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Metal mit Druck und Leidenschaft: Dystopolis gewinnen das Emergenza-Regio-Finale im Kulturzentrum Faust in Hannover.

Metal für Berlin

Dystopolis gewinnen Emergenza-Finale in Hannover

21. Mai 2017, Von: Andreas Haug, Foto(s): Lisa Eimermacher

Mit einem aus positiver Sicht sehr beeindruckendem Auftritt hat die Bremer Metalband Dystopolis das Emergenza- Regio-Finale Hannover gewonnen und nimmt somit am Nordostdeutschlandfinale des weltweit größten Bandwettbewerbs Anfang Juni in Berlin teil. Insgesamt neun Bands traten unter Wettbewerbsbedingungen am gestrigen Samstagabend im Kulturzentrum Faust in Hannover-Linden auf. Als special guest spielten Lady Moustache aus Frankfurt und Berlin. Die junge Band Cave Comrades aus Hannover erreichte den 2.Platz vor Massentrend auf dem 3.Platz

Es ist ein bemerkenswertes, mitunter ein vergleichsweise ungewöhnliches Regio-Finale von Emergenza in Hannover. In Hannover hatte sich vor wenigen Tagen der Frühling mit Sonnenschein und eigentlich frühsommerlichen Temperaturen durchgesetzt und so widmen sich die meisten Menschen rund um das Kulturzentrum Faust zum Show-Start um 18.00 Uhr noch der Entspannung im Freien. Lange Zeit bleibt der Füllstand der 60er-Jahre-Halle der Faust ungewöhnlich überschaubar, das sollte sich aber im späteren Verlauf dieses Emergenza-Hannover-Final-Abends noch ändern.
Vorschau Bild 1Vorschau Bild 2Vorschau Bild 3Fotostrecke (5 Bilder) -Foto(s): Lisa Eimermacher
Um 18.00 startet die Metal-Band Splithammer aus Peine ihren Gig und bietet eine durchweg solide Vorstellung. Man merkt den Musikern schon ihre Erfahrung an, auch was die frühere Teilnahme an Bandwettbewerben, wie etwa local heroes, angeht. Ein vernünftiger und harter Einstieg in einen langen Abend: Die ersten Besucher bewegen sich gen Bühne und Splithammer legen sich ins Zeug, das Publikum zum Mitmachen zu animieren.

Altersunterschiede von bis zu 49 Jahren

Raum 12 bringen im Anschluss ihre Mischung aus Rock, Rap und Punk auf die Bühne, während The Black Bush Eagles allein schon auf Grund ihrer Besetzung für erhöhte Aufmerksamkeit sorgen. Eine mindestens zwei Generationen (Musiker der Jahrgänge zwischen 1956 und 1996) umfassende Band, die eine Art Psychedelic- Folk-Rock mit einem gewissen Hippie-Charme präsentiert. Sympathisch die Band und ihr Auftritt hier in der Faust, musikalisch noch mit sehr viel Luft nach oben. Apropos Lebensalter, der hier bei Emergenza in Hannover auftretenden Musikerinnen und Musiker: Der älteste Musiker ist gemäß offiziellen Veranstalterangaben Jahrgang 1952, der jüngste Jahrgang 2001. Ein Altersunterschied von 49 Jahren!

Pegel haben auch zum Emergenza-Hannover-Finale ihren lockeren und stimmungsvollen Rock und Punk mitgebracht. Die Stimmung in der Faust steigt zusehends. Als nächstes sind Massentrend aus Hannover am Start. Inhaltlich widmet man sich politischen und sozialen Themen, agiert zwischen Rock und Punk und weiß hier in der Faust durchaus zu überzeugen, wenn nicht gar zu begeistern.

Die Stimmung steigt kontinuierlich weiter und findet zur Show der in Insiderkreisen der hiesigen Szene aufmerksam beobachteten Band Cave Comrades ihren vorläufigen Höhepunkt. Die junge Band spielt einen starken Set mit Songs, die man dem modernen Rock´n ´Roll zuschreiben kann. Viel Bewegung auf und verdienter Applaus und Jubel vor der Bühne, wo das Publikum jetzt dicht gedrängt steht. Cave Comrades kann man im Auge behalten oder sollte das sogar.

