Bildrechte: Torsten Gadegast

Motiverter, kraftvoller Progressive-Rock: Cryptex spielten ihre diesjährige Hannover-Show im LUX.

Bauch, Herz und Hirn

Cryptex und Donkey Pilots spielten im LUX

19. Dezember 2016, Von: Andreas Haug, Foto(s): Torsten Gadegast

Es war im November 2014, als Cryptex in ihrer seinerzeit noch neuen Vier-Mann-Besetzung um Sänger und Kreativ-Kopf Simon Moskon erstmals in Hannover spielten. Seinerzeit im Béi Chéz Heinz. Am gestrigen Sonntagabend kehrten Cryptex nach längerer Live-Pause zurück in die Leinemetropole und gaben ein durchgehend motiviertes, vitales und zeitweise feuriges Konzert im LUX, das mitunter einer Zeitreise in den Hard-und Progressive-Rock der Siebziger glich. Das überzeugte und erstaunte nicht wenige. Zur Einstimmung gab es ein Akustik-Set der Hannoveraner Donkey Pilots.

Eigentlich ist es ein Sonntagabend für das heimische Wohnzimmer. Die seit einigen Tagen in Hannover andauernde feuchte Kriechkälte ist jedoch für insgesamt knapp 100 Besucher im locker und gemütlich gefüllten LUX kein Grund, nicht der in den letzten Jahren in der Leinemetropole doch recht selten gewordenen Shows der Progressive-Rockband Cryptex beizuwohnen.

Doch bevor die immer noch verhältnismäßig neu formierte Band um Simon Moskon die Bühne des Clubs in Linden betritt, eröffnet die Hannoveraner Band Donkey Pilots mit einem stimmigen, gefühlvoll-groovigen Akustik-Set den Abend. Ihr gut abgehangener, leicht bluesiger Americana-Rock passt perfekt zum Auftakt und wer weit in der Assoziationskiste mit Fantasie kramt, dem mag die Atmosphäre einer früheren Willy-de-Ville Show nicht fern liegen.
Vorschau Bild 1Vorschau Bild 2Vorschau Bild 3Fotostrecke (5 Bilder) -Foto(s): Torsten Gadegast
Cryptex spielen nach längerer, krankheitsbedingter Pause inklusive einer ärgerlichen, aber vor gut einem Jahr unvermeidbaren Tourabsage derzeit einige handverlesene Shows in Norddeutschland und da ist es naheliegend, dass auch Hannover, als quasi-Heimatstadt, dabei ist. Für Szene-und Bandkenner dürfte es eine spannende Frage gewesen sein, wie die zum Quartett erweiterte, weitestgehend neu formierte Band denn live herüberkommen würde, nachdem Cryptex jahrelang als Progressive-Folkrock-Band im Trio fast immer positiv beeindruckten.

Der Folk-Anstrich ist weitestgehend verblasst, die Band spielt satten, intelligent-ausgefuchst komponierten und arrangierten Hard-und Progressive-Rock mit viel Seventies-Flair. Kraftvoll, dynamisch, druckvoll mit Bauch, Herz und Hirn. Man schöpft aus dem Fundus von zwei Alben und geht im LUX zupackend zur Sache. Allen voran Sänger, Keyboarder und Frontmann Simon Moskon, der das Publikum ein ums andere Mal zum Tanzen und Mitmachen auffordert. „Habt ihr Bock?“, ruft er des Öfteren in den Saal, aber vielen ist hier gar nicht zum Rock-Party-Abriss zumute.

Energie, Emotion und die verbale Peitsche

Das Publikum verfolgt die Show eher mit verstärkter Aufmerksamkeit, nickt rhythmisch zu Songs wie der Savatage-Interpretation von „Gutter Ballet“ und spendet vielmehr im Anschluss kräftigen Applaus. Dennoch: Simon Moskon schwingt weiterhin die verbale Peitsche, Partizipation, wie er es nennt, ist sein Hauptmotto des Abends und das funktioniert dann später auch. Bei einem Song begibt sich Simon mit Schellenkranz und wild tanzend ins Publikum und zerschmettert sein Perkussionsinstrument schließlich in viele kleine Einzelteile. Das hier ist pure Emotion und Energie, eben ganz viel Bauch. Einige Besucher weichen sicherheitshalber ein paar Schritte zurück. Wer weiß schließlich, was noch kommt?

Aber die knapp 100 im LUX können unbesorgt sein, es bleibt bei intensiver, spannender und spielerisch meist hervorragend umgesetzter Rockmusik einer sehr stimmigen und gut eingespielten Band. Es gibt mehrstimmige Gesänge, filigrane Gitarrensoli und -kurzzeitig eingestreut- eine Adaption aus Led Zeppelin´s „Whole Lotta Love“ und eine Cover-Passage von „Doctor, Doctor“ der britischen Hardrock-Legende UFO. Eine kleine Reminiszenz an musikalische Inspirationsquellen scheinbar. Lässt man die Musik von Cryptex und diese Show auf sich wirken, dann mag man sich auch vorstellen, dass diese Band vermutlich anno 1972/73 in britischen Konzerthallen wie dem Rainbow oder dem Hammersmith Oden im Billing mit Acts wie Queen, David Bowie, Jethro Tull oder ähnlich schillernden und prägenden Acts der Rockgeschichte eine gute Figur gemacht hätte.

Anno 2016 sind der Sound und die Musik der im Grunde genommen immer noch jungen Band aus Salzgitter und Hannover ein einziges Alleinstellungsmerkmal, das sowohl junge wie auch reifere Jahrgänge mitreißt. So zumindest geschieht das heute Abend im LUX.

Cryptex präsentieren sich hier in Hannover wie eine Band, die brennt. Mit „Anthem Of Glory“ aus ihrem zweiten, immer noch aktuellen Album „Madeleine Effect“ beenden sie schließlich ihre Show. Es bleibt noch Zeit für Getränke und Gespräche und niemand hat hier ohrenscheinlich etwas Gravierendes zu meckern. Warum auch?

INFO-BOX

Links
externer Link www.facebook.com/cryptex.band
externer Link www.cryptexmusic.com
externer Link www.donkeypilots.com
externer Link www.lux-linden.de
externer Link www.hannover-concerts.de

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