Bildrechte: Brigitte Haug

Schauplatz eines von nur drei Deutschland-Konzerten von Little Steven & The Disciples Of Soul war am Freitag, den 16.Juni, die Batschkapp in Frankfurt.

Gegen den Strom zur Quelle

Little Steven spielte rares Deutschland-Konzert

19. Juni 2017, Von: Andreas Haug, Foto(s): Brigitte Haug

Fast wie aus dem Nichts überraschte vor erst wenigen Wochen die Meldung, dass Steve van Zandt a.k.a. Little Steven, seit Jahrzehnten vor allem als enger musikalischer Partner von Bruce Springsteen und langjährig prägendes Mitglied der E-Street-Band bekannt, ein neues Solo-Album aufgenommen und zu diesem Zweck eine neue Besetzung der Disciples Of Soul zusammengestellt hat. Eine verhältnismäßig kurzfristig zusammengestellte Tour führte die 15-köpfige Besetzung am vergangenen Freitag zu einem von nur drei Deutschland-Konzerten nach Frankfurt in die Batschkapp.

Einerseits ist Steve van Zandt neben Nils Lofgren Gitarrist von Bruce Springsteens E-Street-Band und in dieser Funktion seit Jahren weltweit in großen Arenen und Stadien unterwegs. Van Zandt war aber immer mehr als nur ein Sideman. Ob als Co-Produzent, Arrangeur oder Songwriting-Partner dürfte er zu den wichtigsten Personen im engeren Umfeld von „The Boss“ gehören und auch an dessen Erfolg maßgeblichen Anteil haben.

Anfang / Mitte der 1980er-Jahre trennte sich van Zandt für viele Jahre von Bruce Springsteen, stellte eine Band mit dem Namen The Disciples Of Soul zusammen, war deren Sänger, Gitarrist und Frontmann, produzierte einige Alben und tourte als Little Steven & The Disciples Of Soul. Seit der Reunion der E-Street-Band 1999 hatte van Zandt seine eigene Band vernachlässigt und ist in diesen Wochen dabei, sich und eine neu formierte Besetzung mit dem Album „Soulfire“ und einer kleinen Tournee quasi zu re-launchen.

Eines von nur drei Deutschland-Konzerten

Eines von nur drei kurzfristig angesetzten Deutschland-Konzerten findet am Freitagabend, den 16.Juni im Frankfurter Club Batschkapp statt. Eher eine kleine bis mittelgroße Halle, als ein typischer Club und zu diesem Anlass sehr ordentlich gefüllt. Entgegen unserer Gewohnheiten in der ansonsten konsequenten lokalen und regionalen Hannover-spezifischen Berichterstattung, haben wir uns zu einer Reise nach Frankfurt entschieden.

Die Batschkapp überrascht positiv mit einer feinen Infrastruktur und entspannt-professionell wie sehr freundlichem Personal auf allen Positionen dieser Konzertveranstaltung. Draußen vor der Halle gibt es jede Menge überdachte Sitzgelegenheiten, Speisen-und Getränkewagen, Parkplätze und eine U-Bahn-Haltestelle in unmittelbarer Nähe.

In sehr großer Besetzung

Zunächst noch gewöhnungsbedürftig ist an diesem Abend der Sound in der Batschkapp, vor allem hinter dem großen Mischpult. Es braucht ein, zwei Songs, bis der Techniker die wohl nicht leichten Bedingungen mit 15 Musikerinnen und Musikern auf der Bühne klangtechnisch in den Griff bekommt.

Die Bühne ist recht groß, wird aber bis auf den letzten Zentimeter von Musikern und Equipment genutzt. Little Steven & The Disciples Of Soul bestehen von der Basis aus einer größeren Rock-Band-Besetzung ergänzt um Backgroundsängerinnen, vielköpfigem Bläser-Ensemble und einem Perkussionisten.Man erblickt einige Bruce-Springsteen und E-Street-Band-T-Shirts im Publikum, das vom Alter zumeist irgendwo zwischen Ende 40 und Anfang/Mitte 60 anzusiedeln ist. Im Schnitt 55, das mag stimmen. Die neuen Little-Steven-And-The-Disciples-Of-Soul-T-Shirts in der Größe XL sind bereits vor Showbeginn am Merchandise-Stand ausverkauft, der Rest dann um kurz nach 22 Uhr, als der letzte Ton der Zugabe verklungen ist.

