Bildrechte: Jeff Kahra

Rief zur "Party des Jahres" auf: Marteria begeisterte über mehr als zwei Stunden in der ausverkauften Swiss Life Hall in Hannover.

Marten, Marsi und die ganz große Familie

Mehr als zwei Stunden Party mit Marteria in Hannover

16. Dezember 2017, Von: Andreas Haug, Foto(s): Jeff Kahra

Mit einem mehr als zweistündigen Konzert, das über weite Strecken zu einer einzigen großen HipHop-Party geriet, hat der Rapper Marteria am gestrigen Freitagabend in der lange im Voraus ausverkauften Swiss Life Hall in Hannover augenscheinlich so gut wie alle 5000 Besucher in seinen Bann gezogen und oft zum ausgelassenen Tanzen und Springen gebracht. Seine vielköpfige Band, darunter Kid Simius, der den Abend mit seinem Programm eröffnete, gab den nötigen Druck und Groove. Die Backgroundsängerinnen rückten bei kurzen Solo-Spots ganz vorn ins Rampenlicht und auch Marterias Alter Ego Marsimoto sorgte für Wirbel und ernannte Hannover zur „Marsi-Stadt“.

Ein richtiges HipHop-Konzert muss man als Besucher nicht nur hören und sehen, sondern die Musik, die Beats vor allem auch spüren. Dann ist die Grundlage fürs Feiern oder auch hartes Feiern geschaffen. Als Marteria um Punkt 20.50 Uhr die Bühne in der Swiss Life Hall in Hannover betritt, kribbelt es bis in die hintersten Reihen unter den Fußsohlen, die Hosenbeine flattern leicht und der Bass drückt in den Magen. Darüber harte, laute, knallende Beats. Der Sound hier ist eine echte und nachhaltige Ansage, der oft im Jargon gebrauchte Ausdruck „fett“ darf auf „super fett“ gesteigert werden.

Laut und brillant bei sehr guter Textverständlichkeit, das macht Spaß, ist aber nichts für Leute, die einen entspannten Ausklang der Arbeitswoche erleben möchte. Es ist eine Show die packt, aufrüttelt und fordert.

An diesem Freitagabend soll es in Hannover „die Party des Jahres“ werden verkündet Marteria, der mit bürgerlichem Vornamen Marten heißt, gleich zu Beginn. „Regel Nummer eins: Alle aufstehen“, erklärt der Rapper, der bei fast jedem Song die Fans auffordert die Hände in die Höhe zu nehmen. Dem kommen die meisten der 5000 ohnehin von sich aus nach, viele dürften wissen, wie es auf einem Marteria-Konzert zugeht respektive zugehen soll: Fröhlich, freundschaftlich und vor allem: familiär. Band und Publikum sind für Marteria „eine einzige, große Familie.“
Vorschau Bild 1Vorschau Bild 2Vorschau Bild 3Fotostrecke (4 Bilder) -Foto(s): Jeff Kahra
Es gibt ganz viel vom aktuellen Album „Roswell“, gleichzeitig das Motto der so gut wie komplett ausverkauften Tour. Der Titeltrack ist auch der Show-Opener, dazu kommen Songs wie „Aliens“, „Scotty, beam mich hoch“ oder „El Presidente“. Die Party braucht hier in der Swiss Life keinen langen Anlauf. Fast eine Stunde geben Marteria und seine Band Vollgas.

Auf dem Bildschirm im Hintergrund laufen Animationen, die man als angenehm schräg, witzig, eigentlich aber als abgefahren bezeichnen kann. Es geht schön verrückt zu, auch visuell. Nicht wenige vom Lebensalter reifere Besucher im Publikum erfreuen sich an dem Affen aus Donkey Kong, einem frühzeitlichen Telespiel aus den Achtzigern. Aber auch Aliens und seltsam verfremdete, Känguru-ähnliche Wesen huschen durchs Bild.

