Bildrechte: Jeff Kahra

Mit Wucht und Hymnen: Biffy Clyro mit Sänger und Gitarrist Simon Neil, spielten in Hannover in der Swiss Life Hall.

Wucht und Hymnen

Biffy Clyro in der Swiss Life Hall in Hannover

12. Februar 2017, Von: Andreas Haug, Foto(s): Jeff Kahra

Für manche der Anwesenden noch relativ neu und so etwas wie Nachrücker in der größeren internationalen Rockszene, für andere schon längst etabliert und mit Hits unterwegs: Am gestrigen Samstagabend trat die schottische New Prog/Alternative-Rock-Band Biffy Clyro in einer ansehnlich gefüllten Swiss Life Hall in Hannover auf und brachte ein Programm mit Songs aus ihrem aktuellen Album „Ellipsis“ und so ziemlich allen Klassikern aus der langjährigen Bandgeschichte auf die Bühne. Von Aviv Geffen und seiner Band gab es im Vorprogramm einen ruhigen, gefühlvollen Einstieg in den Abend.

Bereits kurz vor dem angekündigten Beginn starten Aviv Geffen und seine Band ihre Show. Im Vorfeld war der Act mit dem Zusatz „featuring Blackfield“ angekündigt worden. Das gab vor einigen Wochen Anlass zu Fragen: Wird mit Steven Wilson einer der weltweit angesehensten Top-Künstler der neueren Progressive-Rockgeschichte hier mitwirken? Die Band Blackfield besteht im künstlerischen Kern aus Aviv Geffen und Steven Wilson, doch letzterer – wir berichteten- nimmt an der aktuellen Konzertreise nicht teil.

Aviv Geffen bietet dem hannoverschen Publikum einen entspannten Einstieg in den Konzertabend. Der aus Israel stammende Sänger und Gitarrist zieht einige der Anwesenden mit melancholisch -melodischen Songs zwischen Pop und Pop-Rock mit Progressive-Rock-Akzenten in seinen Bann. Feine Kompositionen, schöner Klang, geschmackvolles Licht: Man kann das hier –wie der Verfasser dieses Artikels- in vollen Zügen genießen und toll finden. Man hört vielen Kompositionen deutlich auch die Handschrift von Steven Wilson an, auf der Setlist stehen folgerichtig auch Songs des am Vortag erschienenen neuen Blackfield-Albums. Einigen Besuchern, die vornehmlich auf Rock und Härte à la Biffy Clyro eingestellt sind, ist dagegen der Vortrag hier offensichtlich eine Spur zu weich und balladesk geprägt. „Langweilige Mucke“, drückt es ein Besucher rustikal aus.
Vorschau Bild 1Vorschau Bild 2Vorschau Bild 3Fotostrecke (5 Bilder) -Foto(s): Jeff Kahra
Um 21.00 Uhr gehen die Lichter in der Swiss Life Hall für Biffy Clyro an, ein Großteil der Besucher auf den beiden Sitztribünen erhebt sich gespannt, und was nun in den folgenden knapp zwei Stunden von der Bühne ins Publikum gebracht wird, ist lauter, wuchtig- harter Progressive -Alternative-Rock. Eckig, ruppig, explosiv auf der einen Seite, dann wieder melodisch bis gar hymnisch umschmeichelnd. „Wolves Of Winter“ markiert den Start und wäre der Saalsound hier und im Verlauf der folgenden Songs annähernd so angenehm wie die Lichtshow wild und spektakulär ist, es wäre schon von Beginn an ein gutes Konzert gewesen.

Erst rumpelnd, dann runder

Die ersten fünf, sechs Titel sind vordergründig durch Härte und Wucht geprägt. Auch wenn sich der Gesang zunächst kaum durchsetzen kann und die Musik von Biffy Clyro insgesamt ähnlich dumpf und breiig durch die Halle rumpelt, wie anderorts der Klang hastig abgemischter Vorgruppen, tut das der Stimmung hier bei vielen keinen wesentlichen Abbruch. Die Stücke, die Melodien, der Rhythmus sind erkennbar und packen durchaus zu. Nach einer Weile bekommen Band und Produktionsteam den zu Beginn ungewöhnlich schwachen Sound besser in den Griff und langsam aber sicher läuft die Show von Biffy Clyro runder und runder.

Mit ihrem aktuellen Album „Ellipsis“ haben die drei Schotten, heute auf der Bühne wieder mit Gast-Gitarrist und Gast-Keyboarder verstärkt, ein facettenreiches Werk abgeliefert. Songs, mit denen Sänger Simon Neil und die Zwillinge, Schlagzeuger Ben und Bassist James Johnston, einerseits versuchen, künstlerisch ihre Möglichkeiten weiter in Richtung Kraft, Härte und Sperrigkeit auszuloten, andererseits aber mit sehr gefälligen Stücken, wie der weichen Schmuse-Pop-Ballade „Re-Arrange“ Richtung Mainstream-Radio und allgemeiner Massen-Pop-Tauglichkeit schauen.

