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Bildrechte: Lisa Eimermacher

Entschlossen: Das Team des Béi Chéz Heinz kämpft mit einem alternativen Nutzungskonzept für den Erhalt des bisherigen Standortes in der Liepmannstraße.

Eine neue Chance für das Béi Chéz Heinz?

Hannoverscher Klub stellt Alternativnutzungskonzept vor

10. Juni 2017, Von: Lisa Eimermacher, Foto(s): Lisa Eimermacher

Seit mehr als einem Jahr wird in Hannover über die Zukunft des Fössebades und damit auch über die des in den Kellerräumen ansässigen Musikklubs Béi Chéz Heinz diskutiert. Der Auslöser für die Debatte war der Plan der Stadt Hannover, das alte Fössebad abzureißen und mit einem Neubau und einer Wohnbebauung zu ersetzen. Die Betreiber des Klubs und viele Sympathisanten plädieren für einen Erhalt des Béi Chéz Heinz am angestammten Platz in der Liepmannstraße. Wie das mit einem alternativen Nutzungskonzept gelingen könnte, erklärten die Verantwortlichen des Klubs am vergangenen Donnerstag im Verlauf einer öffentlichen Informationsveranstaltung.

Das Interesse ist groß: Das Béi Chéz Heinz ist mit etwa 150 Besuchern gut gefüllt, fast jeder Stuhl vor der Bühne ist besetzt. Viele aus der Lindener Szene haben sich hier versammelt, um Antworten zur Zukunft ihres „Kellers des Vertrauens“ - wie er von vielen genannt wird – zu bekommen.

Das Team des Béi Chéz Heinz um die führenden Köpfe Jürgen Grambeck, Christian Sölter und Stefan Hennigsen, stellt heute ihr Alternativkonzept vor. Dies sieht vor, dass der bisherige Standort in der Liepmannstraße erhalten werden kann. „Einige denken, das Béi Chéz Heinz macht am 1. Januar 2018 zu. Dem ist nicht so“, sagt BCH-Geschäftsführer Jürgen Grambeck und führt fort: „ Solange das alte Fössebad hier steht, so lange bleiben wir jetzt auch erstmal hier.“ Applaus vom Publikum. „Aber die Zeit vergeht ja schneller als man denkt. Die Stadt will am 15. Juni schon Grundsatzbeschlüsse fassen, in denen es dann heißt, das Béi Chéz Heinz ist im Prinzip nicht mehr vorgesehen“, so der Heinz-Chef weiter.

Seit einigen Jahren wird das Fössebad von der privaten Fössebad Betriebsgesellschaft betrieben. Nun hat die Stadt vor, das Bad wieder selbst zu übernehmen.

Die Pläne der Stadt sehen vor, ein neues Bad neben dem alten Gebäude des Fössebades zu errichten und das alte Bad nach der Fertigstellung des Neubaus abzureißen. Dies würde auch das Aus des Béi Chéz Heinz bedeuten. Auf der dann frei werdenden Fläche ist eine Wohnbebauung vorgesehen.

Das Alternativkonzept des Heinz

Der Vorschlag der Heinz-Macher ist folgender: Wenn es laut Plan der Verwaltung möglich sei, das alte Fössebad solange stehen zu lassen bis das neue gebaut wird, könne doch auch der Teil über dem Kellerclub darüber hinaus stehen bleiben.

Bei einem Teilerhalt des Fössebades, wie es sich die Heinz-Macher vorstellen, würden die Räumlichkeiten im Erdgeschoss zum Keller hinzukommen. Durch die Vergrößerung könnten weitere kulturell förderliche Angebote wie Bandproberäume und auch Übungsräume für den Musikunterricht der Stadt eingerichtet werden.

„Man hat im Mai 2017 nach fünf Jahren endlich einen Beschlussvorschlag präsentiert. Dieser soll nun innerhalb von 38 Tagen durch sämtliche Gremien der Stadt gebracht werden. Der Vorschlag der Verwaltung sieht vor, ein Hallenbad mit 50 Meter Sportbecken, Lehrschwimmbecken und Kinderbecken zu bauen. Kein Freibad mehr“, erklärt Jürgen Grambeck.

Das Freibad sei von Beginn an ein fester Teil des Plans und auch bei einer Bürgerbefragung der Wunsch der Lindener gewesen, so der Chef des Clubs. Werde der aktuelle Vorschlag der Stadt so umgesetzt, gebe es außer dem Freibad auch kein BCH, kein Tonstudio und keine Bandproberäume mehr. Die Baukosten für den Vorschlag der Verwaltung lägen bei etwa 19,5 Millionen Euro. Ein vergleichbares Bad in Neustadt am Rübenberge mit einem 25 Meter Becken sei deutlich günstiger und würde auch den Vorstellungen der Lindener entsprechen.

