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Harter Rock der ganz alten Schule: Wolfmother um Andrew Stockdale spielten in Hannover im Capitol.

Rock lebt!

Wolfmother mit Härte und Gefühl in Hannover

19. November 2016, Von: Andreas Haug, Foto(s): Jeff Kahra

Die australische Band Wolfmother hat am gestrigen Freitagabend im hannoverschen Capitol eine leidenschaftliche Rockshow alter Schule auf die Bühne gebracht. Die Kugel mit der Aufschrift „bluesiger, psychedelischer Hardrock“, die Ende der 1960er-Jahre Bands wie Black Sabbath oder Led Zeppelin losgeschossen hatten, halten Wolfmother seit 16 Jahren engagiert und gekonnt im Spiel. Andrew Stockdale und seine Mannen haben dem Rock dieses Genres neues Leben eingehaucht. Rund 1300 Rockfans in der Alterspanne von 18 Jahren bis weit in die Fünfziger im sehr gut gefüllten, nicht ganz ausverkauften Capitol, feierten den 90-minütigen Auftritt zeitweise ausgelassen.

Es sind in den letzten Jahren Pessimisten und Wehklagende unterwegs, die sich Sorgen um traditionellen, handgemachten, harten Rock machen. Einige glauben, Rockmusik, die von leibhaftigen Musikern engagiert aus ihren Instrumenten entlockt bis geprügelt wird, würde meist nur noch Ältere erreichen. „Gute, alte Zeiten“ kommen auf die Stammtische, man sinniert argwöhnisch über neue, junge Musikströmungen.

Wenn es ganz schlimm kommt, sind scheinbar brennende Themen wie Clubsterben oder das angeblich schwindende Interesse an Live-Musik ganz oben auf der Agenda. Wenn es noch schlimmer kommt, lamentieren einige ältere Semester, für sie gebe es kaum noch gute Rockkonzerte. Electro, Rap, HipHop oder junger Songwriter-Pop regierten die Musikwelt und mit dem Musikgeschmack einer nicht näher definierten Menge „junger Leute“ könne man nun gar nichts anfangen.
Fotostrecke (5 Bilder) -Foto(s): Jeff Kahra
Das Konzert von Wolfmother am heutigen Freitagabend im sehr gut gefüllten Capitol beweist das Gegenteil. Generationenübergreifend haben sich Rockfans eingefunden, um eine der aktuell populärsten Bands des bluesigen Psychedelic-Hardrock auf der Bühne zu erleben. Harter, trockener, lauter und intensiver Rock. Fuzz-und Overdrive-Verzerrung, hier und da ein bisschen Wah-Wah. Ein Trio in der Besetzung Gitarre/Gesang, Bass und Schlagzeug.Fertig, fast.

Generationen übergreifendes Interesse

Der Bassist greift darüber hinaus dann und wann in die Tasten einer Orgel. Sparsames Licht, mächtige Verstärker-Wände. Nicht mehr, nicht weniger. Pünktlich um 21.00 Uhr legen Wolfmother los. In den folgenden 90 Minuten geht es um Musik, lauten, harten, originären Rock zum Feiern, Austoben und Pogen für die etwas Jüngeren vor der Bühne, zum Genießen und Kopfnicken für die Älteren in den hinteren Reihen. Nur selten erlebt man eine Band, die vom Alter her ein so breites Publikum erreicht.

„Victorious“ aus dem aktuellen, gleichnamigen Album geht zum Start gut los. Das sich nebenbei das Gesangsmikrofon von Andrew Stockdale aus der Halterung löst und auf den Boden knallt, ist weniger eine Panne, denn ungezügelte Rockshow. Mit „Woman“ kommt schon an dritter Stelle ein Wolfmother-Klassiker. Der Moshpit ist eröffnet.

Es geht zeitweilig rau zur Sache, Knie hoch und Ellenbogen nach links und rechts. Zwei 18-Jährige, die extra aus Berlin angereist waren, fragen den Autor dieses Artikels, ob sich das Pogen verändert hätte, rücksichtsloser geworden sei. Bei Green Day vor ein paar Jahren sei das noch anders gewesen. Die Frage konnte mangels praktischer Erfahrung seit den frühen 80er Jahren nicht erschöpfend beantwortet werden.

Sichtlich aufgekratzt

Wenn Wolfmother einen Gang zurückschalten, vom Uptempo Rock-und Rock´n´Roll in langsamere, bluesig-psychedelische Fahrwasser driften, hier und da mal einen kleinen Jam anzetteln, tut das der Stimmung keinen Abbruch. Hier im Capitol ist High-Life, der Getränkezuspruch ist bemerkenswert, viele Besucher sind sichtlich aufgekratzt vor Begeisterung. Es scheint, als wollten sich viele zum Wochenende mal so richtig den Kopf freimachen. Den Soundtrack dazu liefert die australische Band oben auf der Bühne.

Mit ihrem harten, kraftvollen, groovigen und konsequent leidenschaftlichen Rock treffen Wolfmother den Nerv des hannoverschen Publikums. Es muss offenbar kantig und ungeschliffen sein, klingen wie etwa in der Zeit zwischen 1968 und 1973. Der Schweiß muss fließen und wehtun darf das Ganze auch mal. In dieser Form zeigt sich das Genre Rock heute von seiner äußerst lebendigen und attraktiven Seite.Zur Zugabe gibt es den Klassiker „The Joker And The Thief“. Nun wird auch in den hinteren Bereichen des Capitols gesprungen und rhythmisch mitgeklatscht.

Wolfmother gehören sicher nicht zu den besonders innovativen Bands. Was sie in welcher Form spielen, klingt seit Jahrzehnten vertraut. Das Trio um den charismatischen Sänger und Gitarristen Andrew Stockdale hat aber den Dreh raus, traditionellem, bluesigen Psychedelic- Hardrock neue Würze zu geben, ein paar kleine Akzente zu setzen und ihn auf der Bühne mit frischer Energie und Motivation glaubwürdig auszuleben. Dafür wird die Band im Capitol verdient bejubelt.

Solange Wolfmother und artverwandte Bands unterwegs sind, muss man sich um „die gute alte Rockmusik“ wohl kaum Sorgen machen.

INFO-BOX

Links
externer Link www.wolfmother.com
externer Link www.facebook.com/wolfmother
externer Link www.sunday-entertainment.de
externer Link www.fkpscorpio.com

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