Spaß vor Professionalität:

Zuvor war die diesjährige Emergenza-Final- Show hier in der Faust Hannover qualitativ eher durchwachsen. Einigen Akteuren der auftretenden Bands in der ersten Halbzeit des heutigen Abends gelang es nicht immer, ihre Instrumente handwerklich korrekt zu bedienen, Gesangstöne sicher zu treffen und einige Male durfte die Frage erlaubt sein, ob verstimmte Saiteninstrumente und holpriges Zusammenwirken nun eine Art Stilmittel darstellen sollen. Es stand vermutlich der Spaß am Auftritt eindeutig vor Qualität oder gar Professionalität. Vielleicht ist das auch gar nicht so schlecht, wie man es im ersten Moment der in einigen Fällen arg schwachen Darbietungen befürchten konnte, denn teilnehmende Bands sollten Emergenza nutzen, wie sie es bräuchten, ob als Sprungbrett für eine mögliche, spätere Karriere oder dazu, ein paar Gigs in Clubs zu spielen, in denen sie im Regelfall sonst kaum auftreten könnten, wie es Emergenza-Chef Andrea Petricca kürzlich im Interview mit Rockszene.de sinngemäß ausdrückte.

Einige mögen die Cave Comrades nach deren vor Kraft, Energie und Spielfreude strotzendem und überzeugendem Auftritt schon ganz oben auf dem Siegertreppchen gesehen haben, aber es gab tatsächlich noch eine Steigerung. Nachdem Na Na He erneut einen sehr kultivierten, künstlerisch originellen wie spannenden Auftritt im näheren wie erweiterten Umfeld des Progressive Rock hingelegt hatten, brach die Metal-Band Dystopolis aus Bremen eine Show vom Zaun, die enthusiastische Fans einer Band der härteren Spielart bei anderen Gelegenheiten gern als „Abriss“ bezeichnen: Druck, sehr guter Sound, kompakte Songs und eine vitale Bühnenshow. Bei Dystopolis könnte man den Eindruck haben, diese Band spiele hier als so gut wie professioneller Act in einer special-guest-Funktion außer Konkurrenz.

Metal aus Bremen zündet in Hannover

Emergenza ist aber zwischen 21.30 Uhr und 22.00 Uhr immer noch im regulären Wettbewerb und Dystopolis sollen es wenig später nach Auszählung der Publikumsstimmen relativ knapp unter die ersten fünf Bands schaffen, die heute Abend in der Faust in die Jurybewertung kommen. Bei den Vertretern der neutralen Jury müssen Dystopolis dann offenbar einen sehr guten Eindruck hinterlassen haben, damit es am Ende zum 1.Platz für die Bremer Metaller reichte.

Die Groove-Rock, Metal / Alternative/Nu-Metal-Band Revelator aus Braunschweig schaffte es als letzte Wettbewerbsband auf Grund der verhältnismäßig wenigen Publikumsstimmen nicht in die Jurywertung, hinterlässt aber in zweierlei Hinsicht einen sehr guten Eindruck. Zum einen ist die Show mehr als zufriedenstellend, zum anderen borgen Revelator der aus Frankfurt und Berlin stammenden Special- Guest-Band Lady Moustache eine Gitarre aus. Der entsprechende Musiker der Band hatte sein Instrument daheim im Flur vergessen, aber mit der SG-Gitarre von Revelator, gelingt der Hannover-Auftritt von Lady Moustache vortrefflich.

Nach Publikum-und Jury-Wertung ergibt sich für Emergenza in Hannover folgendes Endergebnis: 1.Dystopolis, 2.Cave Comrades, 3.Massentrend, 4.Pegel und 5. Raum 12. Den Publikums-Preis erhalten Cave Comrades, die Band Revelator bekommt einen Sonderpreis von der Jury.

Dystopolis fahren somit zum Emergenza-Deutschland-Finale nach Berlin. Das Konzert dort soll über zwei Tage verteilt, am 21. und 22. Juli im Columbia-Theater über die dortige Bühne gehen. Das internationale Finale von Emergenza findet auch in diesem Jahr am 2.Augustwochenende auf dem Taubertal-Open-Air-Festival bei Rothenburg ob der Tauber statt.

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