Ein Umzug des Béi Chéz Heinz innerhalb des Stadtteils Linden-Limmer sei laut Jürgen Grambeck nahezu unrealisierbar.

Der Spirit des Béi Chéz Heinz

Wie wichtig der Lindener Gemeinde der Kellerklub ist, betont Heinz-Macher und Programmplaner Christian Sölter: „Ich bin vielen für ihr Engagement über die Jahre sehr dankbar. Ich weiß, ich habe ein Rudel verdammt geiler Menschen vor mir und das macht sau viel Spaß. Das ist der Spirit, von dem das Béi Chéz Heinz lebt, den wir hier auch brauchen“. Für dieses Statement erntet er Applaus.

„Zu der Aussage, dass das alles finanziell nicht darstellbar ist, habe ich eins zu sagen“, so Christian Sölter weiter: „Der ganze Laden ist hier finanziell nicht darstellbar. Das ist unlogisch; uns darf es nicht geben. Weil: Wir kriegen keine Kohle, wir machen das. Was wir heute einnehmen, geben wir morgen wieder aus und bauen da was von. Und das ist Kamikaze, das ist idealistisch. Aber ich finde, dass es funktioniert, sieht man daran, dass ihr hier sitzt. Der Laden – naja, er ist schädderig, aber er ist cool, oder?“, sagt Sölter. Wieder Applaus und zustimmende Pfiffe aus dem Publikum.

Um weitere Unterstützung zu bekommen, wurde am gestrigen Freitag eine Online-Petition gestartet. Am heutigen Samstag um 16 Uhr findet eine Einwohnerversammlung im Freizeitheim Linden statt, bei der weitere Informationen bekannt gegeben werden sollen. Der Sportausschuss tagt am kommenden Montag, den 12. Juni. Bei der nächsten Ratssitzung der Stadt Hannover, am kommenden Donnerstag, den 15. Juni, soll über das Thema entschieden werden. Im Vorfeld wird das Béi Chéz Heinz sein alternatives Nutzungskonzept allen Ratsmitgliedern per Brief vorstellen.

In einer Diskussionsrunde meldet sich auch das Publikum zu Wort. Das Statement der Heinz-Besucherin Marta spiegelt die allgemeine Stimmung gegenüber den bisherigen, vorläufigen Planungen der Stadt wider: „Wenn die hierherkommen, um unseren Stadtteil zu planen und über unsere Köpfe hinweg zu entscheiden, dann können wir auch vors Rathaus ziehen und da ein Freibad eröffnen. Und dann können wir sagen, was wir hier brauchen. Wir geben auf jeden Fall nicht nach“.

Der vom Musikklub engagierte Bauingenieur bekräftigt, dass es möglich sei, einen Teil des alten Fössebades stehen zu lassen. Der Bauingenieur lobt das Engagement der Beteiligten. Abschließend schlägt er vor: „Macht doch eine kleine Demo vorm Rathaus, wenn die tagen. So würde ich das machen“. Dieser Vorschlag wird mit Applaus angenommen.

Die „Herkulesaufgabe“

All dies setze allerdings voraus, dass auf die Wohnbebauung am Fössebad verzichtet werden müsse, erklärt Jürgen Grambeck. Das hieße, dass zusätzlich zu den 2 Millionen Euro für das gewünschte Freibad noch 800.000 Euro fehlen würden.

„Wir wissen, dass die Stadt Hannover sehr klamm ist, aber wir wissen auch, dass die Stadt Hannover dringend Kindertagesstätten bauen muss“, erklärt Jürgen Grambeck. Bevor sie an anderer Stelle Grundstücke kaufe, könne sie den Standort beim Fössebad nutzen. Dies sei ein einigermaßen kostenneutraler Vorschlag.

Um dies umzusetzen, solle die Stadt das Restgebäude an das Béi Chéz Heinz verpachten. Damit läge die wirtschaftliche Verantwortung für das Gebäude beim BCH. Durch die Vermietung der dazugewonnenen Räumlichkeiten stünden dem Heinz kalkuliert etwa 60.000 Euro jährlich zur Verfügung, zur Realisierung der Baumaßnahmen etwa 750.000 Euro. „Ich gebe zu, es ist eine Herkulesaufgabe, aber ich bin auch optimistisch“, sagt Jürgen Grambeck.

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