Bildrechte: Robert Smith

Entspannte, wie entschlossene Könner: The Neal Morse Band präsentierte am vergangenen Samstag ihr aktuelles Konzeptalbum "The Similitude Of A Dream" in voller Länge im ausverkauften Colos-Saal in Aschaffenburg.

Progressives Erlebnis in Aschaffenburg

The Neal Morse Band im ausverkauften Colos-Saal

28. März 2017, Von: Andreas Haug, Foto(s): Robert Smith

Völlig entgegen unserer allgemeinen Aufgabenstellung, über musikalische Entwicklungen und Ereignisse im Schwerpunkt aus Hannover und der Region zu berichten, machten sich zwei wackere Konzertberichterstatter aus unserem Team am vergangenen Samstag ins bayerische Aschaffenburg auf, um das Konzert der US-Progressive-Rocker The Neal Morse Band zu sehen und zu hören. Vor allem aus dem Grund, weil diese im Genre äußerst relevante Ausnahmeband mit Weltklasse-Akteuren wohl kaum jemals in der Region Hannover auftreten wird. Der Colos-Saal in Aschaffenburg war restlos ausverkauft und das mehr als zweistündige Konzert tatsächlich ein Erlebnis.

Aus organisatorischen Gründen erfolgt diese Berichterstattung ausnahmsweise ohne Konzertfotos, wir bitten dies nachzusehen, jedoch standen die fünf Musiker der The Neal Morse Band ähnlich entspannt-motiviert auf der Bühne des Aschaffenburger Colos-Saal, wie hier bei diesem offiziellen Foto-Shooting im letzten Jahr.

„Heute wird es sehr gemütlich“ kündigt der freundliche Security-Mann vorn am Einlass des weit über die Grenzen Bayerns bekannten Clubs an. Gemütlich heißt hier: Eng, sehr eng. Der Colos-Saal war bereits im Vorfeld dieses Termins restlos ausverkauft. Dicht gedrängt und erwartungsvoll stehen hier die Fans, die zum Teil mehrere Hundert Kilometer angereist waren und über die Band, Progressive-Rock und das neue The-Neal-Morse-Band „The Similitude Of A Dream“ eifrig fachsimpeln. Wer es schafft, sich zu den Theken durchzuquetschen, erlebt engsten Körperkontakt, dabei bevorzugen es einige hier im Saal, bei Shows sonst lieber zu sitzen, wie aus Unterhaltungen zu vernehmen ist.

Lustige Holprigkeit zu Beginn

Um kurz nach 20.00 Uhr beginnt das Konzert mit einer beinahe lustigen Holprigkeit. Das verheißungsvolle Intro erklingt minutenlang, ohne dass sich einer der Künstler auf der Bühne blicken lässt. Laute Zugabe-Rufe und Gelächter im Club. Dann Versuch Nummer Zwei und mit einem fulminanten Einsatz startet die zweistündige Show, deren zentraler Bestandteil das Album „The Similitude Of A Dream“ ist, das die Band in vollen Länge spielt und noch ein paar Zugaben draufsetzt.

Zwischendurch gönnt sich die Band um Sänger, Keyboarder und Gitarrist Neal Morse, Schlagzeuger Mike Portnoy, Bassist Randy George, Gitarrist und Sänger Eric Gillette und Keyboarder und Sänger Bill Hubauer eine rund 15-minütige Pause. Etwa an der Stelle, an der die CD 1 des Doppelalbums ausgespielt hat. Zeit auch für das Publikum, mal durchzuschnaufen, vor dem Club frische Luft zu schnappen oder sich mit Getränken zu versorgen.

Wer an dieses Konzert auf Grund der Eindrücke des aktuellen, von Fans und Kritikern hoch gelobten Albums, hohe Erwartungen gestellt hatte, wird alles andere als enttäuscht. The Neal Morse Band zeigt sich auf der verhältnismäßig kleinen Bühne in Hochform, spielerisch wie vor allem auch gesanglich. Bis zu vierstimmige Satzgesänge erklingen, in einigen Songs, wie „So Far Gone“ wechseln sich Neal Morse, Eric Gillette und Bill Hubauer im Lead-Gesang ab.

