Bildrechte: Constantin Rimpel

Oft mitreißend: Die Band Jennifer Rostock bei ihrer Show in der Swiss Life Hall in Hannover.

Kompromissbereit

Jennifer Rostock spielten vor 3000 Fans in Hannover

24. Februar 2017, Von: Andreas Haug, Foto(s): Constantin Rimpel

Gute bis prächtige Stimmung herrschte am gestrigen Donnerstagabend in der Swiss Life Hall in Hannover. Jennifer Rostock spielten vor 3000 Fans ein abwechslungsreiches, zeitweise hervorragendes Konzert, bei dem vor allem Sängerin und Frontfrau Jennifer Weist mit ihrer Performance zu überzeugen und auch zu begeistern wusste. Eine Band mit Haltung und Attitüde, die auf der einen Seite Stellung bezieht und scheinbar gern auch mal aneckt, sich aber auch im durchkalkulierten Musikentertainment elegant zu bewegen weiß.

Es ist kurz vor 21 Uhr, Jupiter Jones hatten ihren Auftritt zur Einstimmung auf den Konzertabend längst beendet, da bringen HipHop-Beats das überwiegend jugendliche Publikum in der Swiss Life Hall so richtig auf Betriebstemperatur. Bis in die hintersten Reihen wird getanzt, ohne dass vorn auf der Bühne zu diesem Zeitpunkt irgendetwas passiert. Als Jennifer Rostock dann kurze Zeit später die Bühne betreten, ist der Jubel groß. In den kommenden gut anderthalb Stunden sehen und hören die Besucher ein musikalisch sehr abwechslungsreiches Konzert zwischen Pop, Electro- Punk, Punk-Rock und Rock´n´Roll. Ein Hauch von HipHop-Groove schwebt zuweilen auch mal durch die Halle.

Mitreißend

Gleich als zweiten Song im Programm bringen Jennifer Rostock „GBAG“, Konfettikanonen kommen zum Einsatz, Lichtgewitter von hinten und Jennifer Weist vorn am Bühnenrand, die nicht nur bei diesem Song eindrucksvoll unterstreicht, dass sie in der aktuellen deutschen Rockszene wohl eine der besten Performerinnen und Sängerinnen ist. Ein wahres Energiebündel, das ihr Publikum zu fesseln und mitzureißen weiß.
Vorschau Bild 1Vorschau Bild 2Vorschau Bild 3Fotostrecke (5 Bilder) -Foto(s): Constantin Rimpel
Bei 3000 Fans in der Swiss Life Hall ist rund um die Band alles ein weniger größer aufgezogen und durchgetaktet organisiert. Es ist eine nahezu perfekt inszenierte Pop-Rock-Konzertproduktion, die so ziemlich alles bereithält, was man in dieser Größenordnung erwartet. Inklusive gefühlsintensiven Akustikset gegenüber der Bühne in der Nähe des Mischpultes. Von den Rahmenbedingungen ist das hier kaum etwas Besonderes und wirkt zeitweise stereotyp und wie an der Schnur gezogen geplant.

Songs wie „Feuer“, „Wir waren hier“ oder „Taktlos“ zünden und begeistern einerseits, unterscheiden sich dann aber nur wenig von dem modernen Pop-Rock, wie ihn viele Kolleginnen und Kollegen dieser Musiker-und Musikerinnen-Generation in Deutschland seit mehr als zehn Jahren in verschiedenen Variationen immer wieder anbieten. Wo bleibt in diesem Fall das Rotzige, das Punkige, das, was eine Band und ihre Musik wirklich ausmacht und von anderen im Business unterscheidet? Genau das bringen die Fünf dann andererseits mit Songs wie „Irgendwas ist immer“, „Mikrofon“ oder „Kaleidoskop“ rüber.

Es ist hier ein Kompromiss, der bei diesem Konzert in der Swiss Life Hall greift und sichtlich funktioniert. Kommerziell wie professionell nach den üblichen Regeln der Kunst in Szene gesetztes Live-Entertainment für eine große Masse in Kombination mit einer „Wir- machen- was- wir- wollen- und- pellen- uns- ein- Ei- drauf- was andere denken- und- sagen.“-Ausrichtung.

Ein Unterhaltungsgeschäft

Das ist vom Grundsatz das, was man anderswo in Richtung „street- credibility“ einordnet, was die Band bei ihren Fans sicher auch beliebt macht, gleichzeitig ist auch dieses Jennifer-Rostock-Konzert in dieser Form nichts anderes als ein Unterhaltungsgeschäft, das musikalisch wie produktionstechnisch wohl überlegt ist und funktioniert und kaum etwas von der ursprünglichen und eigentlichen Spontanität von Rock´n´Roll oder Punk-Rock hat.

Die Zeiten, als die Band, wie im Sommer 2008 in Hannover, eine Club-Show spielte, bei der auf einem sechs Quadratmeter großen Schlagzeugpodest beinahe genauso viele geleerte Bierflaschen standen, als Die-Hard-Fans der Band direkt vor der Bühne feierten, sind vorbei. Heute ist, anders als noch vor neun Jahren, nicht nach 30 Minuten das Pulver verschossen, um sich noch weitere 30 Minuten wacker durchs Programm zu kämpfen, heute ist die Band auch nach 90 Minuten noch topfit auf der Bühne.

“Zicke-Zacke-Zicke-Zacke-hoi-hoi-hoi“

Jennifer Rostock positionieren sich ansonsten dennoch klar, zählen zu den wenigen Bands der „neueren“ Generation, die mal dort hingehen, wo es wehtut, einen Diskurs provozieren, sich bei sozial- politischen Themen klar positionieren: Toleranz, Tierschutz und für ein respektvolles, soziales Miteinander, sind da nur ein kleine Auswahl. Das wirkt auch glaubwürdig und wenn Jennifer Weist heute Abend ihr junges Publikum auffordert, unbedingt zur nächsten Wahl zu gehen und das Kreuz an der „richtigen Stelle“ zu machen, dann ist das nicht nur ein Entertainment-Spruch, sondern eine wichtige Ansage.

Zwischen einigen Songs wird der Band immer wieder Schnaps gereicht, ein Kurzer zwischendurch, ging bei Jennifer-Rostock-Konzerten schon immer und gehört auch heute noch dazu. Gemeinsames Anstoßen mit dem Publikum: „Zicke-Zacke-Hoi-Hoi-Hoi“ skandiert Jennifer Weist heute Abend mehrmals und wird dabei aus vielen Hundert Kehlen unterstützt.

INFO-BOX

Links
externer Link www.jennifer-rostock.de
externer Link www.facebook.com/jenniferrostock
externer Link www.hannover-concerts.de
externer Link www.fkpscorpio.com
externer Link www.extratours-konzertbuero.de

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