Bildrechte: Lisa Eimermacher

Voller Leidenschaft: Ignite-Sänger Zoltán "Zoli" Téglás bei der Show am gestrigen Abend.

Harte Kerle mit großen Herzen

Ignite bei ihrer Show im Kulturzentrum Faust

15. Juli 2017, Von: Lisa Eimermacher, Foto(s): Lisa Eimermacher

Die Melodic Hardcore- und Hardcore-Punk-Band Ignite aus Kalifornien hat es sich seit ihrer Gründung 1993 zur Aufgabe gemacht, sich für das Gute in der Welt einzusetzen. Nach fast 25 Jahren verfolgen sie dieses Ziel noch immer konsequent, ohne dabei ihre brachiale Rohheit zu vernachlässigen. Das bewies die Band aus Orange County am gestrigen Freitag bei ihrem Auftritt im Kulturzentrum Faust in Hannover.

Es mag klischeehaft oder gar kitschig klingen, wenn man den gestandenen Kerlen von Ignite unterstellt, dass sich unter der harten Schale ein weicher Kern verbirgt. Doch es lässt sich nicht leugnen, dass die Hardcore-Veteranen nicht nur mit ihren Texten, in denen sie sich häufig mit Umwelt- und Politik-Problemen beschäftigen, für Gerechtigkeit kämpfen wollen. Auch ihr politisches und soziales Engagement wie etwa die regelmäßige Unterstützung von Organisationen wie Earth First, Doctors Without Borders, Sea Shepheard und Pacific Wildlife macht das deutlich. Und das tragen sie auch ganz offen nach außen.

„Meine Bestimmung war es schon immer, Musik zu spielen, um eine Veränderung herbeizuführen“, wie es Sänger Zoltán Téglás einmal treffend formulierte. „Wenn ich das nicht tue, dann sollte ich auch nicht auf der Bühne stehen“, sagt Zoltán.

Mit unberechenbarer Wucht erschüttert das Melodic-Hardcore-Quartett um Sänger Zoltán „Zoli“ Téglás, Bassist Brett Rasmussen, Gitarrist Kevin Kilkenny und Schlagzeuger Craig Anderson die 60er-Jahre-Halle des Kulturzentrum Faust, nachdem die Vorband The Headlines aus Malmö, Schweden, den Punkrock-Abend gebührend eröffnet und die Menge ganz nah an die Bühne gelockt hat.

Wucht und Emotionen

Es ist heiß, laut, eng und schwitzig – wie es sich für ein Konzert der härteren Gangart eben gehört. Während Sänger Zoltán Téglás signifikante Texte voller Leidenschaft melodisch ins Mikrofon brüllt und die Band von Song zu Song knüppelt, stürmen kontinuierlich adrenalingeladene Fans die Bühne, schlagen kurz mit den Bandmitgliedern ein, bevor sie sich zurück in die Menge stürzen.

Mit brachialer Rohheit und gleichzeitig feinfühliger Emotionalität präsentieren Ignite Hymnen wie „Live For Better Days“, „Let It Burn“, „Fear Is Our Tradition“ und die grandiose Cover-Version des U2-Hits „Sunday Bloody Sunday“ aus dem 2006 erschienenen Erfolgs-Album „Our Darkest Days“. Aber auch ältere Stücke wie „Embrace“ von 1996 und „Veteran“ aus dem Jahr 2000. Neuere Lieder wie „Nothing Can Stop Me“ aus dem aktuellen Album „A War Against You“, das im vergangenen Jahr veröffentlicht wurde, stoßen ebenfalls auf große Resonanz bei den Fans. Als Belohnung dafür gröhlt ihnen das Publikum beinahe jede Textzeile entgegen und crowdsurft unerbittlich als ginge es ums glatte Überleben.

Ein Fan aus Wisconsin sei an diesem Abend hier in Hannover, erklärt Bassist Brett Rasmussen, als sich besagter Fan vorbei an den Securities auf die Bühne geschlichen hat, um von dort über die Köpfe des Publikum zu schweben. „Das war ja total schlecht“, lacht Sänger Zoltán. „Halt, bringt ihn wieder zurück“, rufen Sänger und Bassist. Anschließend demonstriert Brett Rasmussen, wie das mit dem Stagediving richtig geht.

Sänger „Zoli“ Téglás betont, dass es hier darum gehe, sich gegenseitig zu achten, wieder auf die Beine zu helfen und gemeinsamen Spaß zu haben und erkundigt sich besorgt um das Wohlergehen eines gestürzten Crowdsurfers während eines Songs.

