke (5 Bilder) -Foto(s): Constantin Rimpel
Dann steigt Nebel auf, ein leichtfüßiges Intro setzt ein und die drei Musiker betreten die Bühne. Für eine kurze Verbeugung ist noch Zeit, dann setzt wildes Strobolicht ein und aus den Verstärkern brüllt die Musik. Zu klaren Melodien und sanftem bis kratzbürstigem Gesang wimmeln die Scheinwerfer als dünne Strahlen durch den Raum. Gelegentlich zerbersten sie an der Diskokugel und fallen wie Bruchstücke durcheinander, an anderer Stelle teilen sie den Raum in geometrische Formen. „So groß haben wir noch nie gespielt“, verkündet Fjørt in einem Mix aus bodenloser Freude und unterschwelliger Ehrfurcht.

Die Musik von Fjørt; deutschsprachiger Post-Hardcore mit durchdachten Texten, geht nach vorne. Und die Musiker im wahrsten Sinne des Wortes ebenso. Chris Hell (Gesang, Gitarre) und David Frings (Bass, Gesang) sprinten zwischen den Songzeilen über die Bühne, reißen ihre Instrumente energetisch herum und beugen sich weit in den Zuschauerraum. Nur Bandkollege Frank Schophaus kann nicht mithalten. „Wie auch?!“, fragt man sich ironisch und wird doch gleich belehrt, indem der Schlagzeuger Trommeln und Becken so bearbeitet, dass so gut wie jeder Schlag Kniescheiben und auch Kehlköpfe wackeln und zittern lässt.

Post-Hardcore als Hauptgang, politische Statements als Beilage

Wer gedanklich noch in der Arbeitswoche gefangen ist, den rüttelt der Beat wach und treibt den Herzschlag an. Doch nicht nur mit ihrer Musik positioniert sich die dreiköpfige Band an diesem Abend ganz deutlich. „Abgesehen davon, dass wir wahrscheinlich noch 27 Mal Danke sagen werden, ist es auch so, dass wir das vergangene Jahr dafür nutzen konnten, an unserem neuen Album zu arbeiten. Andere hingegen haben die Zeit genutzt und bei der Bundestagswahl ihr Kreuz bei der AfD gemacht“, beginnt die kurze Zwischensprache, „wir werden das nicht hinnehmen.“ Nicht nur über Musik reden, sondern mit seinem Umfeld auch über politische Themen sprechen, darauf weist die dreiköpfige Band hin. Post-Hardcore als Hauptgang, politische Statements als Beilage.

Während der eine oder andere Stagediver seine Runden zieht, leuchtet die Bühne zeitweilig abwechselnd in blau und gelb. Wie im Zeitraffer scheinen Tag und Nacht vorbeizuziehen. Die Lichtshow, die die Band im Gepäck hat, kennt nahezu alle Farben des Regenbogens und wird treffsicher eingesetzt. Währenddessen blicken vom Banner zwei als Clowns verkleidetete Kinder in den Zuschauerraum. Sanft und aufmerksam wirkt das Foto, das auch das Cover ihres aktuellen Albums „Couleur“ ziert. Nach einer Zugabe schallt der letzte Ton stark vor sich hin, erwartungsvolle Blicke und Applaus richten sich gen Bühne und wieder steigt Nebel auf.

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