Bildrechte: Torsten Gadegast

Zum 40-jährigen Bandjubiläum auf Abschiedstour: SAGA im ausverkauften Capitol in Hannover.

Respekt!

SAGA verabschieden sich im ausverkauften Capitol

11. November 2017, Von: Andreas Haug, Foto(s): Torsten Gadegast

Ihr 40-jähriges Jubiläum nimmt die kanadische Progressive-/Art-Rock-Band SAGA derzeit zum Anlass, sich im Rahmen einer besonderen Tournee von der Bühne, von ihren Fans zu verabschieden. Am gestrigen Freitagabend spielten SAGA in Hannover. Das Capitol meldete bereits einige Tage zuvor: Ausverkauft! Zunächst gab es ein, für die Band und ihre oft technisch-elektronisch geprägte Musik, ungewohntes, 35-minütigen Akustik-Set, bis es nach einer Umbaupause über weitere zwei Stunden vollverstärkt zur Sache ging. Aufgeräumt und routiniert lieferte die Band wie gewohnt ab, bis die 1600 Besucher zum Ende des Abends noch einige feine und emotional berührende Momente erleben konnten.

Ende der Siebziger/Anfang der Achtziger waren SAGA für die damalige Zeit eine nahezu innovative Band, die spätestens nach ihrem TV-Konzert-Auftritt bei „Rock/Pop in Concert“ im Dezember 1981 auch in Deutschland einem größeren, einem breiterem Publikum bekannt wurde. SAGA markierten wie kaum eine andere Band einen Übergang von einer Dekade zur nächsten. Progressive-Rock mit kompositorischen und spielerischen Strukturen der ausgehenden 1970er-Jahre traf auf elektronische Sounds, auf New Wave und Pop, wie er für die beginnenden 1980er-Jahre stand.
Vorschau Bild 1Vorschau Bild 2Vorschau Bild 3Fotostrecke (5 Bilder) -Foto(s): Torsten Gadegast
Hervorragendes Handwerk und Songwriting und perfekte, mitunter kühle Technik vereinten sich. Virtuos gespielte E-Gitarre und melodischer Gesang vertragen sich mit opulenten Synthesizer-Arrangements und elektronischen Drum-Beats. Art-Rock war der stilistische Begriff dafür.

SAGA wussten mit ihrem so individuellen Sound und ihren Songs, die man sowohl als Konsens, wie auch als individuell, künstlerisch originell begreifen konnte, viele zu begeistern: Die, die es mit handgemachtem, anspruchsvollem Progressive-Rock einerseits hielten und anderseits eingängige Melodien und Klangfarben des synthetisch geprägten, leicht sterilen 80er Pop-Rock-Mainstream mochten.

Erst Akustik-Konzert, dann zwei Stunden Rockshow

Umso ungewohnter und positiv überraschender, dass die Kanadier den heutigen Hannover-Auftritt mit einem in sich geschlossen Akustik-Konzert in eigener Bühnenszenerie beginnen. In einer geschmackvoll ausgestatteten Kulisse mit Bücherregal-Imitaten und altertümlichen Tischlampen spielt die Band gut 35 Minuten, bringt eine entspannt-beschwingte Folk-Atmosphäre in den Klub. Kleines Percussion-Besteck, Akustik-Gitarren und –Bass. Dazu kommen Keyboards mit Klavier-Sounds und obendrauf auch noch Akkordeon und Klarinette zum Einsatz. Sänger Michael Sadler, mittlerweile 63 Jahre alt, ist ausgezeichnet bei Stimme und körperlich in einer augenscheinlich großartigen Verfassung. Sportlich, schlank und rank und mit blitzblanken Augen die freundlich aus entspannten Gesichtszügen hervorstechen.

Nach einer knapp halbstündigen Umbaupause und einem kompletten Szenenwechsel starten SAGA mit „How Long“ ihre vollverstärkte Show. Knapp zwei Stunden lang nehmen sie ihre Fans noch einmal mit durch 40 Jahre Bandkarriere und viele Songklassiker. Ob „On The Loose“, „Humble Stance“, „Time´s Up“, „Your Not Alone“ oder „Don´t Be Late” – kaum ein Hit der Band fehlt im Programm. Ein „Best-Of-“-Konzert war angekündigt, ein „Best-Of-Konzert” wird geboten. Aufgeräumt, perfekt durchgetaktet. Songs, wie an der Schnur gezogen.

Der für Rockkonzerte ein wenig sterile und kalkuliert wirkende Ansatz von SAGA, den man durchaus kritisch sehen kann, entpuppt sich dann aber mindestens insofern als Vorteil, dass fast alle Songs nahezu im gewohnten Tempo auf die Bühne gebracht werden, wie man es von den Alben oder früheren Shows kennt. Während andere Bands aus der Generation SAGA auch gern mal das Tempo drosseln und ihr Repertoire eine Spur gezügelter präsentieren, ist bei SAGA eigentlich fast alles wie früher, fast wie immer. Absolut verlässlich.

Momente voll Nostalgie

Im Zugabenblock, der durch „The Flyer“ eingeleitet wird, sind sie dann da, die ganz besonderen Momente. Es ist Zeit für Nostalgie, Zeit für die Verbindung zwischen Früher und Heute und diese schaffen SAGA -ohne dick aufzutragen- mit einem sehr originellen, persönlichen Show-Special. Während die Band im Capitol ihren Super-Hit und Allzeit-Live-Favoriten „Wind Him Up” in die Menge schickt, läuft synchron die Rock-am-Ring-Performance dieses Songs aus dem Jahr 1985 über die große Leinwand hinter der Bühne.

Es sind nahezu perfekt synchronisiert die gleichen Gesten, die gleichen Bewegungen der Musiker, die mit einem Zeitabstand von etwas mehr als 32 Jahren über die Leinwand und gleichzeitig live über die Bühne des Capitols gehen. Man muss zunächst genau hinschauen: Wenn Sänger Michael Sadler während der heutigen Perfomance dem solierenden Gitarristen Ian Chrichton den Arm um die Schulter legt, ist es die fast perfekte Kopie, wie das Szenebild von der Rock-am-Ring-Bühne im Frühling 1985 das wie ein bewegtes Spiegelbild, das hinten auf der Leinwand abläuft.

„Wir werden nie vergessen“

Das ist ein Gänsehaut-Moment, denn die meisten der hier Anwesenden, werden den Rock-Am-Ring-Gig von SAGA kennen, wenigstens aber die TV-Aufzeichnung. Es war dazu das allererste Rock-am-Ring-Festival, das überhaupt stattfand. Die Premiere.

Nach einer allerletzten Zugabe ist dann um kurz 23.00 Uhr Feierabend im Capitol. Lautstarker Applaus der 1600 und eine schöne, beinahe schon bescheidene, wie berührende Verabschiedung der Musiker vom Bühnenrand aus. Michael Sadler lächelt freundlich- zufrieden, legt sich kurz die rechte Faust ans Herz und sagt auf Deutsch: „Wir werden nie vergessen“. Und nach einer kurzen Pause: „Und Tschüss“.

Danke und Respekt, SAGA und alles, alles Gute!

INFO-BOX

Links
externer Link www.sagaontour.moonfruit.com

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