Zwischen Kompromiss, Härte und Anspruch

Biffy Clyro bewegen sich in einer Schnittmenge zwischen Kompromiss und Anspruch und das scheint zu funktionieren. Nicht ganz so häufig erlebt man Bands, die ein vom Lebensalter ein so bunt gemischtes Publikum für ihre Konzerte mobilisieren kann. Die Band steht für „jung, hart und frisch“ genauso wie für „reif und etabliert.“ Biffy Clyro bewegen sich außerhalb von Szenen und damit halten sich die Musiker sicher auch für die Zukunft viele Optionen offen.

Aus der hannoverschen Musik-und Bandszene sind heute Abend viele gekommen, es gibt hier und da ein großes „Hallo“ und „Wiedersehen“ und wer sich –sofern männlichen Geschlechts- in Fachsimpeleien über Sound und Songwriting ausbreitet, fährt sich von weiblicher Seite schon mal so genannte Totschlagargumente als Konter ein. Dem Erscheinungsbild eines augenscheinlich vorteilhaft-gesund wie trainiert wirkenden Körpers von Biffy-Clyro-Sänger Simon Neil und seiner zweifellos hervorragenden Gesangsleistung ist eigentlich nichts entgegenzusetzen

Knapp zwei Stunden spielen Biffy Clyro ein geschmackvoll wie schlüssig abgestimmtes Konzert. Erwartungsgemäß sind es vor allem Klassiker aus dem 2009er-Album „Only Revolutions“, die heute in der Swiss Leute das Publikum zum Tanzen, Mitsingen und besonders lautem Jubeln bringen. „The Captain“ fehlt ebenso wenig im Programm wie „Bubbles“ oder „Mountains“. Biffy Clyro lassen kaum Fan-Wünsche offen, der griffige Mid-Tempo-Rocker „Black Chandelier“ steht ebenfalls auf der Setlist.

Große Gefühle

Die ganz großen, wenn auch widersprüchlichen Gefühle, spart sich die Band bis fast zum Schluss auf. Es ist eine weitere große Biffy-Clyro-Hymne, ein Song der eine unglückliche Liebesbeziehung zweier Menschen beschreibt, die immer wieder zusammenrasseln, sich verletzen, aber dennoch nicht voneinander lassen können. Eine wechselhafte Geschichte zwischen Hoffnungen und Enttäuschungen. Der beinahe alles umarmende Refrain gibt dagegen ein trügerisches Gefühl von Wärme und Harmonie: „Many Of Horror“ ist ein phänomenaler Abschluss des regulären Sets.

Es folgen Zugaben, darunter der Song „Machines“, den Simon Neil solo mit Akustikgitarre präsentiert. Es wird nochmal geschwelgt und im Anschluss getanzt, bis die Band um kurz vor 23 Uhr unter lautem Applaus und Jubel die Bühne verlässt. Starke Leistung.

INFO-BOX

Links
externer Link www.biffyclyro.com
externer Link www.avivgeffen.com
externer Link www.hannover-concerts.de
externer Link www.facebook.com/avivgeffenofficial

Tools
Drucken Artikel drucken (PDF) Versenden Artikel versenden An Redaktion E-Mail an Redaktion


Ähnliche Artikel

, Foto(s): Ollie GroveAuf Krawall gebürstet
Mallory Knox veröffentlicht neues Album „Wired“

11.03.2017, Von: Redaktion, Foto(s): Ollie Grove

 


, Foto(s): Torsten GadegastAuf Metal-Kreuzfahrt für Newcomer-Award nominiert
Die Band Cryptex bei „70000 Tons Of Metal“ mit an Bord

23.01.2017, Von: Redaktion, Foto(s): Torsten Gadegast

 


, Foto(s): Shervin LainezSimon Kirke auf Solopfaden
Bad- Company-Schlagzeuger mit „All Because Of You“

20.01.2017, Von: Redaktion, Foto(s): Shervin Lainez

 


, Foto(s): Austin HaregraveZunehmend gefällig
Biffy Clyro stellen vor Hannover-Show „Flammable“ vor

19.01.2017, Von: Redaktion, Foto(s): Austin Haregrave

 


, Foto(s): Constantin RimpelSteven Wilson bereits wieder im Studio
Bei Blackfield-Shows mit Biffy Clyro nicht mit dabei

20.12.2016, Von: Redaktion, Foto(s): Constantin Rimpel

 




Zur Startseite