Ein Faultier als Maskottchen und der verlorene Stick

Die bei anderen Bands nicht selten üblichen Kniffe, bei Konzerten manche Melodielinien leicht zu variieren und auf ganz hohe Töne zu verzichten und dafür in etwas tiefere Lagen zu wechseln, werden hier nicht eingesetzt. So ist es schon ein Genuss, diese Show zu verfolgen. Saal-Sound und Licht-Show sind ebenso exzellent, transparent und überdurchschnittlich gut.

Der frühere Dream-Theater-Schlagzeuger Mike Portnoy hat sich als Maskottchen ein kuscheliges Spielzeug-Faultier über sein Rack gehängt. Dieses bringt dem im Metal-und Progressive-Rock weltweit hoch angesehenen Drummer auch weitestgehend Glück, bis auf ein einziges Mal, als Portnoy tatsächlich inmitten eines Stücks einen Drumstick verliert und den zu absolvierenden Crash-Beckenschlag mit der flachen Hand ausführt.

Ihm gefällt es augenscheinlich besonders, heute nicht auf einer großen Bühne in einer großen Halle, sondern in einem „hot and sweaty club“ (O-Ton Portnoy) wie dem Colos-Saal zu spielen. „600 people in this club….and it works“, sagt Mike Portnoy vor dem Akustik-Folk-Song „Freedom Song“ bei dem viele mitwippen, mitklatschen und mitsingen. Wie viele Menschen genau diesem Konzert beiwohnen, darüber gibt es verschiedene Informationen. Laut Auskunft des örtlichen Personals „knapp 500“, laut Mike Portnoy „600“. Für uns gefühlt irgendwo dazwischen.

Auf jeden Fall ist es über die mehr als zwei Stunden sehr kuschelig. Zum Arme-in-die-Höhe-reißen und Mitklatschen wie zum nahezu straighten Rocksong „City Of Destruction“ oder Armeschwingen wie bei Hymnen wie „A Long Day“ reicht der Platz allemal.

Virtuose Extravaganzen und geschickte Dramaturgie

Instrumentelle wie rhythmisch virtuose Extravaganzen hält das Programm ebenfalls bereit. Das wird von vielen Progressive-Rock-und –Metal-Kennern, darunter wahrscheinlich nicht wenigen aktiven Musikern, begeistert aufgenommen. In seelenlose Frickelei artet das Ganze aber zu keinem Zeitpunkt aus. Im Mittelpunkt stehen Melodien, Texte und ausgefuchst komponierte Songs zwischen verspielter wie gewitzter Leichtigkeit und sinfonischer Wucht.

Vor allem versteht es die Band den dramaturgischen Spannungsbogen des Konzeptwerkes auch live geschickt in Szene zu setzen. An Inspirationsgebern im Zusammenhang mit The Neal Morse Band fallen einem in progressiven Momenten eher Genesis oder Yes, als etwa Pink Floyd ein.

Man sieht und hört dem Konzert an, dass das rund 100-minütige Konzeptwerk „The Similitude Of A Dream“ das Ergebnis der Arbeit dieser Band ist und kein Neal-Morse-Solo-Album mit Begleitmusikern. Dennoch steht Morse als charismatischer Hauptsänger und Performer im Mittelpunkt und weiß in dieser Rolle zu überzeugen.

Lediglich die an einigen Stellen eingestreuten Showeinlagen mit Kutte, überdimensionaler Sonnen-/Schweißerbrille und einer Maske, die Morse selbst mit einer Taschenlampe vom Kinn aufwärts beleuchtet, sorgen für unfreiwillig komische Szenen. Nein, Neal Morse ist zwar ein großer Progressive-Rock-Künstler, aber eben nicht Peter Gabriel.

Wenn man das berühmte Haar in der Suppe dieses Konzertabends suchen möchte, da war es vielleicht, ansonsten war die Show für das Genre Progressive-Rock ein wahres Ereignis auf Spitzenniveau.

Während der laufenden Kurz-Tournee durch Deutschland spielt The Neal Morse Band noch am morgigen Mittwoch, den 29.März in der Hamburger Markthalle. Für diesen Termin waren –Stand gestern, 18.50 Uhr – noch Tickets im Vorverkauf erhältlich. Das letzte Deutschlandkonzert am 31.März in Köln ist, wie schon zuvor die Shows in Aschaffenburg und Berlin, bereits ausverkauft.

INFO-BOX

Links
externer Link www.nealmorse.com
externer Link www.target-concerts.de
externer Link www.colos-saal.de

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