Bildrechte: Jeff Kahra

Facettenreich zwischen Blues und Rock: Joe Bonamassa bei seiner Show in der Swiss Life Hall in Hannover.

Bewahrer des Blues

Joe Bonamassa spielte facettenreich in Hannover

15. Mai 2017, Von: Andreas Haug, Foto(s): Jeff Kahra

Vor rund zwölf Jahren spielte Joe Bonamassa hier in der Region noch in der Bluesgarage in Isernhagen. Damals galt er als so etwas wie das neue Wunderkind des Blues. Mittlerweile ist die Swiss Life Hall die angestammte Spielstätte, wenn der US-Gitarrist und Sänger Hannover auf seinen Touren besucht, so auch am gestrigen Sonntagabend. In der angenehm gefüllten, wenn auch nicht vollen Halle, spielten Joe Bonamassa und seine siebenköpfige Band ein mehr als zweistündiges, facettenreiches Konzert zwischen Blues und Rock.

„The Guitar Event Of The Year“ (Das Gitarren-Ereignis des Jahres), so ist das Motto der heutigen Tour-Show von Joe Bonamassa. An Instrumenten hat Bonamassa einiges im Gepäck: Gitarren der Modelle Stratocaster, Les Paul, Explorer, Flying-V und Telecaster, die der ausgezeichnete Musiker über vier hinter Plexiglas auf der Bühne verborgene Kofferverstärker bedient. Vor wenigen Tagen hatte Bonamassa sein 40.Lebensjahr vollendet, ein noch junger Mann –möchte man hervorheben- der traditionelle Musikfarben wie Blues und Rock mit Spielfreude und Leidenschaft pflegt.
Vorschau Bild 1Vorschau Bild 2Vorschau Bild 3Fotostrecke (5 Bilder) -Foto(s): Jeff Kahra
Es braucht ein wenig Anlauf, bis hier in Hannover der Funke überspringt, die Show wirklich zündet. In der Halle werden ausschließlich Sitzplätze angeboten, was einige als „wenig Rock´n´Roll“ empfinden. Der Sound ist anfangs noch etwas indifferent, aber das soll sich nach einigen Songs ändern. Schon beim Opener –„This Train“- zeigt der Gitarrist, was er an seinem Instrument drauf hat. Es folgen „Mountain Climbing“ und „Blues Of Desperation“, der Titeltrack seines vor etwas mehr als einem Jahr erschienenen, immer noch aktuellen Studio-Albums. Während der ersten drei Songs dürfen, wie auch sonst oft üblich, akkreditierte Fotografen ihre Bilder schießen und hier achtet der Gitarrist anscheinend bewusst auf optisch schlüssige Ästhetik. Jede seiner Gitarren korrespondiert farblich mit seinem Anzug in blau-grau. Das passt.

Blues hatte vor vielen Jahren einen Bart, wie es salopp unter Musikfans hieß und bedeutete, dass dieses Genre mit Vergangenheit gleichgesetzt wurde. Nichts Neues, alles bekannt, alles vertraut und irgendwann dreht sich alles im Kreis. Joe Bonamassa hat dem Blues in den letzten Jahren Frische verpasst, neues Leben eingehaucht, wenn auch nicht wirklich neue Akzente gesetzt. Das zeigt sich bei seinem heutigen Konzert. Bonamassa, mit seinen 40 Jahren vergleichsweise jung, gibt sich mehr als Bewahrer des Blues in seinen vielen Facetten. Er präsentiert bei dieser Show eine Mischung aus Rock und Blues mit Anklängen an Progressive-Rock, Psychedelic Rock und Hard-Rock, wie man diese Stile aus den späten Sechzigern und frühen Siebzigern in Erinnerung hat und deren Grundgerüst häufig der Blues war.

Gekonnt und geschmackvoll

Begleitet wird der in Los Angeles lebende Vollblutmusiker (oft zwei bis drei Album-Veröffentlichungen und zahlreiche Konzerte pro Jahr) von einer Band bestehend aus erfahrenen, renommierten Musikerinnen und Musikern, die bereits für zahlreiche andere Blues-und Rockmusiker live oder im Studio spielten und hier in Hannover Bonamassa die Basis legen, auf der der Gitarrist seine mitunter feurigen Soli zelebrieren kann. Ob sanft, im Zwiegespräch mit der Trompete von Lee Thornburg oder exzessiv in sich selbst versunken am Bühnenrand: Der Mann im tendenziell zu engen, bald sichtlich durchgeschwitzten Anzug steht hier im Mittelpunkt, blickt zuweilen über den Rand seiner Sonnenbrille, dreht Stück für Stück auf und liefert gekonnt und geschmackvoll ab.

Was zu Beginn ein solides Rock-und Blues-Konzert klassischer Prägung ist, wird mehr und mehr zu einem packenden Ereignis. Nach knapp 70 Minuten begrüßt Joe Bonamassa erstmals das Publikum und stellt seine Band vor. Die Stammbesetzung besteht aus Keyboarder Reese Wynans (auch mit Orgel und Leslie ausgestattet), Schlagzeuger Anton Fig, Bassist Michael Rhodes, Trompeter Lee Thornburg und Saxofonist Paulie Cerra. Dazu gesellen sich noch zwei Background-Sängerinnen aus Australien. Verdienten Applaus für die Akteure gibt es nicht nur an dieser Stelle, immer wieder hört man Beifallsbekundungen auf offener Szene. So, wie es sich für ein Konzert dieses Genres seit Jahren kennt. Vor allem nach gekonnten, fesselnden Solo-Darbietungen. Davon gibt es in der Swiss Life Hall einige, vor allem von Bonamassa selbst.

Kontinuierliche Steigerung

Auf der Setlist stehen Songs wie „How Deep The River Runs“, „Boogie With Stu“, „Angel Of Mercy“, „Going Down“ oder „Little Girl“. Stück für Stück wird die Stimmung in der Swiss Life Hall lockerer, zeitweise sogar enthusiatisch. Joe Bonamassa versteht es gekonnt, sein Set dramaturgisch zu steigern, dort, wo es nötig erscheint, einen Gang zurückzuschalten, aber letztlich kontinuierlich anzuziehen.

Zu keinem Zeitpunkt der Show gibt es Durchhänger, auch wenn musikalisch nichts geboten wird, was man in dieser oder ähnlicher Form nicht schon von vielen anderen Bands und Musikern des Genres gehört und gesehen hat. Bonamassa hat aber das gewisse Etwas, die Energie und vermutlich auch eine Art selbstauferlegten Auftrag, Blues und seine verschiedenen, vor allem rockigen und soul-rockigen Spielarten auf hohem Niveau zu pflegen und weltweit unter die Musikfans zu bringen, ob jung oder etwas älter. Manche mögen Blues oder blues-beeinflussten Rock mit viel Raum für Gitarrensoli erst durch diesen Musiker entdecken oder für sich wiederentdecken.

Distanz aufgehoben

Zu den letzten Songs der heutigen Show haben sich die Besucher von ihren Sitzen erhoben, es wird locker in der Halle, viele stehen jetzt am Bühnenrand, jede vorherige Distanz der konsequenten Sitzdisziplin ist nun aufgehoben und das tut der Veranstaltung hier richtig gut. Mit einem ausgedehntem „Hummingbird“ beenden Joe Bonamassa und seine Band unter großem und verdientem Beifall ihre Show.

Ein Konzert, das sich von solide zu gut bis hin zu sehr gut entwickelt hat und beim überwiegenden Teil der hier Anwesenden sicherlich angenehm im Gedächtnis bleiben wird.

INFO-BOX

Links
externer Link www.joebonamassa.com

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