Auch zwischen den Songs macht Frontmann „Zoli“ auf Themen wie psychische Erkrankungen aufmerksam und spricht die aktuellen politischen Geschehnisse wie die aktuellen Nachrichten über US-Präsidenten Donald Trump offen an: „Da wünscht man sich ja glatt George W. Bush zurück! Dieser Song geht an alle Republikaner, die vielleicht für ihn [Trump] gestimmt haben: `Know Your History`“.

Ihre musikalischen Einflüsse holte sich die Band aus Südkalifornien bei bekannten Hardcore-Punk-Gruppen wie 7 Seconds, Bad Brains, Minor Threat, Dag Nasty, Quicksand und Refused.

„Wir lieben es, hierherzukommen“

1994 spielten Ignite erstmalig in Deutschland, erinnern sie während der Show. „Es hat immer sehr viel Spaß gemacht“, erzählt Bassist Brett Rasmussen, der sich nach der Show noch Zeit für Gespräche und Fotos mit den Fans nimmt. „Die Leute hier haben uns immer unterstützt, beinahe mehr als jedes andere Land der Welt. Wir lieben es, hierherzukommen, um für alle zu spielen, die zu unseren Konzerten kommen. Und wie man sieht, das ist jetzt 24 Jahre später und es ist proppenvoll. Das ist großartig!“

Mit dem gestrigen Konzert in Hannover hat die Band aus Orange County ihre Tour eröffnet. „Es ist immer neu und komisch, auch wenn die letzte Show nur zwei Wochen zurückliegt“, meint Brett. „Für die erste Show hoffen wir immer besonders, dass alles gut geht und das heute war toll“.

Zum Abschluss gibt Brett noch einen kurzen Ausblick über die zukünftigen Pläne der Band: „Jetzt stehen demnächst noch einige Shows und Festivals für die Tour an. Feste Pläne für Aufnahmen haben wir noch nicht, aber wir arbeiten an ein paar Songs“.

Nach etwa einer Stunde und zwei Zugaben haben Ignite sich und dem Publikum jeden restlichen Tropfen Schweiß aus den Poren getrieben. Schließlich soll man gehen, wenn es am Schönsten ist. Dankbar werden noch Hände in den ersten Reihen geschüttelt.

Nico aus Berlin hat Ignite am gestrigen Abend etwa zum 20. Mal live spielen sehen und teilt seinen Eindruck von der Show: „Es war gut, es war okay. Es kam mir so vor, als hätten sie einfach ein Konzert gespielt. Es war nicht wirklich so, dass die Jungs dabei waren, es war eher so: `Ich habe ein Konzert gespielt. Hallo Hannover, hier bin ich und das war’s`. Ansonsten ist Ignite immer gut seit 20 Jahren“.

Nicos Kumpel Lorenz widerspricht ihm: „Es war mein erstes Ignite-Konzert. Es war atemberaubend, auch, wenn wir hier andere Meinungen haben. Es hat sehr viel Spaß gemacht. Das war an sich ein wunderschöner Abend und ich hoffe, er geht jetzt noch wunderschön weiter“.

INFO-BOX

Links
externer Link www.igniteband.com
externer Link www.facebook.com/igniteband
externer Link www.kulturzentrum-faust.de

Tools
Drucken Artikel drucken (PDF) Versenden Artikel versenden An Redaktion E-Mail an Redaktion


Ähnliche Artikel

, Foto(s): Promo-/PressefreigabeFeuer gefangen
Ignite im Juli auf Hannover-Besuch

27.06.2017, Von: Redaktion, Foto(s): Promo-/Pressefreigabe

 


, Foto(s): Promo-/PressefreigabeMetal-Paket im Mephisto
Crowbar spielen heute in Hannover

25.05.2017, Von: Redaktion, Foto(s): Promo-/Pressefreigabe

 


, Foto(s): Promo-/PressefreigabeMai-Feierlichkeiten in Hannover
Partys in den Clubs, Live-Musik auf der Faust-Wiese

29.04.2017, Von: Redaktion, Foto(s): Promo-/Pressefreigabe

 


, Foto(s): Nils BrederowSelbstironischer Anti-Humor
Hannoversches Trio Ego Super Montag im Gretchen

29.04.2017, Von: Redaktion, Foto(s): Nils Brederow

 


, Foto(s): Barbara MürdterWir wünschen: Friedlich-freundliche Ostern
Kurze Pause in der Redaktion – Tipps für die Feiertage

14.04.2017, Von: Redaktion, Foto(s): Barbara Mürdter

 




Zur Startseite