Satte zwei Stunden steht Little Steven, der 66-jährige Gitarrist, Sänger und Bandleader hier mit seiner Rock´n´Roll-Big-Band auf der Bühne und spielt ein höchst abwechslungsreiches Konzert.

Besuch vom Rockpalast-Erfinder

Er wolle mit dieser Band wieder auf sich aufmerksam machen, Musik in dem Stil spielen, mit der er in den 1950er-und 1960er-Jahren des vorherigen Jahrhunderts aufgewachsen ist, die ihn nachhaltig geprägt und selbst als Künstler beeinflusst hat.

Die heutige Show mit dieser vergleichsweise riesigen Besetzung wirkt ein bisschen wie aus einer anderen Zeit und das scheinen die Fans hier in der Batschkapp zu genießen. Es bedarf keiner großen Animationen, der Applaus nach dem Abschluss vieler Songs laut, manchmal sehr laut und anhaltend. Des Öfteren wird mitgeklatscht und –gesungen. Eine Stimmung, wie man es von Konzerten aus den Achtzigern kennt.

Wer vor Konzertbeginn am Front-Of-House-Mischpult-Platz steht oder dort herumläuft, dem fällt auf einem Klappstuhl sitzender, freundlich dreinschauender älterer Herr mit nahezu weißen Haaren und schwarzem Jackett auf. Rockpalast-Erfinder-und Macher-Legende Peter Rüchel ist ebenfalls hier. Er hatte Little Steven & Disciples Of Soul 1982 und 1984 zu zwei Rockpalast-Festivals nach Deutschland geholt und somit sicherlich auch dafür gesorgt, dass der Act hierzulande bekannt wird.

Rock´n´Roll, Soul, Blues und Reggae

Little Steven & The Disciples Of Soul spielen heute Abend fast alle Songs aus dem neuen „Soulfire“-Album, dazu Klassiker wie „Princess Of Little Italy“ oder „Forever“. Die Musik klingt in dieser großen Bandbesetzung nahezu cineastisch, zuweilen wie ein Soundtrack zu US-Filmen aus den Sechzigern. Die Mischung aus Soul, Rock, Rock´n´Roll, Rhythm ´n´Blues und Blues ist würzig, tanzbar und nostalgisch zugleich. Gen Ende gibt es groovigen Reggae: „Solidarity“ erklingt und auch die von unter anderem Jackson Browne und Pearl Jam adaptierte Little-Steven-Hymne „I´m A Patriot“ sorgt für fröhliche Entspannung.

Van Zandt selbst überzeugt durch seine Charakterstimme, seine Ausstrahlung und sein Gitarrenspiel in dessen Verlauf gerade bei Soli so gut wieder jeder Ton irgendwo zwischen Herz und Bauch herauszukommen scheint.

Selten sieht und hört man so kurzweilige, abwechslungsreiche Konzerte. Die zwei Stunden reine Show-Zeit vergehen wie im Pflug. Ein Vorprogramm hatte es nicht gegeben und so spielte sich diese Rock´n´Roll-, Soul-, Blues-und Reggae-Party ganz einfach zwischen 20.00 Uhr und 22.00 Uhr ab. „Johnny B.Goode“, der alte Chuck Berry-Klassiker ist die Zugabe.

Little Steven bedankt sich bei den zahlreichen, den KFZ-Kennzeichen vor der Batschkapp nach zu urteilen auch über das Rhein-Main-Gebiet hinaus erschienen Besuchern. „We´ll be back in fall“, ruft van Zandt noch in die Menge.

Draußen herrschen noch angenehme Temperaturen um die 18 °C, es ist nahezu windstill. Zeit, noch vor der Batschkapp Platz zu nehmen, eventuell noch einen Snack oder ein Getränk zu nehmen und darüber zu diskutieren, wann und wo diese einmalige Band mit ihrem Bandleader im Herbst in Deutschland wohl nochmal auftreten könnte.

Zunächst steht jetzt im Sommer noch eine Show am 2.Juli in Regensburg auf dem Programm.

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