Bildrechte: Lisa Eimermacher

Klassischer Punkrock: Stiff Little Fingers um Gründungsmitglied und Sänger Jake Burns bei ihrer Show im Kulturzentrum Faust.

Punk, Humor und spitzbübische Frechheit

Stiff Little Fingers zum 40. Bandjubiläum in der Faust

08. April 2017, Von: Lisa Eimermacher, Foto(s): Lisa Eimermacher

Anlässlich ihrer 40th Anniversary Tour statteten die nordirischen Punks Stiff Little Fingers am gestrigen Freitag der 60er-Jahre Halle im Kulturzentrum Faust einen Besuch ab, um zusammen mit ihren Fans ihr 40-jähriges Bandbestehen zu feiern. Wie es sich bei solch einem Bandgeburtstag gehört, teilte Sänger und Gitarrist Jake Burns einige Anekdoten aus der Bandgeschichte. Die passende Musik gab es natürlich keinesfalls vom Band, den handgemachten Punkrock brachten sie selbstverständlich selbst live auf die Bühne.

Nachdem die Vorgruppe Forkupines die 60er-Jahre-Halle auf Betriebstemperatur erhitzt haben, betreten die Punk-Legenden Stiff Little Fingers aus Nordirland um 22 Uhr die Bühne, um dem Publikum in den nächsten 90 Minuten in Oldschool-Punk-Manier ordentlich einzuheizen.

Die laut Veranstalter etwa 500 Besucher müssen nicht erst warm werden, sondern begrüßen ihre Punk-Helden wie alte Bekannte das eben tun; mit Gegröle und einem winkenden Arm, dessen Hand ein Glas Bier schwingt.

„Der nachfolgende Song ist in einem Key geschrieben, den ich nicht sonderlich gut singen kann“, gibt Sänger Jake Burns zu. Das sei auch der Grund, weshalb die Band ihn nicht oft live spielen würde. „Man sollte meinen, wir würden einfach in einer anderen Tonlage singen, aber das wäre zu einfach“, fügt er hinzu. Am heutigen Abend geben sie trotzdem ihren Song „Safe As Houses“ zum Besten.

Ihren Humor und ihre spitzbübische Frechheit sind ihnen scheinbar erhalten geblieben. „Ich glaube, jemand braucht den hier“, schmunzelt Jake Burns, während er einen vereinsamten schwarzen BH über seinen Kopf hält.

„Hier ist unsere einzige Liebeslied“

In dem Set aus 19 Songs dürfen Klassiker wie „Suspect Device“, „Wasted Life“, „Gotta Get Away“, „Straw Dogs“, „Roots, Radicals, Rockers And Reggae“ und das Bob Marley Cover „Johnny Was“ nicht fehlen. Obwohl Burns scherzt, dass er nicht verstehe, warum man seinem Bandkollegen und Bassisten Ali McMordie ein Mikrofon gebe, könne dieser doch keinen Ton treffen, lässt es sich Ali McMordie nicht nehmen, den Klassiker „Barbed Wire Love“ in fast perfektem Deutsch mit irischem Akzent anzukündigen: „Hier ist unsere einzige Liebeslied“.

Zwischendurch wird es ein wenig ernster, als Jake Burns in seiner Ansprache zum Song „Guilty Of Sin“ erklärt, wovon der Song handelt. Vor Jahren inspirierte ihn ein Interview von zwei Männern in etwa seinem Alter, die als Kinder von einem Pfarrer sexuell missbraucht wurden. Dass die beiden Männer mit ihrer öffentlichen Äußerung viel riskiert haben, zeige, wie viel Macht die Kirche in ihrem Heimatland Irland noch immer habe.

Prägende Wegbereiter der Punkrockbewegung

Stiff Little Finger wurden 1977 im nordirischen Belfast gegründet und waren neben legendären Bands wie The Clash, Sex Pistols, Undertones und Sham 69 prägende Wegbereiter der Punkrockbewegung und inspirierten Bands wie Bad Religion.

Die alten Gefühle transportieren sie noch immer mit ihren zeitlosen Songs. Trotz all der nostalgischen Rückblicke und all den Jahren, die sie schon im Tourbus die Welt bereisen, geben Stiff Little Fingers immer noch mächtig Gas. Gitarrist Ian McCallum und Bassist Ali McMordie springen höher als manch gelangweilter Teenager.

„Hätte es The Clash nicht gegeben, hätte es uns so nicht gegeben. Einfach, weil sie so einen großen Einfluss auf uns hatten, insbesondere Joe Strummer“, erklärt Jake Burns in seiner Ansage zum Song „Strummerville“, den er als Andenken an den The -Clash-Sänger und Punk-Idol schrieb.

Zum krönenden Abschluss verabschieden sich die vier Punks mit ihrem All-Time-Favourite und wohl bekanntesten Hit „American Ulster“.

Fans aus Berlin und Holland in Hannover

„Ich habe Stiff Little Fingers heute zum ersten Mal gesehen“, berichtet ein Konzertbesucher mittleren Alters. „Es war eine super Show“, fasst er sichtlich zufrieden zusammen.

Ein anderer Konzertgänger namens Bernd aus Berlin hat die Show heute Abend mit seinem Kumpel Harald aus Holland besucht. Vor zehn Jahren waren die beiden gemeinsam auf einem Stiff Little Fingers-Konzert in London.

„Das war schon `ne gute Show heute. Das war in London noch etwas kerniger. Aber, wenn man bedenkt, wie lange die schon Musik machen, war das echt beachtlich“, erinnert sich Bernd.

„Die sind ja mittlerweile auch schon um die 60. Vor zehn Jahren hatten sie noch mehr Energie, aber es hat mir gut gefallen“, erzählt Harald.

Harald und Bernd sind sich einig: „Ich glaube, die Leute wollen wieder handgemachte Musik hören“.

Die 60-er-Jahre-Halle steht noch, trotzdem war es eine solide Punkrock-Show. Vielleicht gibt es ja auch zum 50. Bandgeburtstag ein Wiedersehen in Hannover.

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externer Link www.kulturzentrum-faust.de

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