Bildrechte: Torsten Gadegast

Erinnerungen an alte Zeiten: Fury In The Slaughterhouse spielten anlässlich ihres 30-jährigen Bandjubiläums das erste von drei ausverkauften Konzerten in der TUI Arena in Hannover.

Von Freundschaften und Erinnerungen

Fury In The Slaughterhouse in der TUI Arena

11. März 2017, Von: Andreas Haug, Foto(s): Torsten Gadegast

Das war er also nun, das erste von drei 30-Jahre-Fury- In-The-Slaughterhouse-Klassentreffen-Konzerten in der ausverkauften TUI Arena in Hannover. 30 Songs aus 30 Jahren über rund zweidreiviertel Stunden brachten den knapp 12.000 aus ganz Deutschland und noch weiter her angereisten Fans der hannoverschen Pop-Rock- Band Erinnerungen zurück, Gänsehautmomente inbegriffen. Es war ein gemütliches, entspanntes und von der Bühnenshow aufgeräumtes eher unspektakuläres Konzert, das vielmehr Menschen und Musik in den Mittelpunkt rückte.

Es dürfte nicht ganz leicht gewesen sein für Fury In The Slaughterhouse, die Setlist für den heutigen Abend zusammenzustellen. Von jedem und sicher auch für jeden war etwas dabei, ohne dass die hannoversche Band allzu offensiv so etwas wie ein Hitfeuerwerk abbrannte. Einige neue, erst kürzlich entstandene Songs wie etwa „Words“ fanden sich ebenfalls im Programm, schlüssige, angenehm zu hörende Stücke, die aber keine neuen Türen aufstoßen und für eher freundlich-reservierten Applaus sorgen.

Fury In The Slaughterhouse und ihre Musik bringt man vor allem mit den frühen 1990er Jahren in Verbindung, mit Alben wie dem Debüt, dem zweiten Album „Jau“, „Hooka Hey“ und „Mono“ und so sind es auch frühere Songs der Band wie „Cry It Out“ „Kick It Out“, „Every Generation Got It´s Own Desease“ oder die Mitsing-Hit-Hymnen „Won´t Forget These Days“ und „Time To Wonder“, zu denen das Publikum richtig mitgeht und feiert. Zu „Dead And Gone“, einem Cover vom „Mono“-Album, geht es dann mit rhythmischen Arme-Schwingen ebenfalls ganz respektabel ab in der bis unter das Dach gefüllten TUI Arena.

Bodenständig, solide und gekonnt

Schweißtreibendes Toben auf der Bühne und im Publikum, wie noch vor 20 oder mehr Jahren bleibt aus, diese Zeiten sind endgültig vorbei. Die Musiker spielen solide und gekonnt ihr Programm und die Fans erfreuen sich daran, schwelgen in Erinnerungen, schließen manches Mal die Augen, tanzen, strahlen und verdrücken so manche Träne ob vieler emotional besonders berührender Stücke wie „Haunted Head And Heart“ oder dem fast schon traditionellen Abschlusssong „Seconds To Fall“.

Die Musiker kommen im Casual-Look auf die Bühne, betont bodenständig, optisch wirkt das fast so, als wären sie hier bei einer Art Probe oder bei einem öffentlichen Soundcheck. Ein durchaus bemerkenswerter Kontrast zum Glanz und Glamour, den hier die meisten Acts in der großen Arena bei ihren Auftritten versprühen. Hier muss sich keine Band ein Publikum erspielen oder gar erkämpfen und auf Show-oder Performance-Effekte setzen, die Akteure sind bekannt, die Musik auch, so kennen es die Fury-Klassentreffen-Fans offenbar und so bekommen sie es auch. Die Abläufe sind vertraut.

Bei ruhigen Stücken wie „Things Like This“ tauscht man schon mal die Instrumente, Christian Decker übernimmt das Piano, Gero Drnek den Bass, während der neue siebte Mann, Gitarrist und Pedal-Steel-Spezialist Martin Huch schöne Slide-Akzente setzt. Das ist alles sehr stimmig und gut anzuhören, aber mehr soll es dann in Sachen Fury offensichtlich auch in Zukunft nicht werden.

Nicht zurück in alte Tretmühle

Das macht Sänger und Frontmann Kai Wingenfelder heute Abend in Hannover noch einmal deutlich. Man habe sich 2008 getrennt, um Freunde zu bleiben. Man wolle mit den neuen Songs keine neue Platte machen, um nicht wieder in die alte Tretmühle zu geraten, womit der andauernde Album-Veröffentlichungs-/Tournee-Turnus gemeint ist und sicherlich das eine oder andere geschäftliche Leistungsdruck-Szenario.

Damit liegen Fury In The Slaughterhouse vermutlich goldrichtig. Man sieht und man hört es heute Abend in der TUI-Arena: Es ist eine Band, die in den Neunzigern verwurzelt ist, eine Band die sich Erfolge hart erarbeitet und sehr viel erreicht hat und sich 2008 gebührend verabschiedet hat.

Der kernige Pop, Rock und auch mal punkige Pop ´n´Roll, wie ihn die Band in der Frühphase ihrer Karriere mit Inbrunst und Schmackes von den Bühnenbrettern in die Clubs geknallt hat, hat seine Zeit gehabt und kommt heute nicht mehr ganz hundertprozentig taufrisch und mit voller Energie und Überzeugung. Die großen Hits von Fury In The Slaughterhouse waren vor rund 25 Jahren Songs von damals jungen Erwachsenen für damals junge Erwachsene. Es war eine andere Zeit, ein anderes Lebensgefühl.

Der Großteil der Musiker ist schon seit vielen Jahren in anderen Projekten und Bands engagiert, Christof Stein-Schneider bei den Wohnraumhelden, Kai und Thorsten Wingenfelder sind zusammen mit jüngeren Musikern mit ihrer Band Wingenfelder aktiv und unterwegs und das künstlerisch wohl zeitgemäßer, vielleicht auch zukunftsorierter und aus dieser Perspektive ein Stück weit frischer, inspirierter und überzeugender.

Sich alle paar Jahre der alten Fury-Zeiten zu erinnern und diese mit langjährigen Freunden, Begleitern und Unterstützern in Form von losen Klassentreffen-Konzerten wieder zu feiern, scheint aber dennoch eine gute, runde und ehrliche Sache. In der TUI Arena hat es heute Abend funktioniert und vielen sehr viel Spaß gemacht.

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