„Hannover ist eine Marsi-Stadt“

Zeit ein bisschen zu verschnaufen, kurz mal einen Gang zurückzuschalten gibt es nach fast einer Stunde, mit Songs wie „Verstrahlt“, „Große Brüder“ und „Hier kommt Louis“. Diesen Song widmet Marteria seinem Sohn.

Kurz darauf ist Zeit für Marsimoto, der die in giftgrünes Licht getauchte Bühne entert. Dahinter steckt, Fans wissen dass, ebenfalls Marteria. Als Außerirdischer mit in die Höhe verfremdeter Vocoder-Stimme. Marsimoto hat die Tracks „Grüner Samt“, „Eine kleine Bühne“, „Der Nazi und das Gras“ und „Der Döner in mir“ mitgebracht und erklärt abschließend Hannover zur „Marsi- Stadt“ Auch dieses Show-Feature wird in der Swiss Life Hall gefeiert.

Als Marten dann als Marteria auf die Bühne zurückkehrt, fordert er erstmal Applaus für Marsimoto ein. Der kommt prompt und dann wird die Party-Maschine wieder angeworfen. Marteria zeigt keine Ermüdungserscheinungen und treibt das Publikum weiterhin an: „Hannover, die Hände hoch!“ ist die am meisten durch die Halle schallende Aufforderung, aber auch mal die an die Jungs und Männer, die Mädchen und Frauen auf die Schultern zu nehmen.

„OMG“ und „Kids (2 Finger an den Kopf)“ lassen die 5000 mitsingen und springen, bis dann bei „Lila Wolken“ Co-Sänger und -Rapper Pete Boateng die erste Strophe übernimmt und auch eine der drei Backgroundsängerinnen ein Feature bekommt. Das sind Akzente, die dem Konzert gut stehen: Alle Vokalisten bekommen am Abend ihren Solo-Part, einmal macht sich feuriges brasilianisches Fiesta-Feeling in der Halle breit.

Die letzten 20 Sekunden

Man sollte über ein Marteria-Konzert nicht vor Ende der letzten Zugabe urteilen, das dürften viele Besucher erkennen, die das erste Mal einer HipHop/Dancehall/Elektro/Pop-Party des Rostockers und seiner Musikerfamilie beiwohnen. Zum Abschluss wird es beinahe ekstatisch. Gefühlt zwanzig Mal kündigt Marteria abwechselnd an: „Dies sind die letzten 20 Sekunden dieses Abends“, „und dies allerletzten 20 Sekunden“, „und dies sind die letzten 20 Sekunden“. Dazwischen tobt und springt die Halle zu harten Beats, wie auf einem Rave, der der letzte auf dieser Welt zu sein scheint.

Es geht jetzt wirklich hoch her, der Boden im Innenraum zittert und bebt und auch die Tribünen mit den Klappsitzen werden einem Spring-Belastbarkeitstest unterzogen. Effekte lassen Feuer zur Hallendecke lodern, Papierfäden werden gen Menge geschossen. Marteria & Co. feiern inzwischen mit freiem Oberkörper, im Publikum werden T-Shirts geschwungen und durch die Gegend geworfen. Marteria sagt die Feier-Features vorher im Detail an. Als man dann glaubt, diese verrückte Show sei vorbei, heißt es erneut: „und dies sind die letzten 20 Sekunden“ bis dann vor der Bühne auch noch Kornkreise zu Moshpits werden sollen.

Als dann um kurz vor 23 Uhr endgültig Schluss ist schallt lauter Jubel, brandet tosender Applaus durch die Halle. Ein beeindruckendes Konzert im positivsten Sinne war es allemal und für einige dürfte dies tatsächlich die „Party des Jahres“ gewesen sein.

Wer diese verpasst hat oder in Hannover nochmal mit Marteria und der „ganzen großen Familie“ feiern will: Am 20.März 2018 gibt es in der Swiss Life Hall ein Zusatzkonzert und noch sind dafür -Stand 15.Dezember 2017- Karten erhältlich.

INFO-BOX

Links
externer Link www.marteria.com
externer Link www.livingconcerts.de
externer Link www.swisslife-hall.de

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